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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Aram; Aramäa

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Aram - Aramäa

Abnahme des Wassers durch stärkere Verdampfung als Zuströmung ist unbestreitbar, daher auch im Laufe der Zeit eine veränderte Küstengestaltung. Die ehemals vorhandene nordwestl. Bai ist verschwunden, und die nordöstl. Sary-Tschaganak, d. h. Gelbe Bai, soll vormals bis zum Hügel Sary-Bulak gereicht haben. Andererseits wird ein 4-5 Jahre währender Wechsel des Steigens und Sinkens für den Spiegel des Sees behauptet. Die Tiefe beträgt in der Mitte etwa 20 m, nimmt in der Nähe der Inseln und des nördlichen, besonders aber des östl. und südl. Gestades allmählich ab, während sie am westl. Ufer wieder 67 m erreicht. Klippen finden sich nur bei einigen Inseln und bei der Halbinsel Kulandi im NW.; Sandbänke im offenen Meere nirgends, sondern nur um die sandigen und niedrigen Gestade und die Inseln, die 2517 qkm einnehmen. Gute Ankerplätze fehlen fast gänzlich, namentlich am südl. und westl. Ufer; vollständig geschützte Häfen finden sich nur drei. Das Wasser des Sees ist salzig (1,08 Proz.), bedeutend weniger als das des Oceans, infolge des großen Süßwasserzuflusses, den er durch seine mächtigen Zuflüsse, den Syr (s. d.) im NO. und den Amu (s. d.) im S., erhält. Ob der Amu einen Abfluß in den Kaspisee gehabt und der A. selbst ehemals in Verbindung mit demselben gestanden, bleibt fraglich. Unter den zahlreichen Inseln ist die größte die 1848 entdeckte Nikolai-Insel (unter 45° nördl. Br.), die zur Gruppe der Zareninseln gehört. Nördlicher liegt die Insel Basar-kilmes und jenseit des 46.° nördl. Br. die ebenfalls große Insel Kug-aral. Zwischen dieser und dem kleinern, vor der Mündung des Syr gelegenen Eilande Kosi-aral führt eine Verengung des Sees aus dessen südl. Teile, dem "Großen Meere" (Ulu-Dengis), in das nur etwa 5500 qkm große nördl. Bassin des "Kleinen Meers" (Kitschkine-Dengis), das stellenweise bis 23 m tief ist und mehrfach weit in das Land einschneidet. Die Ufer des A. bilden eine im Sommer unbewohnbare Wüste, während man im Winter kirgis. Nomaden am nördl. und östl. Ufer sowie auf den benachbarten Inseln findet. Süßwasserbrunnen sind nur spärlich vorhanden. Der See hat von Fischen: Störe, Brachsen, Karpfen, Wels u. a.; Robben, die im Kaspisee häufig sind, gar nicht.

Der A. gehört zu den stürmischsten Gewässern. Gleichmäßige Winde giebt es auf ihm nicht. Meist herrschen gänzliche Windstille oder sehr starke Winde, nicht selten furchtbare Stürme; diese und das überhaupt sehr unruhige Wasser mögen Grund sein, daß man zuweilen schwimmende Inseln, wohl losgerissene Uferstrecken, voller Schilf und Tamarisken, vorfindet. Die Nordostwinde herrschen vor. Zur Beschiffung des Sees erwiesen sich Segelfahrzeuge als unzureichend; man bedient sich eiserner Dampfboote von geringem Tiefgange. Die bewaffnete Flotte, die hier unterhalten wurde, ist aufgehoben.

Der A. ist jetzt ein russ. See. Schon Peter d. Gr. zog ihn in seine Pläne zu einer Handelsverbindung mit Centralasien und Indien, die jedoch nicht zur Ausführung kamen. Zur Kenntnis des A. und seiner Umgebung trug wesentlich eine Reihe von Reisen und Expeditionen nach dem See und nach Chiwa bei: so die Reise Murawjews 1819, Negris und Meyendorffs 1820-21, Bergs 1825-26, des Akademikers Helmersen 1833-35, die berühmte Expedition Perowskijs 1839, die Reise Shemtschushnikows 1840, Antows 1840-41, die Rekognoscierungen Blarambergs und Romanows 1841, der die unter Nikiforow nach Buchara und Chiwa geschickte Expedition begleitete; ferner die neue Expedition Danilewskijs 1842-43, die Untersuchungen von Schulz und Lemm 1843. Schon 1847 errichteten die Russen in der Gegend Raïm, 60-65 km von der Mündung des Syr, am rechten Ufer dieses Flusses, das Fort Raïmskoe, und 1848 untersuchte eine Expedition unter Butjakow die Ufer des Sees, außer den östlichen, und die Inseln. Während man seit 1849 in den Erforschungen fortfuhr, besetzte man mehrere Inseln militärisch, legte Schanzwerke und Werftplätze an, schaffte Kolonisten herbei und traf alle Anstalten zur Herstellung einer aralischen Flotte. Makschejew, Butjakows Begleiter, veröffentlichte eine vollständige Beschreibung des Sees in den "Memoiren" der Geographischen Gesellschaft zu Petersburg (Heft 5, 1851, mit einer Karte des A. von Chanykow), wovon K. Ritter einen Auszug in den "Monatsberichten" der Berliner Gesellschaft für Erdkunde (1852) mitteilte. Durch den 1873 mit Chiwa abgeschlossenen Frieden wurde die Herrschaft Rußlands über den ganzen See ausgedehnt, da Chiwa alle Besitzungen am rechten (östlichen) Ufer des Amu-darja bis zur Mündung in den A. an Rußland abtrat. - Vgl. Lerch, Chiwa. Seine histor.und qeogr. Verhältnisse (Petersb. 1873); Rösler, Die Aralseefrage (Wien 1873).

Aram (spr. ährämm), Eugene, geb. 1704 zu Ramsgill in Yorkshire, erwarb sich bedeutende wissenschaftliche Kenntnisse und eröffnete eine Schule zu Netherdale, die er 1734 nach Knaresborough verlegte und 1745 aufgab. Darauf führte er ein unstetes Leben als Privatgelehrter und Lehrer. 1759 wurde er, als man bei Knaresborough das Skelett des 1745 verschwundenen Schuhmachers Clark auffand, mit dem A. verkehrt hatte, des Mordes angeklagt und trotz seiner glänzenden Verteidigungsrede verurteilt und 6. Aug. gehenkt. In Bulwers Roman "E. A." ist A.s Charakter idealisiert, auch der Sachverhalt vielfach entstellt. Auf A. bezieht sich auch Th. Hoods Gedicht "The dream of E. A. the murderer" (1829).

Aramäa (von Aram, das im Alten Testamente Teile Syriens und Mesopotamiens bezeichnete) begreift das ganze, in zum Teil natürliche, aber historisch schwankende Grenzen eingeschlossene Land im Nordosten Palästinas, zwischen Phönizien, dem Libanon, Arabien, dem Tigris und Taurus, Länder, die von den Griechen Syrien, Babylonien und Mesopotamien genannt wurden. Die gemeinsame Sprache der dort herrschenden Völker, die zu dem semit. Stamme gehörten, wird die aramäische Sprache genannt und zerfällt in 1) die ostaramäischen Dialekte, unter denen der Dialekt von Edessa der wichtigste ist, weil er die Litteratursprache aller christl. Syrer geworden ist und deshalb geradezu als die syr. Sprache bezeichnet wird; zu ihnen gehört die Sprache der Mandäer im untern Babylonien und die mit ihr ganz nahe verwandte Sprache des babylon. Talmuds und zwar der Gemara; 2) die westaramäischen Dialekte, zu denen außer der Sprache der palmyrenischen und nabatäischen Inschriften und der Litteratur der Samaritaner das Biblisch-Aramäische, d. h. das Idiom, in dem verschiedene Stücke des Alten Testaments (Esra 4,8-6,18; 7,12-26; Dan. 2,4-7,28) abgefaßt sind und das man früher irrtümlich als chaldäische Sprache bezeichnete, und das Idiom