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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arnault; Arnauten; Arnd; Arndt

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Arnault - Arndt (Ernst Mor.)

mit seinem freunde Nicole: "La perpétuité de la foi de l'eglise catholique défendue" (3 Bde., ebd. 1669-72). Die erstern Werke, bald in zahlreichen Ausgaben verbreitet, erregten den Zorn der Jesuiten, das letzte den der Reformierten; jene zwangen ihn 1679 zur Flucht in die Niederlande, diese antworteten ihm in heftigen Streitschriften. (S. Claude.) Seine "Œuvres" gab der Abt von Hautefage (48 Tle. in 45 Bdn., Lausanne 1775-83) heraus, über seinen litterar. Kampf mit den Jesuiten vgl. Reusch, Der Index der verbotenen Bücher, Bd. 2 (Bonn 1885). - Sein Bruder, Robert A. d'Andilly, geb. 1588, gest. 27. Sept. 1674, ist als Verfasser von Erbauungsschriften und durch Übersetzungen des Josephus und des Juan Davila als einer der besten franz. Stilisten bekannt. - Vgl. Barin, La vérité sur les A. (2 Bde., Par. 1847).

Arnault (spr. -noh), Antoine Vincent, franz. Dichter, geb. 1. Jan. 1766 zu Paris, machte sich durch die Tragödien "Marius à Minturnes (1791) und "Lucrèce" (1792) bekannt. Von kurzem Aufenthalt im Ausland während der Schreckenszeit 1793 zurückgekehrt, gewann er bald die Gunst Bonapartes. Als Mitglied des Instituts, seit 1808 als Generalsekretär der Universität schrieb er Tragödien im klassischen Stile: "Blanche et Moncassin ou les Vénitiens" (1799), "Germanicus" (1817) u. s. w. Die zweite Rückkehr der Bourbonen trieb A. nach Brüssel ins Exil; 1819 kehrte er heim. 1813 veröffentlichte er sechs Bücher Fabeln eigener Erfindung, in denen er sich mit Erfolg bemühte, Lafontaine nicht nachzuahmen; zwei kamen in Brüssel (1815) hinzu, in denen sich die Bitterkeit polit. Satire der lehrhaften Tendenz beimischte (8 Bücher "Fables et Poésies", 1826; "Fables nouvelles", 1834). Überzeugter Vertreter des Klassicismus, bekämpfte er mit Andrieux die Romantiker. Doch zeigen seine letzten Trauerspiele "Guillaume de Nassau" (1826) und "Le proscrit, ou les Guelfes et les Gibelins" (1828) in der Stoffwahl ein Zugeständnis an sie. Für seine "Vie politique et militaire de Napoléon" (3 Bde., Par. 1822-26) hatte ihn der Kaiser voraus mit einem Legat von 100 000 Frs. bedacht. Seit 1829 wieder Mitglied, seit 1833 Sekretär der Akademie, starb A. 16. Sept. 1834 zu Goderville bei Havre. Kurz vorher erschienen: "Souvenirs d'un sexagénaire" (4 Tle., Par. 1833), die Ergänzung seiner "Souvenirs et regrets d'un vieil auteur dramatique" (1829). Seine "Œuvres" erschienen 1824-27 (8 Bde., Paris).

Von seinen Söhnen ward der älteste, Emile Lucien A., geb. 1. Okt. 1787 zu Versailles, ebenfalls als Dichter bekannt. Er war 1810 Intendant von Illyrien, während der Hundert Tage Präfekt. Von der Juliregierung wieder angestellt, trat er 1848 ins Privatleben und starb 24. April 1863 zu Paris. Besondern Beifall erwarb die Tragödie "Régulus", 1822 aufgeführt. Eine Gesamtausgabe seiner Dramen besorgte François (3 Bde., Par. 1865 fg.).

Arnauten, der türk. Name für Albanesen (s. d.).

Arnd oder Arndt, Joh., prot.-theol. Schriftsteller, geb. 27. Dez. 1555 zu Ballenstedt, studierte zu Helmstedt, Wittenberg, Straßburg und Basel, ward 1581 Diakonus zu Ballenstedt, 1583 Pfarrer zu Badeborn in Anhalt, aber 1590 abgesetzt, weil er sich der vom reform. Fürsten Joh. Georg befohlenen Abschaffung des Exorcismus und der Bilder widersetzte. Nach unerfreulichen Jahren in Quedlinburg wirkte A. seit 1599 erfolgreich als Prediger zu Braunschweig, bis ihn 1605 die Herausgabe des ersten Buchs "Vom wahren Christentum" in den Verdacht irriger Lehre brachte. Er folgte 1608 einem Rufe nach Eisleben und 1611 als Hofprediger und Generalsuperintendent nach Celle, wo er 11. Mai 1621 starb. A.s Ruf gründet sich auf die inhaltlich und schriftstellerisch vortrefflichen vier Bücher "Vom wahren Christentum" (erste Gesamtausg. 1609), ein Erbauungsbuch, das, in vielen Auflagen erschienen (hg. von Krummacher, 9. Aufl., Bas. 1872; von J. F. von Meyer, 5. Aufl., Frankf. 1874; vom Evangelischen Bücherverein, 13. Aufl., Berl. 1888), in fast alle europ. Sprachen übersetzt, mit Recht eine Verbreitung fand, wie seit Thomas a Kempis' "Nachfolge Christi" kein anderes. Streng orthodox, will er doch, ein Verehrer der mittelalterlichen Mystik, nicht ein Christentum der dogmatischen Formel, sondern, Vorläufer des Pietismus, ein Christentum des Herzens und der That, Grund genug für die in Formelkram erstarrte luth. Theologie seiner Zeit, ihn als argen Ketzer zu verfolgen. Sein "Paradiesgärtlein" (Lpz. 1612 u. ö.; zuletzt Berl. 1888) enthält eine Anzahl trefflicher, auch poet. Gebete, die P. Gerhardt zum Teil seinen Liedern zu Grunde legte. A.s Predigtsammlungen, wie "Postille" (1615), "Auslegung des Katechismus Lutheri" (1616), "Auslegung des ganzen Psalters" (1617; hg. von Pauli, Erlangen 1871), wurden in seine "Sämtlichen geistreiche Schriften" (3 Bde., Görl. 1734-36) aufgenommen. Der herzgewinnende und volkstümliche Ton, der A. eigen ist und sich von der kalten, streitsüchtigen Theologie der Zeit wohlthuend abhebt, machte seine Werke im Dreißigjährigen Kriege zur Trostquelle für Unzählige. - Vgl. Arndt, Joh. A. (Berl. 1838); Pertz, De Johanne Arndtio (Hannov. 1852); Bodemann, Leben Joh. A.s (3. Aufl., Bielef. 1871); Ritschl, Geschichte des Pietismus, Bd. 2 (Bonn 1884).

Arnd, Karl Eduard, Geschichtschreiber, geb. 23. Febr. 1802 zu Wagrowitz (Provinz Posen), studierte seit 1821 in Breslau und Berlin Jura, Philosophie und Geschichte, brachte dann längere Zeit auf Reisen in Frankreich und Italien zu und ließ sich schließlich dauernd in Berlin nieder, wo er 3. Sept. 1874 starb. Er gab zuerst die Dramen "Die beiden Edelleute von Venedig" (Berl. 1827) und "Cäsar und Pompejus" (Hamb. 1833) heraus, sodann die geschichtlichen Werke: "Geschichte des Ursprungs und der Entwicklung des franz. Volkes" (3 Bde., Lpz. 1844-46), "Geschichte der Französischen Revolution von 1789-99" (6 Bde., Braunschw. 1851), "Geschichte der franz. Nationallitteratur von der Renaissance bis zur Revolution" (2 Bde., Berl. 1856) und eine 7 Bände (mit noch 2 weitern Bänden von Bulle) umfassende Fortsetzung zu Beckers "Weltgeschichte", die, wie alle seine Werke, ohne tiefere Auffassung geschrieben ist.

Arndt, Ernst Mor., deutscher Patriot und Dichter, wurde 26. Dez. 1769 in Schoritz auf der damals noch schwed. Insel Rügen geboren. Sein Vater wurde von Graf Malte Putbus, dessen Leibeigener er war, freigegeben und erwarb als Verwalter und Pachter eine geachtete Stellung. Nach häuslicher Vorbereitung besuchte A. 1787-89 das Stralsunder Gymnasium, war bis 1791 im Elternhause und studierte 1791-94 in Greifswald und in Jena Theologie, daneben Geschichte, Sprachen, auch Naturwissenschaften. Nach einer längern Fußreise Herbst 1794 heimgekehrt, ward er 1796 Hauslehrer bei Kosegarten in Altenkirchen, widmete sich aber bald ausschließlich histor. und litterar. Stu-^[folgende Seite]