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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Argos (Riese); Argostoli; Argot; Argoulets; Arguelles

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Argos (Riese) – Arguelles

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Argos (Stadt)'

der argivischen Politik bildete, war auch der Grund, weshalb A. (495 oder 493 durch die Spartaner furchtbar heimgesucht) in den Perserkriegen Neutralität bewahrte. Später hielt das demokratisch gewordene A. meist zu Athen; zur Zeit des Epaminondas schloß es sich den Thebanern, nach der Schlacht von Chäronea 338 v. Chr. Philipp von Makedonien an. Durch Aratus wurde A. 229/8 dem Achäischen Bunde zugewandt und fiel 140 zugleich mit diesem der röm. Herrschaft anheim. In A. wirkten hervorragende Bildhauer wie Ageladas, Polyklet u. a.; auch wurde die Gymnastik und die Musik daselbst eifrig gepflegt. Die Stadt, die als Sitz des Landtags der Griechen von Argolis und teilweise von Arkadien unter den Römern eine glänzende Stellung behauptete, hat bis auf die Gegenwart ihren alten Namen bewahrt. Von den vielen Tempeln des Altertums und andern Bauwerken ist nur wenig übrig. Unter den Resten zeichnet sich das in den Fels gehauene Theater, das 6000 Zuschauer fassen konnte, aus. Unweit A. liegen die Überreste des 1851 wieder ausgegrabenen Horäum, des Nationalheiligtums von Argolis, und des 1889 bloßgelegten Tempels der Artemis Orthia auf dem Berge Lykone. Der erstgenannte Tempel, 423 v. Chr. zerstört, wurde von Eupolemus als dor. Peripteros wieder aufgebaut und mit dem von Polyklet gefertigten Kultbilde der Hera geschmückt. Die Stadt, die sich 1202–8 im Besitze von Leo Sguros, 1208–12 in dem der Despoten von Epirus, 1212–1388 in franz., 1388–1463 mit kurzer Unterbrechung und wieder 1686–1715 in venet. Händen befand, 1463–1686 und wieder 1716–1826 türkisch war, wurde während der griech. Freiheitskämpfe mehrmals verwüstet (namentlich 1822 und 1831), erholte sich jedoch wieder. – A. zählt (1889) 9814 E., ist Hauptort der gleichnamigen Eparchie, Station der Eisendahn Korinth-A.-Nauplia und A.-Myli und hat eine Sammlung von Altertümern, besonders aus dem Horäum. – Vgl. Schneiderwirth, Geschichte des dorischen A. (Tl. 1 u. 2, Heiligenst. 1865–66).

Argos (Argus), genannt Panoptes, d. i. der Allsehende, Sohn des Agenor oder Inachos, nach der Sage ein mit vielen Augen begabter Riese. Er tötete einen gewaltigen Ochsen, der Arkadien verwüstete und erwürgte die Schlange Echidna (s. d.), später wurde er von der Hera zum Wächter der Io (s. d.) bestellt. Hermes tötete ihn durch einen Steinwurf oder hieb ihm, nachdem er ihn durch sein Flötenspiel eingeschläfert hatte, den Kopf ab. Hera verwandelte ihn hierauf in einen Pfau oder schmückte mit seinen Augen den Pfauenschwanz. Ursprünglich bedeutet A. mit seinen zahllosen Augen wohl den gestirnten Himmel. Der Mythus ist außer auf Vasen namentlich auf pompejanischen Wandgemälden dargestellt. A.’ Körper ist dort gewöhnlich ganz mit Augen übersät; auf ältern Monumenten erscheint er bisweilen janusähnlich mit zwei Gesichtern, wie er denn nach einigen sehr alten Überlieferungen ein drittes Auge auf dem Nacken hatte. – Vgl. Max Mayer, Giganten und Titanen (Berl. 1887). – A. hieß auch der Erbauer des Schiffs der Argonauten (s. d.).

Argostŏli, Hauptstadt der griech. Insel Kephallenia, am östl. Ufer der gleichnamigen Bai mit vortrefflichem Hafen, lebhaftem Handel und Schiffahrt, Sitz eines griech. Erzbischofs, hat ein Gymnasium und (1889) 9085, als Gemeinde 10241 E. In der Nähe die Meermühlen, wo Meerwasser, in einer Rinne landeinwärts strömend und in Klüften ↔ verschwindend, Mühlen treibt. Die Erscheinung ist noch nicht aufgeklärt. – Vgl. Wiebel, Die Insel Cephalonia und die Meermühlen von A. (Hamb. 1874).

Argot (frz., spr. -goh), im ganzen dem engl. Slang (s. d.) oder Cant, dem deutschen Rotwelsch (s. d.) entsprechend, Pöbel-, besonders Gauner- und Diebssprache, auch Dialekt eines bestimmten Standes oder Gewerbes, hingegen Jargon (s. d.) mehr der einer durch irgend welche Schranken abgesonderten Landschaft, doch gehen beide Begriffe oft ineinander über. Ein aufgezeichnetes festes A. entwickelte sich zuerst in Frankreich im 15. Jahrh. (vgl. Vitu, Le jargon du XVe siècle, Par. 1884) aus den absichtlich dem Publikum unverständlich gehaltenen Ausdrücken der Marktkrämer. Von diesen übernahm es die Bettler- und Vagabundenzunft (gueux), und als die Banditen (narquois) und Diebe dieser eingeordnet wurden, wurde das A. das Mittel für den Gedankenaustausch alles fahrenden Gesindels. Das A. war, um dauernd eine Geheimsprache zu bleiben, fortwährender Veränderung unterworfen, und das des 17., 18. und 19. Jahrh. ist ein jedesmaliges Erzeugnis der Zeit. – Vgl. Grandval, Dictionnaire d’A. (1755); Barbieux, Antibarbarus der franz. Sprache (Frankf. 1853); Francisque-Michel, Études de philologie comparée sur l’A. et sur les idiomes analogues parlés en Europe et en Asie (Par. 1855); Delvau, Dictionnaire de la langue verte (neue Ausg., ebd. 1889); Rigaud, Dictionnaire d’A. moderne (ebd. 1885); Toubin, Dictionnaire de la langue populaire (ebd. 1886); Larchey, Dictionnaire historique d’A. (10. Aufl., ebd. 1887; Supplement 1889); Timmermans, L’A. parisien (ebd. 1893); Koschwitz in der «Zeitschrift für neufranz. Sprache», Bd. 6. – Besonders heißt A. die Pariser Boulevard- und Demimondesprache (vgl. Villatte, Parisismen, 2. Aufl., Berl. 1888), deren sich manche Schriftsteller bedienten, um ihren Schilderungen den Anstrich des Volkstümlichen oder des Pikanten zu verleihen, so V. Hugo bisweilen, E. Sue, in unsern Tagen besonders Zola und seine Schüler; ebenso spielt es eine große Rolle in den Witzblättern «Journal amusant» und «La vie parisienne». Das ältere A. in diesem Sinne ward litterarisch besonders von Villon, von dem wirkliche Argot-Gedichte überliefert sind, und Rabelais verwertet.

Argoulets (spr. arguläh), berittene Schützen in Frankreich während des 16. Jahrh., bewaffnet mit der Arkebuse, später mit der Radschloßbüchse. Um die schwere Reiterei des franz. Adels für das Gefecht zu Fuß u. s. w. brauchbar zu machen, gab man ihr zuerst Bogenschützen (archers) bei, später die Cranequiniers, so benannt nach der Spannwinde der Armbrust (cranequin). Nach und nach bewaffnete man einzelne Schützen mit Luntenröhren, Arquebuses genannt. Die Schützen selbst hießen Arquebusiers (s. Arkebusiere) oder A. Die Arkebuse, meist 2 ½ Fuß lang, wurde später mit der 1515 in Nürnberg erfundenen Radschloßbüchse vertauscht. Die A. trugen einen Eisenhut und einen leichten, aus Draht gefertigten Panzer, darunter ein Wams aus Wildhaut. Ihre Pferde waren leichterer Art. Unter Heinrich III. (1574–89) wurden sie abgeschafft.

Arguelles (spr. argelljes), Augustin, liberaler span. Staatsmann, geb. 28. Aug. 1776 zu Ribadesella in Asturien, war bei der Ausarbeitung der neuen span. Verfassung von 1812 beteiligt, wurde nach Ferdinands VII. Rückkehr 10. Mai 1814 verhaftet und nach mehrfachen Verhandlungen schließ-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 865.