Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Argensola; Argenson

851

Argensola - Argenson

zu Aix (Provence), gab als Kapitän die militär. Laufbahn infolge eines Sturzes vom Pferde auf. Wegen leichtsinnigen Lebenswandels vom Vater enterbt, ging er nach Holland und suchte den Unterhalt mit der Feder zu gewinnen, Eine Reihe memoirenartiger Romane, die er hier schrieb, schlägt einen anmutigen Plauderton an, ist aber sonst ohne Wert. In der Richtung von Bayle, in der Form von Montesquieu bestimmt, sind A.' "Lettres juives" (6 Tle., Haag 1738, 1742, am besten Par. 1766; deutsch, 6 Bde., Berl. 1770-83), "Lettres chinoises" (6 Tle., Haag 1739, 1742; deutsch Frankf. 1768-71), "Lettres cabalistiques" (6 Tle., Haag 1741; deutsch, 8 Bde., Lpz. 1773-77), in welchen Schriften er an den polit., kirchlichen und sittlichen Zuständen Frankreichs und der civilisierten Welt überhaupt mit dem gesunden Menschenverstand Kritik übte. Seine geistvoll, wenn auch flüchtig geschriebenen Werke wurden viel gelesen und nahmen Friedrich d. Gr. so für A. ein, daß er ihn nach Potsdam rief, zum Kammerherrn und Akademiedirektor ernannte und ausnehmend bevorzugte (vgl. beider Briefwechsel franz. u. deutsch, Königsb. 1798; franz. in Friedrichs d. Gr. "Œvres", große Ausg., 19. Bd.). Nach 25jährigem Aufenthalte am preuß. Hofe kehrte A. 1769 heim und starb 11. Jan. 1771 bei Toulon. Ferner schrieb er: "Mémoires secrets de la république des lettres" (1737 u. 1744), erweitert (14 Bde.) als "Histoire de l'esprit humain, ou mémoires secrets et universels de la république des lettres", (Berl. 1765-68); "Philosophie du bon sens" (Haag 1716 u. 1758; deutsch Bresl. 1756). Seine "Œvres" (23 Bde.) erschienen im Haag 1768. A.' "Réflexions critiques sur les écoles de peinture" (1752; 2. Ausg. als "Examen critique", 1768) beweisen ein reifes Kunstverständnis.

Argensola, Lupercio Leonardo und Bartolomé Leonardo de, span. Dichter, zwei Brüder, geb. zu Barbastro 14. Dez. 1559 bez. 26. Aug. 1562. Sie studierten zu Huesca; 1579 erscheinen sie als Dichter. Lupercio verfaßte um 1585 die Tragödien "La Isabela", "La Alejandra", "La Filis". Die beiden ersten sind erhalten und rechtfertigen keineswegs Cervantes' Lob. Auf Empfehlung des Grafen von Villahermosa, in dessen Diensten beide gestanden hatten, wurde Lupcreio Sekretär, Bartolome Kaplan Marias von Österreich, Witwe Kaisers Maximilians II., in Madrid. 1599 ward Lupercio zum Geschichtschreiber des Königs, später auch zu dem der Stände von Aragon ernannt und wohnte in Saragossa. Sein Bruder, der nach Marias Tode 1603 Philipp III. nach Valladolid, 1609 nach Madrid folgte und im Auftrage von Graf Lemos, Präsidenten des Rats von Indien, "Conquista de las Molucas" (Madr. 1609) herausgab, kam zu ihm. 1610 gingen beide, die auch als Lyriker Ruf erworben hatten, mit dem zum Vicekönig ernannten Grafen Lemos nach Neapel, woselbst im März 1613 Lupercio als Staatssekretär starb. Bartolomé kehrte 1618 mit dem Grafen nach Spanien zurück, wurde Historiograph der Krone Aragon und wohnte seitdem in Saragossa. Nun beschäftigte ihn besonders die Fortsetzung von Zuritas (s. d.) "Annalen von Aragonien", wozu sein Bruder vorgearbeitet hatte. Doch erschien, da er 4. Febr. 1631 starb, nur "Primera parte de los anales de Aragon, que prosigue los del secretario Geronimo Zurita deside el año 1516" (Sarag. 1630), die J. 1516-20 weitläufig behandelnd. Als Dichter bildeten sich die A. nach den röm. Lyrikern, vorzugsweise nach Horaz, und daher haben ihre Gedichte, mehr durch sorgsame Glätte als durch Reichtum der Erfindung ausgezeichnet, ähnlichen Grundcharakter. Bartolomé gehört schon durch seine histor. Werte unter die span. Klassiker. Erst Lupercios Sohn veranstaltete eine Sammlung ihrer "Rimas" (Sarag. 1634), der die spätern Ausgaben (z. B. Fernandez, "Colleccion de poesias castellanas, 1-3), auch die der "Biblioteca de autores españoles" (Bd. 42, 1846) folgen. Eine verbesserte und vermehrte Ausgabe der "Obras sueltas" beider, mit Einschluß der beiden Dramen und kleinen Prosaschriften, besorgte Conde de la Viñaza (2 Bde., Madr. 1889). Eine Anzahl histor. Arbeiten ist ungedruckt.

Argenson (spr. arschangsóng), Voyer d', franz. Adelsfamilie, Stammgut Paulmy in Touraine.

René de Voyer, Graf d'A., geb. 21. Nov. 1596, führte unter Richelieu und Mazarin verschiedene geheime Unterhandlungen und starb 14. Juli 1651 als franz. Gesandter zu Venedig.

Marc René, Marquis d'A., Enkel des vorigen, geb. 4. Nov. 1652, stellte als Chef der Polizei von Paris seit 1697 die Ordnung her, führte die Lettres de cachet ein, wurde 1718 Vorsitzender des Finanzrats und Siegelbewahrer, trat nach dem Lawschen Bankrott (s. Law) 1720 zurück und starb 8. Mai 1721. - Vgl. Notes de René d'A., lieutenant-géneral de police ect., hg. von Larcher u. Mabille (Par. 1866); Rapports inédits du lieutenant de police René d'A. (1697-1715), hg. von Cottin (ebd. 1891).

Rene Louis, Marquis d'A., Sohn des vorigen, geb. 18. Okt. 1694, 1720-24 Intendant im Hennegau, wurde, nach Paris zurückgekehrt, eifriges Mitglied des "Club de l'Entresol", der bei Abbé Alary 1725-31 wöchentlich über Staatsrecht und Politik philosophierte. Stets vom ernsten Wunsche beseelt, für das Gemeinwohl zu wirken, schrieb er "Traité de l'admission de la démocratie dans un État monarchique", handschriftlich schon vor 1740 in Umlauf, aber erst (Amsterdam) 1764 (Par. 1784 u. ö.) als "Considérations sur le gouvernement ancien et présent de la France" gedruckt. Nach dem Muster der niederländ. Generalstaaten malte er sich hier das franz. Staatswesen als einen Bund freier Staaten mit monarchischer Spitze aus. Rousseau, dessen "Contrat social" dann in Anwendung des demokratischen Princips über A. weit hinaus ging, fühlte sich doch vom Doktrinarismus A.s angeheimelt und zollte ihm hohes Lob. Aus der Thätigkeit als Staatssekretär des Auswärtigen (1744-47) durch span. Intriguen verdrängt, lebte A. bis zum Tode (26. Jan. 1757) in Zurückgezogenheit den Studien und dem Verkehr mit Gesinnungsgenossen. Aus A.s täglichen Aufzeichnungen veröffentlichte sein Sohn "Essais dans le goût de ceux de Montaigne, composés en 1736" (Amsterd. 1785), neu gedruckt als "Loisirs d'un ministre d'État, ou essais" (Lüttich 1787 u. ö.), und "Materiaux pour l'histoire des choses arrivées de mon temps 1725-57"; eine neue vollständige Ausgabe dieser Schriften besorgte Rathery: "Journal et mémoires d'A." (9 Bde., Par. 1861-67). - Vgl. Zévort, Le marquis d'A. et le ministère des affaires ètrangères 1744-47 (Par. 1880); Duc de Broglie, La fin du ministère d'A. (ebd. 1890); ders., Maurice de Saxe et le marquis d'A. (2 Bde., ebd. 1891).

Antoine Rene de Boyer-Argenson, Marquis de Paulmy, des vorigen einziger Sohn,