Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

922

Arnoldi - Arnott

Geschichte in Oxford, wo er 12. Juni 1842 starb. A. gilt als der Reformator des höhern Erziehungswesens in England. Neben den bis dahin fast ausschließlich gepflegten klassischen Sprachen führte er auf seiner Schule auch das Studium der Geschichte und Geographie sowie der deutschen und franz. Sprache ein; vor allem aber bemühte er sich, seine Zöglinge zu selbständigem Denken und sittlichen Charakteren zu erziehen. A. war ein hervorragender Vertreter der breitkirchlichen Partei (s. Anglikanische Kirche) und entschiedener Gegner des Puseyismus. Von seinen Werken ist neben einer Ausgabe des Thucydides (3 Bde., Oxf. 1830-35) die unvollendete Bearbeitung von Niebuhrs "Röm. Geschichte": "History of Rome" (3 Bde., Lond. 1838-43), das wichtigste. - Vgl. Stanley, Life and Correspondence of Th. A. (2 Bde., Lond. 1845; 13. Aufl. 1882; deutsche Bearbeitung von Heintz, Potsd. 1846); Zinzow, Th. A. (Stett. 1869); Wuttig, Th. A. (Hannov. 1884).

Arnoldi, Ernst Wilh., Begründer der Feuer- und der Lebensversicherungsbank zu Gotha, geb. 21. Mai 1778, trat nach mehrjährigem Aufenthalte in Hamburg als Teilhaber in das Handelshaus seines Vaters zu Gotha ein. Seine Aufmerksamkeit wendete sich hier vorzüglich auf diejenigen Zweige des Handels, durch welche die Ausfuhr der Erzeugnisse des inländischen Gewerbfleißes gefördert ward; namentlich verschaffte er dem Schuhhandel Gothas neue Absatzgebiete. Er errichtete 1804 unter der Firma "Ernst Arnoldis Söhne" eine Farbenfabrik, und vier Jahre später wurde unter seiner Mitwirkung die Steingutfabrik zu Elgersburg begründet. Als seit 1816 das Verlangen nach Freiheit des Binnenhandels in Deutschland immer reger wurde, trat A. auf das eifrigste für dieselbe ein. Er überreichte 1819 der Bundesversammlung eine von 5051 Gewerbtreibenden unterzeichnete Vorstellung, um die Aufhebung der Hemmungen des innern Verkehrs und eine höhere Besteuerung fremder Erzeugnisse herbeizuführen. Zu der 1817 erfolgten Gründung des kaufmännischen Instituts der Innungshalle zu Gotha und der damit verbundenen Lehranstalt gab A. die erste Veranlassung. Seine Idee, den Grundsatz der Gegenseitigkeit auf eine Feuerversicherungsanstalt für den deutschen Handelsstand anzuwenden, gelangte 1821 zur Ausführung. Unterstützt von Froriep in Weimar und mehrern Gesinnungsgenossen in Gotha, gründete er 1829 die auf Gegenseitigkeit beruhende Lebensversicherungsbank zu Gotha, die als erstes derartiges Institut in Deutschland bald eine sehr beträchtliche Ausdehnung gewann und der er als Direktor bis zu seinem Tode vorstand. Als der Deutsche Zollverein zum Abschluß gedieh, strebte er danach, die in landwirtschaftlicher und kommerzieller Beziehung so wichtige Bereitung von Zucker aus Runkelrüben über ganz Deutschland zu verbreiten. A. starb 27. Mai 1841 zu Gotha. - Vgl. Otto, Ernst Wilhelm A. (Lpz. 1868); Emminghaus, Geschichte der Lebensversicherungsbank für Deutschland (Weim. 1877); Biographien A.s von Emminghaus (ebd. 1878) und Hopf (Gotha 1878).

Arnoldi, Wilh., Bischof von Trier, geb. 4. Jan. 1798 zu Badem in der Eifel, besuchte das Priesterseminar zu Trier, wurde 1821 zum Priester geweiht und Lehrer am Seminar, 1826 Pfarrer zu Laufeld in der Eifel, 1831 Stadtpfarrer und Dechant zu Wittlich, 1834 Domprediger und Domkapitular zu Trier und einflußreicher Ratgeber des Bischofs Hommer. Als er 1839 zum Bischof gewählt ward, versagte ihm die Regierung die Bestätigung, aber A. ward mehrmals wiedergewählt und endlich 18. Sept. 1842 ohne Widerspruch des Staates inthronisiert, obwohl er den geforderten Staatseid verweigerte. Großes Aufsehen erregte er 1844 durch die Ausstellung des heiligen Rocks (den angeblichen Rock Christi), was die Entstehung der deutsch-kath. Bewegung unter Ronge veranlaßte. A. verwaltete sein Amt in ultramontanem Geiste, gründete Klöster, reformierte das Priesterseminar zu Trier in diesem Sinne und errichtete daselbst ein Knabenkonvikt nach der Vorschrift des Tridentiner Konzils. Er starb 7. Jan. 1864. - Vgl. Kraft, Wilhelm A., Bischof von Trier. Ein Lebensbild (Trier 1865).

Arnoldisten, die Anhänger Arnolds (s. d.) von Brescia.

Arnoldscher Prozeß, s. Arnold, Joh.

Arnoldus Villanovanus, s. Villanovanus, Arnoldus.

Arnolf, s. Arnulf.

Arnolfo di Cambio, gewöhnlich Arnolfo di Lapo, Baumeister des got. Stils in Italien, geb. angeblich 1232 zu Colle im toscan. Elsathal, gest. 1300 in Florenz. Unter ihm wurden in Florenz mehrere der Werke erbaut, die noch heute der Stadt ihren wesentlichen Charakter verleihen. Ein Schüler Nicola Pisanos, war A. d. C. zwischen 1277 und 1281 in Perugia an dem großen Brunnen beschäftigt, der 1254 begonnen worden war. 1293 begann er die Ausschmückung der Außenseite des Baptisteriums, 1294 Sta. Croce, 1296 Sta. Maria del Fiore (den Dom) und 1298 den Palazzo Vecchio zu Florenz. Auch an dem neuen Mauerkreise und am Bau von Kastellen zum Schutz des Gebietes von Florenz war er beteiligt. Von seinen Bildhauerarbeiten ist das Grabmal des Kardinals de Braye (gest. 1280) in San Domenico zu Orvieto und das Tabernakel des Hauptaltars von San Paolo zu Rom erhalten.

Arnon, ein Fluß im O. des Toten Meers, im Lande Moab, der nach israel. Anschauung die normale, in Wirklichkeit aber sehr streitige Südgrenze gegen Moab bildete (4 Mos. 21, 13; 21-26). Der A. ist der heutige Wadi el-Modschib, der seine Anfänge auf der Hochebene der Wüste in der Nähe der Pilgerstraße hat, sich kurz vor der Mündung mit dem von N. herkommenden Wadi Haidan vereinigt und sein Wasser, das nur in der untern Hälfte des genannten Wadi perennierend ist, durch ein kleines gut bewachsenes Delta in das Tote Meer ergießt. Eine noch heute erkennbare Römerstraße überschritt das Thal südlich von dem alten Dibon (s. d.). Der Wadi el-Modschib trennt die jetzigen Landschaften el-Kerak und el-Belka.

Arnott, George Walker, s. Arn.

Arnott, Neill, engl. Arzt und Physiker, geb. 1788 zu Dysart bei Montrose, studierte seit 1801 zu Aberdeen und London, trat dann als Wundarzt in den Dienst der Ostindischen Compagnie, ließ sich 1811 als praktischer Arzt in London nieder und hielt später vielbesuchte Vorträge über Physik, die 1827 unter dem Titel "Elements of physics" (7. Aufl., Lond. 1864) erschienen. A. wurde 1837 Leibarzt der Königin, 1838 Mitglied der Royal Society und starb 2. März 1874. Er veröffentlichte Schriften über das Sanitätswesen und erfand das Wasserbett (s. d.), einen Ventilator sowie seinen Ofen, wofür ihm 1854 die Rumford-Medaille zuerkannt ward. Auch schrieb er A survey of human progress" (Lond. 1861).