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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Arabien (Bewässerung. Klima. Pflanzenwelt. Tierwelt)

her stehenden Gipfel überragen die Ebene noch um 650-1000 m, ja der Dschebel Hattun scheint 4000 m zu erreichen. Von diesen Gipfeln herab kommen zahlreiche Gebirgsströme, welche die tiefen Felsthäler bewässern, aber freilich nur bis zur dürren Tihama gelangen, wo ihr Wasser nur noch unterhalb der leichten Sanddecke zu finden ist. Die steilen Gebirgsabhänge, von denen das weiche Erdreich längst heruntergespült, sind meist öde und vegetationslos, doch sind namentlich die südl. Landschaften Jemens angebaut, das ehemals als Arabia felix bekannte Land, dessen balsamische Produkte ihm einen weitreichenden Ruf erworben hatten. Das ganze westl. Randgebirge nordwärts von Jemen ist meist steil, felsig und unfruchtbar; die Ortschaften liegen teils an der Küste, teils wie Mekka und Medina schon auf der Hochebene, oasenhaft eingestreut.

Bewässerung. Einer der in A. seltenen permanenten Ströme ist der im W. neben Aden mündende Maidan. Das große Wassersystem in der nördl. Hälfte A.s ist der Wadi er-Rumem, der im N. der Radwaberge entspringt und im Anfange Wadi el-Hams, dann, wo er das Gebirge verläßt und sich andere Wadis anschließen, Wadi Nedschd heißt. Er fließt anfangs nach SO., auf Medina zu, dann nach NO. bis Hanakia, von wo er östlich nach Aban zieht. Bis dahin empfängt er alle Winterströme des Hedschas; der größte ist der Wadi Haghir, dem die Karawanenstraße der pers. Pilger zwischen Haïl und Mekka folgt. Weiter zieht er östlich bis Anese und wendet sich nun nördlich und dann nach ONO., um sich endlich, wie es scheint, bei Suk esch-Schujuch an den Euphrat anzuschließen. Im untersten Teile ist er eine Tagereise breit und im Winter häufig so angeschwollen, daß er nicht zu überschreiten ist; im Sommer dagegen oder während des größten Teils des Jahres ist der Lauf in der 7-800 km langen Sandgegend unterbrochen. Quellen sind im ganzen Innern sehr selten. Das Bewässerungssystem ist namentlich in Jemen zu hoher Vollkommenheit gediehen. Tiefe Brunnen, Cisternen und trichterartige Reservoirs sammeln das Wasser, das in der Regenzeit in Strömen herabstürzt und in der heißen Jahreszeit schnell wieder verdunstet. Mit Hilfe der künstlichen Behälter vermag man jedoch die Kaffeepflanzungen im üppigsten Gedeihen zu erhalten. Die Wasserbehälter sind stufenweise angelegt. An der Küste von Bahrein dringt eine Unzahl mächtiger Süßwasserquellen im Meere empor.

Klima. In den Küstenebenen steht gewöhnlich nachts das Thermometer auf 30°, am Morgen auf 35°, am Tage an den kühlsten und schattigsten Stellen auf mehr als 45° C. Die Küste des Roten Meers gehört unstreitig zu den heißesten Gegenden der Erde; daß auch die Nächte keine Kühlung gewähren, ist eine Hauptursache der Schädlichkeit dieses Klimas. Die Luft bleibt im Sommer zuweilen 60 Tage lang ohne jede Bewegung. Der herrschende Wind in dem völlig regenlosen Sommer ist in ganz A. der Passat. Auf dem Hochlande ist das Klima extrem, heiße Tage, kühle Nächte, und in Taïf und Sana sind Schnee und Eis wohlbekannt. Auf den Hochebenen Hadramauts muß man die Eisdecke auf den Wasserbehältern zuweilen aufhauen. Den hochgelegenen Landschaften des Innern fehlt es auch nicht an Regengüssen, die je nach der Lage an verschiedene Jahreszeiten gebunden sind. Auf dem Westabhange der Gebirge Jemens dauern sie von Juni bis September, und überdies fällt eine zweite Regenzeit in den Frühling. Auf dem Ostabhange beginnt die Regenzeit Mitte November und währt bis Mitte Februar, ebenso in Nedschd von 28 bis 24° nördl. Br. In Hadramaut und Oman dauert die Regenzeit an den Küsten von Mitte Februar bis Mitte April, und in den Hochlandschaften Hadramauts ist die Zeit von April bis September durch häufige, von Regenströmen begleitete Gewitter ausgezeichnet. Solange die Regenzeit dauert, ist das ganze Land mit dem frischesten Grün bedeckt. Nördlich von 16° nördl. Br. beginnen die Regen unsicher zu werden. In ganz A., nördlich von 20° nördl. Br. beträgt die Regenmenge weniger als 200 mm im Jahre. In Maskat weht im Mai und Juni öfter ein sengender Westwind, unter dem die Hitze auf 47° C. steigt, dann folgt der Südost mit Nebel und Feuchtigkeit bei 30-32° Wärme.

Die Pflanzenwelt A.s zerfällt in zwei Abschnitte: 1) Der Hauptteil des Landes schließt sich innig an die östl. Sahara an und hat als hauptsächliche Nutzpflanze die Dattelpalme. 2) Die südwestl. Provinzen ähneln dem benachbarten abessin. Bergland, die südöstlichen von Hadramaut bis Oman teils den Somalländern, teils Ostindien. Im SW. ist die Heimat des Kathastrauches (Catha edulis Vahl.), dessen Anbau stellenweise den des Kaffees übertrifft, der vermutlich aus Afrika in A. eingeführt ist. Aus Indien stammen Bananen, Mangustanen und ind. Feigen. Allgemein verbreitet sind Tamarinde und Balsambaum (Balsamodendron myrrha Nees.). Der Weihrauchbaum wächst in einem Teile von Hadramaut längs des Indischen Oceans. Überhaupt hat A. einen Reichtum an wohlriechenden Baumarten wie wenig andere Länder. Die Cassia fistula L., die Aloe und das Olibanum oder Weihrauch sind sehr geschätzte Droguen. Die Sykomore wächst wild. Akazienarten liefern das arab. Gummi. Tamarindus indica L. baut man im südwestlichen A., ebenso Tabak, Zuckerrohr und Indigo.

Tierwelt. Die in den Bergen A.s lebenden wilden Tiere sind hauptsächlich: der Panther, die Hyäne, der Wolf, der Fuchs, ein schwarzer wilder Hund, die wilde Katze, der Schakal, der wilde Ochse, zahlreiche Affen, Wildschweine, auf den felsigen Höhen Steinböcke, in allen Wüsten Antilopen und Gazellen, Springmäuse und zahlreiche andere Nager; Eidechsen und Landschildkröten sind häufig, auch Schlangen. Berühmt ist die Pferdezucht. Unentbehrlich für den Araber ist das Kamel, hier kleiner als in den nördlichern Ländern. Man gebraucht dasselbe zum Tragen; zum Reiten aber nur das einhöckerige, das Dromedar, hier Delûl oder Hedschin genannt. Wilde Esel (Onager) leben zahlreich im Westen des Dschebel Schammar, wo sie wegen ihres Fleisches, Felles und ihrer Hufe gejagt werden. Die Rindviehzucht ist unbedeutend. Die Kühe, die man zum Bewegen der Wasserschöpfmaschinen verwendet, sind klein, knochig und haben, wie die am Nil, einen Höcker. Die nördlichen arab. Stämme treiben viel Schaf- und Ziegenzucht. Diese Schafe sind ohne Fettschwanz. Oft weiden zwischen den Herden zahm gewordene Gazellen. In den fruchtbaren Gegenden findet sich reichliche Geflügelzucht. An wilden, besonders auf dem Boden lebenden Vogelarten ist kein Mangel. Perlhühner wohnen in den Wäldern in größter Menge; in den Ebenen leben Rebhühner, Lerchen, wilde Gänse, Kraniche u. s. w. Adler, Falken, Sperber und der ägypt. Geier sind die gewöhnlichen Raubvögel; eine Drosselart nützt durch Vertilgung der Heuschrecken. In den Wüsten ist der Strauß häufig; an den Küsten findet man