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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Arabische Sprache und Litteratur

auch in der Geometrie. Große Verdienste erwarben sie sich um die sphärische Trigonometrie; schon im 9. Jahrh. bedienten sie sich des Sinus der Bogen statt der Sehnen; auch die Einführung der Tangenten des Kreises ist ihr Verdienst. So entwickelten sie die griech. und ind. Mathematik ("über den arab. Euklid" von Klamroth 1881) und Al-Karchî, dessen Schrift Kâfi fîl Hisâb von Ad. Hochheim (3 Tle., Halle 1878-80) herausgegeben wurde, ist im 11. Jahrh. der Begründer jener Vervollkommnungen der alten Mathematik, welche man lange dem Fibonacci zuschrieb. Die in verschiedenen Zeitschriften zerstreuten Abhandlungen Wöpkes (vgl. dessen Recherches sur l'histoire des sciences mathématiques chez les Orientaux, Par. 1860), Steinschneiders ("Vite di Mathematici arabici") und die Werke Sédillots ("Matériaux por servir à l'histoire comparée des sciences mathématiques chez les Grecs et les Orientaux", 2 Bde., Par. 1845-49) enthalten die Einzelheiten über die Stellung der Araber in der Geschichte der Mathematik.

Ihre Fortschritte begründeten die Pflege der Astronomie im östl. und westl. Islam. In den Observatorien von Bagdad, Damaskus und Kairo wurden seit dem 9. Jahrh. astron. Beobachtungen ausgeführt. Schon 833 wurde die astron. Arbeit des Ptolemäus von Alfergani (Alfraganus, hg. von Golius, Amsterd. 1669) bearbeitet. Albatanî (Albertegnius, gest. 929) beobachtete das Fortrücken der Absidenlinie der Erdbahn; der bedeutendste Astronom jener Periode war Abulwafâ, der sich 959 in Bagdad niederließ und dessen Almagest einen großen Fortschritt der Wissenschaft bezeichnet. In Kairo wendete Ibn Junus um dieselbe Zeit Berechnungsmethoden an, die in Europa erst viele Jahrhunderte später auftauchen. Mit einer großen Reihe von Abhandlungen und neuen Beobachtungen bereicherte diese Wissenschaft der große Bêrûnî (s. d.) und Ibn al-Haitham (gest. 1038), dessen "Optik" 1882 von Baarmann arabisch und deutsch herausgegeben wurde. Die theoretischen Studien begleitete praktischer Sinn für die Erfindung der zu den Beobachtungen erforderlichen Instrumente. In den Observatorien im Osten und in Spanien bediente man sich der Quadranten und Sextanten, Armillarsphären, Astrolabien u. s. w. Viele dieser Instrumente sind noch heute erhalten.

Neben dem Aufschwung der exakten Wissenschaften blüht auch die Poesie immer fort. Auch für sie bezeichnen die Anfänge der Abbâsidendynastie eine neue Epoche, und in dieser sind besonders zu nennen Ruba ibn al-Addschâdsch (gest. 762), Basschâr ibn Burd (gest. 784), Abu Nuwâs (s. d.), Muslim ibn al-Walîd (gest. 823), dessen Diwân von de Goeje (Leid. 1875) herausgegeben wurde; Abu l-Atâhijja (gest. um 828; Diwân, Beirut 1886), Abu Temmâm (s. d.). Dibil (gest. 860), Al-Buchturî (gest. 897; Diwân, Stambul 1300 der Hidschra), Ibn al-Rûmi (gest. 897); der abbâsidische Prinz Abdallâh ibn al-Mutazz (gest. 908), dessen Leben und Dichtungen von Loth (Lpz. 1882) und Lang (1887) bearbeitet wurden; Al-Mutanabbi, Abu Firâs al-Hamdânî (gest. 967; Diwân, Beirut 1873), Abu l-Alâ (s. d., gest. 1057), Al-Toghrâî (gest. 1120). Unter den spätern religiösen Dichtern ragen hervor Omar ibn al-Fâridh (s.d.), Ibn Arabî (gest. 1240; Diwân, Bulak 1271 der Hidschra) und Al-Bußîrî (gest. um 1279), dessen Lobgedicht auf Mohammed unter dem Namen Burda berühmt ist. Die Form der Makame wendete bereits Al-Hamadânî (gest. 1007) an, sie wurde später durch Harîrî zur Vollkommenheit gebracht. In diese Gruppe gehören auch die moralisierenden Rahmenerzählungen nach pers. Muster, darunter das Werk des Ibn Arabschâh (s. d.). - Reich ist die arab. Litteratur an Volksbüchern, Romanen und märchenhaften Erzählungen, unter denen die durch fremden Einfluß entstandenen ("Tausendundeine Nacht", s. d.) von den originellen zu unterscheiden sind. Unter den letztern sind die berühmtesten der Roman des Antar (s. d.), die Sirat Sejf ibn dhî Jazan (17 Tle., Bulak 1294 der Hidschra), die Erzählung der Benu Hilâl (Beirut 1880-83), die Geschichte Râs al-Ghûl (Kairo 1302 der Hidschra), "Kissat al Zîr" (Beirut 1866) und viele andere Volksmärchen, die im Orient in neuerer Zeit viel gedruckt und lithographiert werden.

Überaus reich ist die arab. Litteratur auf dem Gebiete der Sprachgelehrsamkeit, sowohl in der Grammatik als auch der Lexikographie. Die ersten Anfänge der Grammatik fallen zusammen mit der aus dem Syrischen geschöpften Anregung, die zur Unterscheidung grammatischer Kategorien dienenden Vokale zu bezeichnen, um zunächst die Lesung und Erklärung des Koran vor Verwirrung zu bewahren. Der erste, der die Grammatik mit Benutzung der Vorarbeiten seiner Vorgänger litterarisch begründete, ist Sibaweihi (s. d., gest. 796), ein Mann von pers. Stamme, dessen Werk als Grundlage der grammatischen Wissenschaft betrachtet wird. Die Differenzpunkte der Schulen sind in scholastischer Weise von Ibn al-Anbârî (gest. 1181) dargestellt worden. (Vgl. Jaromir Kosut, Fünf Streitfragen der Baßrenser und Kufenser, Wien 1878.) Unter den spätern grammatischen Schriftstellern ragen besonders hervor Al-Zamachschari und Ibn Mâlik (gest. 1273), dessen "Alfijja" (hg. von de Sacy, Par. 1833; Dieterici, Lpz. 1851) samt dem Kommentar des Ibn Akil (gest. 1367) zu den angesehensten grammatischen Darstellungen gezählt wird. Das gebräuchlichste Handbuch ist für den Schulgebrauch im Orient die Adschurrumijja von Al-Sanbâdschî ibn Adschurrum (gest. 1323), bereits Rom 1592 gedruckt und in Europa (Cambridge 1832) sowie im Orient in zahlreichen Ausgaben (zuletzt Kairo 1306 der Hidschra) in Umlauf; es wurde von Bresnier (2. Aufl., Algier 1866) ins Französische übersetzt und von Trumpp (Münch. 1867) bearbeitet. Viele Sprachgelehrte verfaßten Bücher, in denen sie die Ausschreitungen der Volkssprache an der Hand der Grammatik zurückweisen; das berühmteste Buch dieser Art hat den Makamendichter Harîrî (s. d.) zum Verfasser. Eine treffliche Einführung in die arab. grammatische Litteratur und ihre eigentümliche Kunstsprache bietet de Sacys "Anthologie grammaticale arabe" (Par. 1829); auch in die Chrestomathien von Wright und Rosen sind Proben grammatischer Darstellung aufgenommen. Eine litterargeschichtliche Übersicht über die Leistung der Araber in der Grammatik gab G. Flügel ("Die grammatischen Schulen der Araber", Abteil. 1, Lpz. 1862).

Die ältesten Arbeiten auf dem Gebiete der Lexikographie waren Specialsammlungen über einzelne Gruppen des Sprachschatzes. Als erster bedeutender Lexikograph gilt Chalîl (gest. gegen 790), dessen Kitâb-al-'ain aber verloren gegangen zu sein scheint. Unter den gedruckten Werken sind besonders namhaft zu machen das Lexikon (Sahâh) von Al-Dschauharî und der Kâmûs ("Ocean") von