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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Armatur; Armawir; Armbänder; Armbinde; Armblei; Armbrust

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Armatur - Armbrust

Den Höhepunkt erreichten die Kämpfe der A. unter Ali Pascha von Jannina, als einige sich anschickten, die Serben bei ihrem Aufstande zu unterstützen. Ali zwang sie zur Unterwerfung; sie beteiligten sich dann unter seiner Führung, etwa 12 000 Mann stark, anfangs an seinem Krieg mit der Pforte seit 1820, um nachher 1821 zum größten Teil in den Kampf für ihre nationale Freiheit einzutreten.

Armatur (lat.), früher der Inbegriff aller zur Bewaffnung und Ausrüstung des einzelnen Mannes gehörigen Gegenstände. Nach Einführung der Feuerwaffen werden diese meist nicht mehr unter A. verstanden. Im deutschen Heere wird unterschieden: Bekleidung, Bewaffnung, Ausrüstung.

Bei den Dampfkesseln bezeichnet man mit A. die Gesamtheit der Sicherheitsvorrichtungen, als Ventile, Manometer, Wasserstandszeiger, Alarmapparat u. s. w., im weitern Sinne auch (grobe A.) die sämtlichen zur Dampfkesselfeuerung gehörigen Eisenteile, als Feuergeschränke, Rost u. s. w. Diesen gegenüber bezeichnet man die Gesamtheit der Sicherheitsvorrichtungen als feine A. (S. Dampfkessel.) - Über A. bei Dynamomaschinen s. Anker.

Armawir, alte Stadt in Armenien, s. Artaxata.

Armbänder und Armringe (grch. psellion; lat. armilla; mittellat. brachiale; daher frz. bracelet) finden sich als Schmuck bei allen Völkern des Altertums und der neuern Zeit, gewöhnlich am Unterarm, seltener am Oberarm getragen und, je nach der Kulturstufe, aus verschiedenen Stoffen gefertigt. Wilde Völker tragen als A. Schnüre aus bunten Federn, kleinen Muscheln, Knochen oder Zähnen von Tieren und erschlagenen Feinden, höher stehende Ringe und Ketten von unedlem Metall, Glas oder Schnüre von Glasperlen; die reichen und gebildeten aus Gold und Silber oder aus kostbaren Seidenstoffen verziert mit Edelsteinen, Perlen und Korallen, dann Reifen von Elfenbein, Schildpatt u. s. w. Grundformen sind der Ring, eirund für den Unter-, kreisrund für den Oberarm, und das Band, gegliedert und ungegliedert. Bei den Hebräern trugen Männer und Frauen Armringe; die alten Meder und Perser bezeichneten durch deren Art und Zahl die Unterschiede des Ranges. Bei den Arabern sind sie (asâwir genannt) vorzugsweise Schmuck der Frauen, ebenso in Griechenland, wo sie verschieden in Stoff und Form (am liebsten in der von Schlangen) gefertigt wurden. Bei den italischen Völkern trugen auch Männer Armringe, die Sabiner z. B. sehr schwere am linken Arm, in Rom die vornehmen Frauen goldene Spangen oder Ringe aus feinem Golddraht am Unterarm wie am Oberarm; verdiente Krieger erhielten armillae vom Imperator als Ehrengeschenk. Bei den alten Germanen behaupteten die A., eine Art der Bauge (bouc, d. i. Gebogenes), den ersten Rang unter dem Geschmeide. Obwohl hauptsächlich in Frauengräbern gefunden, wurden sie doch bis ins 9., im Norden bis ins 12. Jahrh. von Männern vielfach, mitunter in großer Anzahl, ebenso sehr als Schutz wie als Zierat, getragen, wie denn auch Karl d. Gr. einen Armring führte. Man schätzte sie außerordentlich und tauschte sie im Kampfe und beim Mahle als Zeichen der Freundschaft; Fürsten und Fürstinnen verliehen sie für besondere Dienste. Von Alboin und vielen nordischen Fürsten wird gerühmt, daß sie freigebig mit Armringen und leuchtenden Baugen gewesen seien. In den "Nibelungen" erhält Siegfried, als er Kriemhild Günthers und Brunhilds Ankunft meldete, 24 A. als Botenlohn. Bei den Skandinaviern legte man auf den Armring Eidschwüre ab und schätzte Bußen und Brüche nach Baugen; sie dienten also auch als Zahlmittel. Die meisten altgermanischen A. waren aus Erz, erst in der Merowingerzeit häufiger aus Silber und Gold; die Form ist meist einfach, ein kreis- oder spiralförmig zusammengebogener, nicht geschlossener aber schließbarer Draht, ein runder oder ovaler Ring, aber auch ein breites Armband, an den Schlußenden verziert, bisweilen mit Schlangenhäuptern und phantastischen Figuren, am häufigsten mit eingeritzten Doppelkreisen oder Kreuzbändern. Im Norden sind mehrfach Ringe mit Runeninschriften gefunden worden. Später verdrängte die veränderte Tracht durch lange Ärmel die Armringe, und erst mit dem Vorherrschen der span. Tracht im 16. Jahrh. kamen sie bei Frauen wieder vielfach in Gebrauch. Zu Ende des 16. Jahrh. trugen deutsche Bürgerfrauen A. aus vergoldetem Kupfer, vornehmere aus massivem Gold, einfach und mehrfach übereinander, doch wichen sie bald wieder den Handkrausen und Manschetten (s. d.). Als durch die Hofdamen Ludwigs XIV. Mode wurde, den Arm entblößt zu tragen, schmückte man ihn wieder allgemeiner mit Armringen und A. aus Haaren, Sammet und Seide, die mit Perlen, Edelsteinen und Medaillons besetzt waren. Auch Männer trugen jetzt A., die sie als Liebespfand erhalten hatten, und Dichter wie Opitz und Rachel besangen sie in elegischen und satir. Versen. Gegen Ende des 18. Jahrh. trugen die Frauen am Unter- und Oberarm A. von Gold mit Diamanten, von Sammet und Atlas mit goldenen Schnallen und Devisen; auch bei Männern finden wir sie mit den Porträten geliebter Personen oder ihrer Augen und Hände. In neuerer Zeit, etwa seit dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrh., ist der Luxus der aus allerlei edlem und unedlem Material hergestellten A. sehr groß geworden. Man trägt mehrere übereinander, oft kaum sichtbar unter dem Kleiderärmel. Auch bei Männern der höhern Gesellschaftsklassen sind A. von neuem eine Mode geworden.

Armbinde, das nach der Genfer Konvention von dem unter dem Schutz der Neutralität stehenden Sanitätspersonal im Kriege zu tragende Kennzeichen, bestehend aus einer weißen A. mit rotem Kreuz, deren Verabfolgung ausschließlich der Militärbehörde vorbehalten ist. Insbesondere haben sämtliche Mitglieder der freiwilligen Krankenpflege eine solche A. zu tragen, welche für das freiwillige Personal nach der deutschen Kriegssanitätsordnung von dem kaiserl. Kommissar und Militärinspecteur der freiwilligen Krankenpflege zugleich mit einer zum Anlegen der Binde berechtigenden Ausweiskarte verabfolgt wird. Der arge Mißbrauch, welcher namentlich im Deutsch-Französischen Kriege 1870/71 mit diesem Abzeichen getrieben worden ist, hat in allen Armeen strenge Maßnahmen gegen das unberechtigte Tragen desselben veranlaßt. - Für die nicht unter dem Schutze der Genfer Konvention stehenden Hilfskrankenträger (d. h. als Krankenträger ausgebildete Mannschaften, welche beim Fortschaffen der Verwundeten vom Schlachtfelde zum Verbandplatz behilflich sind) ist durch die Kriegssanitätsordnung eine rote A. vorgeschrieben.

Armblei, s. Pattinsonieren.

Armbrust (aus dem lat. arcuballista entstanden), eine Fernwaffe, die aus einer Vervollkommnung des einfachen Pfeilbogens hervorging und im wesentlichen aus dem Schaft (Säule, Rüstung) mit dem Kolben,