Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Armagnac; Armagnaken; Armancon; Armand; Armansperg; Armarium; Armatolen

889

Armagnac (Branntwein) – Armatolen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Armagnac (Landschaft'

von Frankreich unabhängig zu machen; aber in franz. Gefangenschaft geraten, mußte er seine Freiheit mit der Unterwerfung und der Abtretung von Commingues erkaufen. Er starb 1450. – Sein Sohn Johann V. lebte mit seiner Schwester in Blutschande und ließ sich sogar mit ihr trauen, weshalb er in Acht und Bann verfiel. Nach Karls VII. Tode erwirkte er sich Absolution und Rückgabe seiner Güter, trat aber 1465 auf die Seite der Gegner Ludwigs XI., ward von diesem nach langen Kämpfen 1473 in Lectoure belagert und von seinen Soldaten getötet. – Ein anderer Sohn Bernhards VII., Jakob von A., war ebenfalls ein Mitglied der Liga gegen Ludwig XI., der ihn gefangen nahm und 1477 enthaupten ließ. – Mit Karl, dem Bruder Johanns V., erlosch 1497 das Geschlecht, die Güter fielen an die Krone. Franz I. gab die Grafschaft seinem Schwager, dem Herzog Karl von Alençon, durch dessen Witwe sie an das Haus Albret-Navarra kam. Erst Heinrich IV. brachte sie für immer an die Krone.

Armagnac (spr. -anjáck, Eau d´Armagnac), ein durch Destillation von Wein bereiteter Branntwein, dem Cognac ähnlich (52–56 Proz. Alkohol), so genannt nach der ehemaligen Landschaft A. (jetzt Depart. Gers), wo derselbe hauptsächlich bereitet wird.

Armagnaken (spr.-anja-, Armagnacs), Söldnerscharen, die zur Zeit Karls VI. und VII. von Frankreich den Kern der von dem Grafen Bernhard von Armagnac (s. d.) und einigen andern Anführern befehligten Truppen bildeten. Um sein Land von diesem zuchtlosen Gesindel zu befreien, sandte Karl VII. auf Bitten Kaiser Friedrichs III. die A. zu Hilfe gegen die aufständischen Schweizer; die eine Schar, 20000 Mann stark, zog nach Lothringen, die andere noch stärkere unter dem Dauphin gegen das südl. Elsaß. Von hier zogen die A. gegen die Schweizer. Diese aber befreiten sich von den Raubscharen durch den glorreichen Tag von Sankt Jakob (s. d.) an der Birs 26. Aug. 1444, wo das kleine Bauernheer von 1600 Mann einen ganzen Tag gegen die Übermacht kämpfte und durch seine Tapferkeit das Vaterland rettete. Der Verlust der A. war so groß, daß der Dauphin im Frieden von Ensisheim (Okt. 1444) mit den Schweizern ein Freundschaftsbündnis schloß. Im Elsaß und in Schwaben hausten die A. noch weiter, bis sie 1445 durch Kämpfe und Verträge allmählich zerstreut wurden. Die Reste wurden von Karl VII. teils verabschiedet, teils in stehende Compagnien eingereiht. Der Krieg der A. wurde in Deutschland, wo man Armagnac in «Armer Geck» verstümmelte, Armegeckenkrieg genannt. – Vgl. Barthold im «Histor. Taschenbuch», 2. Folge, Bd. 3 (Lpz. 1842); E. Wülcker, Urkunden und Schreiben, betreffend den Zug der A. (Frankf. 1873); Witte, Die A. im Elsaß 1439-45 (Straßb. 1889).

Armançon (spr. -angßóng), franz. Fluß im Stromgebiete der Seine, entspringt 5 km südlich von Pouilly-en-Auxois (Depart. Côte-d’Or), in einer Höhe von 405 m, fließt in überwiegend nordwestl. Richtung, wendet sich durch eine tiefe Schlucht um den Hügel von Sémur, nimmt bei Buffon die Brenne auf und wird von da an von der Bahn Paris-Lyon, sowie von dem eine unmittelbare Verbindung zwischen Yonne (Seine) und Saône (Rhone) herstellenden Kanal von Burgund bis zu seiner nach 174 km Lauf erfolgenden Mündung in die Yonne bei La Roche ununterbrochen begleitet. Zwischen Buffon und La Roche nimmt der A. bei St. Florentin die Armance auf. ↔

Armand, Pseudonym des Schriftstellers Friedr. Aug. Strubberg (s. d.).

Armansperg, Jos. Ludw., Graf von, Präsident der bayr. Regentschaft in Griechenland, geb. 28. Febr. 1787 zu Kötzting in Niederbayern, stammte aus einer alten, 1719 in den Freiherrenstand, 1790 in den Grafenstand erhobenen Familie, trat 1808 in den bayr. Staatsdienst, wurde 1813 und 1814 der bayr. Armee als Civilkommissar beigegeben. Von 1816 bis 1823 machte er sich namentlich als Direktor der Regierung des Rheinkreises durch seine glückliche Finanzwirtschaft verdient. Unter König Ludwig I. wurde er Staatsrat, lebenslänglicher Reichsrat, Minister des Innern und der Finanzen und des Auswärtigen, Schon 1827 konnte er dem Landtag verkünden, daß kein Deficit im Staatshaushalt vorhanden sei, doch waren seine Ersparungsmaßregeln im Volke oft unbeliebt und trugen ihm den Spottnamen «Sparmannsberg» ein. 1831 trat A. vom Ministerium zurück, da er mit den Liberalen sich eingelassen, während König Ludwig sich damals den reaktionären Grundsätzen der deutschen Großmächte näherte. Nach dem Londoner Vertrag vom 7. Mai 1832 trat A. an die Spitze der Regentschaft für Griechenland. Vom Juni 1835 bis 14. Febr. 1837 war er Staatskanzler, und in den letzten Monaten, während der Abwesenheit des Königs Otto in Deutschland, regierte er mit fast unumschränkter Vollmacht. Doch ließ er sich von England beeinflussen, übersah den Charakter und die Beschaffenheit des ihm anvertrauten Landes und Volks, intrigierte gegen die andern Mitglieder der Regentschaft und erhielt 1837 seine Entlassung. Im März 1837 verließ er Griechenland und nahm nur noch als bayr. Reichsrat an den öffentlichen Angelegenheiten teil. Um den Abschluß des preuß.-bayr. Zollvertrags machte sich A. verdient. Er starb 3. April 1853.

Armarĭum (lat.), Rüstkammer, Bücherschrank.

Armatolen nannten Griechen und Türken die griech. Landmilizen auf dem Festlande. Das Institut der A. ist sehr alt. Ihre Vorläufer sind die Akriten (s. Digenis Akritas). In den Zeiten der Paläologen hatte sich vermutlich auf byzant. Gebiet unter unablässigen Kriegen dieses Institut ausgebildet, und in ähnlicher Weise schufen die Venetianer sich im 15. Jahrh. in ihren peloponnes. Besitzungen solche Milizen. Als die Osmanen seit etwa 1430 die Übermacht auf dem rumeliotischen Festlande gewonnen hatten, suchten sie die A. an sich zu fesseln, indem sie sie zunächst für die macedon. und thessal. Gebirgskantone, später auch für Agrapha und Akarnanien als christl. Landgendarmerie unter Hoheit des Sultans anerkannten. Die Kapitäne dieser Bezirke mit ihren Pallikaren (s. d.) hatten die Aufgabe, unter den ihnen nächsten Paschas, später unter dem Generalkommando eines Dervendschi-Pascha, für die Sicherheit der Straßen zu sorgen. Gegen Ende des 16. und während des 17. Jahrh. standen sie als Gegengewicht gegen die Janitscharen bei der Pforte in besonderer Gunst. Zu allen Zeiten standen die A. in naher Beziehung zu den Klephten (s. d.). Enger wurde dies Verhältnis, als die Pforte um die Mitte des 18. Jahrh., mißtrauisch gegen die A., diese Miliz durch Albanesen zu ersetzen strebte. Seitdem waren die A. wiederholt im Aufstande gegen die Türken, und dieser unaufhörliche Guerillakrieg bildete die Kriegsschule für die Kapitäne und Pallikaren, die später seit 1821 den Kern der griech. Insurgentenheere ausmachten.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 890.