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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Arabische Sprache und Litteratur

Sprachgebietes voraussetzen; solche Unterschiede sind in der That von den spätern Philologen fleißig gesammelt und verzeichnet worden, machen sich aber in den Resten der ältesten arab. Litteratur, deren Urheber den verschiedensten Stämmen angehören, nur sehr wenig bemerkbar, so daß man voraussetzen kann, daß schon in alter Zeit die Sprache der Poesie allenthalben ziemlich dieselbe Gestaltung hatte, die auch der Koran aufweist, und die man fälschlich als Dialekt des Stammes Koreisch (s. d.) bezeichnet hat. Ganz frei von fremdem Sprachgut hat sich auch diese älteste Schicht der arab. Sprache nicht erhalten, eine Menge von Kulturwörtern ist bereits in der heidn. Zeit aus dem Persischen, Griechischen und Aramäischen eingedrungen (vgl. Fränkel, Die aramäischen Fremdwörter im Arabischen, Leid. 1886), deren Anzahl sich im Islam durch das Entlehnen religiöser Ausdrücke und durch das weitere Eindringen fremder Kulturwörter noch vermehrt hat. - Es kann vorausgesetzt werden, daß bereits in vormohammed. Zeit in der Umgangssprache nicht die vollen Formen der Dichter- und Koransprache angewendet wurden; mit dem Fortschritt der Sprachentwicklung, mit der durch die Ausbreitung des Islam erfolgten weitern Ausbreitung des Sprachgebietes, bilden sich die vulgärarabischen Dialekte heraus. Im Vulgärarabischen verschwindet die Fülle der grammatischen Formen der altklassischen Sprache, es verschwinden namentlich die Vokalendungen, die in der klassischen Sprache Casus und Modi differenzieren, der Wortvorrat ist ärmlicher, die Syntax freier; dafür bilden sich zur Bezeichnung mancher grammatischer Kategorien selbständige Behelfe heraus u. s. w. Die alte klassische Sprache wird Religions- und Gelehrtensprache des Islam. Das Vulgärarabische weist in seinen verschiedenen Gebieten große Verschiedenheiten auf; im großen sind drei Dialekte zu unterscheiden: der syr., ägypt. und der maghribinische Dialekt. - Über die arab. Schrift s. Schrift, Kufische Schrift, Neschi.

Infolge der Eroberung Siciliens und Spaniens durch die Araber drang die arab. Sprache auch nach Europa. Sie hat in den roman. Sprachen, namentlich im Spanischen und Portugiesischen, zahlreiche Spuren ihres Einflusses hinterlassen. (Vgl. Dozy und Engelmann, Glossaire des mots espagnols et portugais dérivés de l'Arabe, 2. Aufl., Leid. 1869.) - In Europa begann man im 16. Jahrh. sich mit dem Studium des Arabischen zu beschäftigen. Auch durch die 1622 von Papst Gregor XV. in Rom gestiftete Congregatio de propaganda fide erhielt das Sprachstudium neue Förderung. Seit Urban VIII. (1627) besitzt die Kongregation zugleich eine Schule für künftige Missionare, das sog. Collegium oder Seminarum de propaganda fide. In dieser wurde Arabisch und Syrisch von Eingeborenen gelehrt, und zum Behufe des sprachlichen Unterrichts druckte man nicht nur orient. Texte, sondern verfaßte auch Grammatiken der betreffenden Sprachen. Einen epochemachenden Aufschwung nahm das Studium des Arabischen in der holländischen Schule, zuerst durch Erpenius (Grammatik, 1. Ausg., Leid. 1613, dann öfters), dann durch die Erforschung der reichen handschriftlichen Schätze, die Levin Warner (geb. 1619, gest. 1665) im Orient sammelte und der Universität Leiden schenkte (Legatum Warnerianum). Hervorzuheben sind die Arbeiten von Albert Schultens (geb. 1686, gest. 1750) und seiner Schule, in der zu allererst ein selbständiges Studium der A. S. u. L. hervortritt. In eine neue Periode tritt das Studium des Arabischen mit Silvestre de Sacy (s. d.), dessen bahnbrechendes grammatisches Werk (2 Bde., Par. 1810; 2. Aufl. 1831) seinem bedeutendsten Schüler H. L. Fleischer (s. d.) als Ausgangspunkt diente für die noch gründlichere Vertiefung der arab. Grammatik, namentlich der Syntax. Aus dieser Epoche sind noch zu nennen die Werke von Lumsden ("Grammar of the Arabic language", Kalkutta 1813) und die noch heute bedeutende "Grammatica critica linguae arabicae" von Ewald (2 Bde., Lpz. 1831-33). Hieran schließt sich Caspari, dessen Buch (zuerst 2 Bde., Lpz. 1844-48) in den durch August Müller besorgten, beträchtlich vermehrten und verbesserten Auflagen (5. Aufl. in 1 Bd., Halle 1887) sowie in W. Wrights engl. Bearbeitung (2 Bde., Lond. 1859-62; 2. Aufl., ebd. 1874-75) fast zu einem neuen Werke geworden ist; franz. Übersetzung von E. Uricoechea (Brüss. 1880). Eine gedrängte Darstellung der notwendigsten Elemente samt Lesestücken, Glossar und Litteraturnachweisen bietet Socin ("Porta linguarum orientalium IV", deutsch und engl., Berl. 1885; 3. Aufl. 1895). - Wörterbücher der arab. Sprache verfaßten Giggejus (Mail. 1632), Golius (Leid. 1653), Freytag (4 Bde., Halle 1830-37), Kasimirski (1848-60), Badger (1881). Diese Wörterbücher beruhen zumeist auf der einheimisch arab.-lexikogr. Litteratur. In bisher noch nicht erreichter Vollständigkeit und mit musterhafter Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit ist diese Litteratur verarbeitet in E. W. Lanes "Arabic English Lexicon" (Lond. 1864 fg.). Außerdem sind zu erwähnen die Wörterbücher von Cuche (Beirut 1862; 2. Aufl., anonym, 1882; neu bearbeitet von P. Belot 1888), Catafago (1873), Wahrmund (2 Bde., 2. Aufl., Gießen 1879), in der auch vulgärarab. Material verarbeitet ist, Gasselin (2 Bde., Par. 1891) und Salmone (2 Bde., 1890). Zu allen bis dahin erschienenen Wörterbüchern der arab. Sprache lieferte Dozy aus der arab. Litteratur geschöpfte Ergänzungen u. d. T. ""Supplément aux dictionnaires arabes" (2 Bde., Leid. 1877-81), an die Fleischer ("Kleinere Schriften", Bd. 3, Lpz. 1888) und Kremer (Wien 1883-84) noch weitere Beiträge anreihten.

Unter den Chrestomathien sind zu nennen die "Anthologie arabe", hg. von Humbert (Par. 1819), die von Silvestre de Sacy (3 Bde., ebd. 1827), Kosegarten (Lpz. 1828), Grangeret de Lagrange (Par. 1828), Freytag (Bonn 1834), F. A. Arnold (Halle 1853), W. Wright ("Arabic reading book", Lond. 1870), Girgas-Rosen (1876), Derenbourg-Spiro (1885), Nöldeke-Müller (altarab. Poesie, Verl. 1890) und Brünnow (Prosaschriftsteller, ebd. 1895). Die in Beirut wirkenden Jesuiten haben im letzten Jahrzehnt verschiedene Hilfsmittel zum Studium der A. S. u. L. veröffentlicht: darunter ist besonders zu erwähnen die mit Noten und Glossar versehene große Chrestomathie "Fleurs de la littérature arabe" (7 Bde., Beirut 1883-89). - Die arab. Metrik und Poetik bearbeiteten H. Ewald (Braunschw. 1825), Freytag (Bonn 1830), Guyard (Par. 1877), Coupry (Lpz. 1875), Gies (1879). die Rhetorik Garcin de Tassy (1846) und A. Mehren (Kopenh. 1853).

Die Kenntnis des Neu- und Vulgärarabischen nach seinen verschiedenen Dialekten förderten durch Grammatiken Canes (Madr. 1775), Dombay (Wien 1800), Caussin de Perceval (4. Aufl., Par. 1858), der Scheich Mohammed al-Tantawi (1848), Wahrmund ("Praktisches Handbuch der neuarab.