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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Aquarium

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Aquarium

ferner Toplane, Charles Green, namhafte Genremaler; in der Architektur: Nash, Roberts, Haghe, Stanfield, Fulleylove; in der Marine: Cooke, Duncan, sehr naturwahr und ohne Übertreibung; in der Landschaft: Fripp, Darding, Bonington, Davidson, Birkel, Haag, Goodwin u. s. w. Branwhite vereinigt seine Wasserfarben mit Pastell und erzielt dadurch eine Wirkung wie von einem Ölbilde vor dem Firnis. Er stellt mit poet. Geist ausgedehnte Naturscenen dar. Außerdem schildern das Tier- und Jagdleben des Hochlandes in großen Tafeln mit kräftigem Vortrage Taylor und Landseer, so daß es kein Darstellungsgebiet giebt, welches die englische A. nicht pflegte. Einen neuen Aufschwung nahm die A. durch die eigentümliche Kunstbewegung, welche die Präraffaeliten (s. d.) hervorriefen: Rosetti, Mador Brown, Burne Jones, Holman Hunt, John Millais arbeiteten mit Erfolg auch in dieser Kunstart, so daß die englische A. noch heute obenan steht. - Vgl. Roget, History of the Old Water Colour Society (2 Bde., Lond., 1891); Redgrave, History of Water Colour Painting in England (ebd. 1892).

Einen etwas andern Charakter hat die A. in Frankreich angenommen, wo die A. weniger um ihrer selbst willen als zur Herstellung flotter Skizzen gepflegt wurde. Meister wie Delaroche, Gudin, Johannot u. a. betrieben diese A. als Nebenbeschäftigung, besonders um der Modeliebhaberei zu genügen. Unter den eigentlichen Aquarellmalern zeichneten sich aus, in Landschaften: Isabey der Vater, Hubert, J. Ouvrié, Gué, Fort; in Porträten: Olivier Grand u. a.; in Blumen: Redouté und die Damen Desportes und Martin Bouchère. Früh entstand aus der A. mit Deckfarben eine hochentwickelte Blumenmalerei, welche namentlich durch die Musterzeichner gepflegt wurde. In neuerer Zeit wird in Frankreich die A. weniger geübt; sonst nur im größern Stil nach Art der Engländer. In dieser Weise glänzte Delacroix (gest. 1863) und Th. Valerio (gest. 1879), der sich namentlich die treue Schilderung der Völker des östl. Europas zur Aufgabe stellte. Ferner sind hervorzuheben: Descamps (Genre), Raffet (militär. Scenen), Gavarni, Girard. Auch die Figurenmaler bedienten sich der A. und erzielten zum Teil hervorragende Wirkungen, so Detaille, Neuville u. a.

Die deutsche A. beginnt mit den: "Illuminieren" von Kupferstichen, zu dem neben Saft- auch Deckfarben verwendet wurden. Zu einer selbständigen Kunst erhob sie sich erst spät. Als die ersten bedeutenden Aquarellmaler in Deutschland sind Karl Werner in Leipzig und Ed. Hildebrandt in Berlin zu nennen, von welchen der erstere durch seine Technik, der letztere durch meisterhafte Behandlung der Lichtwirkungen glänzte; ferner Rud. und Franz Alt in Wien und Ludwig Passini in Venedig. Biermann, Otto, Graeb in Berlin, Heinrich, Stöckler, Selleny, Agricola, Fendi, Gauermann in Wien, Neureuther, R. Stieler in München, Scheuren, Mintrop u. a. in Düsseldorf, E. E. Öhme und Mohn in Dresden sind Vertreter der ältern Richtung der deutschen A. Neue Bahnen beschritt diese durch A. Menzels Vorgang, der viel mit Deckfarben arbeitete und durch diese eine breite, pastose Wirkung erzielte. Die Berliner Künstler, wie Franz Skarbina, Paul Meyerheim u. a. folgten im allgemeinen seinem Beispiel. Der Anregung Fr. von Lenbachs, der an Stelle der Deckfarbe vielfach farbige Kreide verwendete, also der Pastellmalerei sich näherte, folgten Piglhein, Ludwig Dill, von Barthel, Dettmann, Kühl u. a. Auf der Internationalen Aquarellausstellung zu Dresden 1890 erwies sich die deutsche Kunst als eine bereits hoch entwickelte. Auch die Italiener pflegen seit neuerer Zeit lebhaft die A. und zeichnen sich durch leuchtende Farbe aus, wie Corelli, Zezzos, Mainella u. a.

Aquarium (vom lat. aqua, Wasser) hieß früher in den Apotheken der zur Aufbewahrung flüssiger Arzneistoffe in Flaschen, Fässern u. s. w. bestimmte Kellerraum; in England pflegte man auch wohl in den Warmhäusern die zur Unterhaltung von Wasserpflanzen bestimmten Bassins so zu nennen. In neuerer Zeit ist das Wort vorzugsweise zur Bezeichnung von Wasserbehältern üblich geworden, in denen außer Wasserpflanzen auch Wassertiere unterhalten werden und die zur Beobachtung des organischen Lebens der Wasserwelt dienen sollen. Vorrichtungen mit letzterm Zweck gab es schon früher. Seit etwa 1852 kamen jedoch die Aquarien von England aus, durch Ward, Johnston, Warrington, Gosse u. a. empfohlen, zum Zweck belehrender Unterhaltung in Aufnahme und sind seitdem rasch zu beliebten Dekorationsstücken nicht nur für Garten- und Gewächshäuser, sondern auch für Zimmer geworden. Aquarien für Garten- und Gewächshäuser sind größere Bassins, solche für Zimmer entweder aus Glastafeln zusammengesetzte Kästen oder kelch-, schalen- und napfartige Glasgefäße. Ein jedes A. muß außer Tieren auch Pflanzen enthalten, wenn diese kleine Welt durch sich selbst fortbestehen soll. Der Sauerstoff, welchen die Pflanzen entwickeln, kommt den Tieren zugute, während der Kohlenstoff, den letztere ausatmen, für erstere unentbehrliche Nahrung ist. Wesentliche Bedingungen sind: Reinhalten und Austausch des Wassers, sobald es trübe wird; Zufuhr von Luft, die das Atmen der Tiere ermöglicht; Herstellung von Bewegung für solche Tiere, die an fließendes Wasser, Wellenbewegung am Seestrande gewöhnt sind und ein intensives Atembedürfnis besitzen. Es giebt Süßwasser- und Meerwasser-Aquarien.

Das Süßwasser-Aquarium ist am leichtesten zu unterhalten. Es wird in den Glasbehältern, die gegen zu viel Licht und Wärme geschützt sein müssen, ein sandiger, mit Torfstücken vermischter Grund gebildet und in der Mitte eine Art Insel von Tuffstein zu Schlupfwinkeln und Wohnungen errichtet; zum Schmuck legt man wohl auch zierliche Muschelschalen u. dgl. ein. Von Tieren werden in das Wasser am besten Goldfischchen und andere Süßwasserfische in jüngerm Zustande, junge Wasserfrösche, Wasserskorpione, Wasserschnecken u. s. w. eingesetzt. Von Pflanzen eignen sich am besten für den Boden des A. Saggittaria, Alisma, Ceratophyllum, Myriophyllum, Mentha aquatica L., Callitriche, Urticularia, Hippuris, Potamogeton, Glyceria aquatica Presl.; für den Tuffstein Vaccinium oxycoccos L., Myosotis palustris L., Drosera, Hydrocotyle, Empetrum nigrum L., Andromeda polifolia, Selaginella, Calla aethiopica und palustris L., mehrere Farnkräuter, wie Blechnum, Osmunda, Struthiopteris. Besonders reinigenden Einfluß üben die Wasserpest (Elodea) und die Wasserlinsen (Lemna). Für das größere Bassin-Aquarium benutzt man auch größere Pflanzen. - Vgl. Roßmäßler, Das Süßwasser-Aquarium (5., von Hermes bearbeitete Aufl., Lpz. 1892); Grässe, Das Süßwasser-Aquarium (2. Aufl., Hamb. 1881); Solotnitzty, Das A. (Hagen 1893 fg.); Monatsschrift für Aquarienfreunde (Leipzig, seit 1894).