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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Aragonit

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Aragonit

Entdeckung Amerikas und nach Vertreibung der Mauren sich leerten, wodurch hier 130 Dörfer entvölkert wurden. Der Anbau beschränkt sich auf Weizen, Wein und Oliven, die in lichten Gehölzen mit niederm Eichengebüsch wechseln. Fruchtbares Kulturland findet man dagegen zu den Seiten der Flüsse, wo Bewässerung möglich, so im Thal des Jalon und am Ebro, wo zwischen zahlreichen Wasseradern weite Getreidefluren, Maulbeerbaum- und Weinpflanzungen prangen, ebenso in den Bergterrassen Oberaragoniens, die mit reichem und kräftigem Pflanzenwuchs geschmückt sind. Im südlichen A. bilden die Stufen der Serrania de Cuenca und der Parameras de Molina den Rand der neucastilian. und valencischen Berglandschaften, zu denen der Puerto de Daroca hinaufführt, während im N. die Sierren de Sobrarbe, Guara und Ribagorza den Pyrenäen vorliegen und die Sierra de Alcubierre nahe an den Ebro tritt. So umfaßt A., außer den span. Centralpyrenäen mit deren Vorterrassen, einen großen Teil des östl. Abhangs des centralen Tafellandes von Castilien und ist ungefähr zur Hälfte gebirgig. Das Klima ist in den Bergrücken kühler als in der Ebene, die oft unter fast unerträglicher Sommerhitze und langer Trockenheit schmachtet. Durch diese klimatische Verschiedenheit wird ein großer Produktenreichtum begünstigt; neben Hanf und Flachs gedeihen Weizen und Mais, neben den feinsten Obstsorten Öl und herrliche Weine. Die Viehzucht beschränkt sich fast nur auf Schweine- und Schafzucht, und in der Wollproduktion Spaniens leistet A. verhältnismäßig noch das meiste. Industrie und Handel sind wenig entwickelt. In der Wollweberei zeichnen sich die Städte Saragossa, Alcañiz und Tarazona aus. Flachs- und Hanfbau sind am bedeutendsten in Borja und Calatayud, Weinbau bei Saragossa. Durch Lederwaren und Gerbereien thun sich Calatayud und Barbastro, ersteres auch durch seine Seifensiedereien hervor. Die Provinz Teruel liefert Schwefel, Kupfer, Blei, Eisen, Salz, Alaun; auch hat A. viele Mineralquellen. Nächst Estremadura ist A. der unkultivierteste und am meisten vernachlässigte Teil Spaniens. Außer Rohprodukten besteht die Ausfuhr nur in wenigen Leinen- und Wollfabrikaten. Der Handel und infolgedessen auch der Ackerbau und die Industrie wird indes durch die in neuerer Zeit vorgenommene Entsandung und Schiffbarmachung des Ebro sowie durch die Eisenbahn Saragossa-Barcelona, die nach Madrid einerseits und nach Pamplona und Vittoria andererseits fortgesetzt worden ist, nach und nach mehr Aufschwung gewinnen. Ehrbarkeit, Tapferkeit und zäher Wille, Liebe zur Heimat und Freiheit haben den abgehärteten, kräftigen Aragonesen stets ausgezeichnet. A. liefert die besten Soldaten Spaniens, treffliche Jäger, kühne Schmuggler, unermüdliche Fußgänger. Ihr Charakter trug nicht wenig dazu bei, daß dieses Land so oft ein Schauplatz der erbittertsten Kämpfe war.

Geschichte. Zeitig durch die Römer erobert (von denen die Wasserleitung bei Teruel stammt) und in eine Provinz verwandelt, kam A. dann in den Besitz der Westgoten und seit dem 8. Jahrh. in den der Araber, denen es endlich nebst Castilien und Navarra durch die Christen entrissen wurde. Ein kleiner Haufe von Goten hatte sich in die unzugänglichen Gebirge von Jaca geflüchtet und dort mit keltiberischen Bergbewohnern zwischen Thälern des Aragon und Gallego die Republik Sobrarbe gegründet, die sich später in eine Grafschaft verwandelte und um 1030 an Navarra kam. Nach dem Tode Sanchos d. Gr. von Navarra 1035 kam Sobrarbe an dessen dritten Sohn Gonzalez, während der jüngste, Ramiro I., das übrige A. erhielt, mit dem schon nach wenigen Jahren Sobrarbe vereinigt wurde. Durch die Heirat des Grafen Berengar IV. von Barcelona mit Petronella, der Erbin von A., wurde 1137 Catalonien und A. vereinigt. Es begann nun die Glanzperiode A.s, die nach der im 13. und 14. Jahrh. erfolgten Erwerbung Valencias (1238), der Balearen, Sardiniens und im 15. Jahrh. der Königskrone von Sicilien (s. Sicilien, Königreich) ihren Höhepunkt erreichte und bis zum Tode Ferdinands des Katholischen (1516) dauerte. Durch die Vermählung dieses letzten Königs mit Isabella von Castilien 1469 erfolgte die Vereinigung der Reiche Castilien und A., womit der Grundstein zu der jetzt bestehenden span. Monarchie gelegt wurde. Doch behielt A. seine alten Vorrechte und Gesetze, die es infolge standhafter Parteinahme für den habsburgischen Prätendenten Karl (III.) im spanischen Erbfolgekriege, durch den das Land furchtbar verheert wurde, erst unter den Bourbonen fast gänzlich verlor. Seitdem ward es von einem Vicekönige verwaltet. - Vgl. E. A. Schmidt, Geschichte A.s im Mittelalter (Lpz. 1828); Pidal, Historia de las alteraciones de Aragon en el reinado de Felipe II (3 Bde., Madr. 1862-63).

Aragonit, ein im rhombischen System (meist als Kombination von Prisma, Brachypinakoid und Brachydoma) krystallisierendes, farbloses oder schwach grünlich, rötlich oder violett gefärbtes Mineral mit großer Neigung zur Zwillingsbildung, wobei die Prismenfläche die Zwillingsebene darstellt. (S. beistellende Abbildung.) Wie der rhomboedrische Kalkspat, besteht der A. chemisch aus kohlensaurem Kalk, CaCO3, der daher ein ausgezeichnetes Beispiel des Dimorphismus liefert. G. Rose zeigte, daß die Bildungstemperatur die aragonitische Form oder die des Kalkspats bedingen kann, indem sich auf künstlichem Wege nach Belieben dieser oder jener Körper erzeugen läßt. Versetzt man nämlich in der Siedehitze eine Lösung von Chlorcalcium mit einer Lösung von kohlensaurem Ammonium, so entsteht ein Niederschlag, der aus kleinen Aragonitkrystallen besteht und auch das spec. Gewicht des A., nämlich 2,9 bis 3,0, besitzt. Vermischt man beide Lösungen bei gewöhnlicher Temperatur, so entsteht Kalkspat (s. d.). Man findet auch den A. oft da, wo man auf eine Einwirkung höherer Temperatur schließen kann. So besteht der Karlsbader Sprudelstein und Erbsenstein aus A., der durch Eisenocker meist rot, braun bis schwärzlich gefärbt ist. Ausgezeichnete Kristalle des A. fand man zuerst bei Molina und Valencia in Aragonien, woher sie auch ihren Namen erhalten haben. Der A. kommt häufig vor; er findet sich in den Hohlräumen vulkanischer Gesteine, z. B. des böhm. Mittelgebirges, in der Auvergne u. s. w., sehr oft in Basalttuffen (z. B. schöne Krystalle bei Horschenz in Böhmen), viel verbreitet, namentlich in spießigen Varietäten, auf Kalksteinlagern und Brauneisenerzlagern. Auch viele Tropfsteine in den Kalksteinhöhlen werden nicht aus Kalkspat, sondern aus A. gebildet. Bei Tarnowitz in Schlesien kommt mit Bleiglanz verwachsen ein strahliger, grünlichgrauer A. vor (Tarnowitzit), mit 2,98 spec. Gewicht, der

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