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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arrangement; Arrangieren; Arraroba; Arras; Arratel; Arrawaken; Arrazzi

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Arrangement - Arrazzi

Arrangement (frz., spr. arrangsch'máng), Einrichtung, Anordnung, gütlicher Vergleich; musikalische Bearbeitung (s. Arrangieren).

Arrangieren (frz., spr. arrangsch-), d. i. ordnen, einrichten, zurechtmachen, heißt in der musikalischen Kunstsprache ein Musikstück zu einer andern Art der Ausführung geeignet machen. So können Orchester- und Gesangstücke zum Vortrag auf dem Pianoforte und umgekehrt Klavierkompositionen für das Orchester und, obwohl in seltenern Fällen, auch für den Gesang eingerichtet werden. Hierbei kann ein sehr verschiedenes Verfahren beobachtet werden, je nach dem Grade der Kunstfertigkeit derjenigen Spieler, für die das Arrangement bestimmt ist. Ein gutes Musikstück besitzt in melodischer und meistens auch in harmonischer Beziehung die Fähigkeit, fast auf allen Instrumenten gespielt zu werden; hierauf gründet sich das Arrangement, das in der praktischen Musik eine ungemeine Ausdehnung und infolgedessen auch eine große Bedeutung erlangt hat.

Arraroba, s. Araroba.

Arras (spr. arráh oder arráß). 1) Arrondissement im franz. Depart. Pas-de-Calais, hat 1376,66 qkm, (1891) 174 859 E., 211 Gemeinden und zerfällt in die 10 Kantone: Arras-Nord und Arras-Sud mit zusammen 139,36 qkm und 19 546 bez. 22 983 E, Bapaume (113,50 qkm, 12 080 E.), Beaumetz-lès-Loges (168,87 qkm, 13 130 E.), Bertincourt (115,97 qkm, 14 289 E.), Croisilles (185,53 qkm, 16 628 E.), Marquion (138,13 qkm, 16 829 E.), Pas (148,22 qkm, 12 621 E.), Vimy (198,82 qkm, 25 993 (5.), Vitry-en-Artois (168,26 qkm, 20 760 E.). - 2) A. (Nemetocenna oder Nemetacum im Lande der Atrebates, später Atrebate oder Atrebatae), Hauptstadt des franz. Depart. Pas-de-Calais und Arrondissements A. sowie der ehemaligen Grafschaft Artois, in 67 m Höhe, an der Mündung des Crinchon in die hier schiffbare Scarpe und den Linien Amiens-A.-Calais (196 km), A.-Etaples (100 km), A.-Doullens (36 km) und Paris-Tourcoing der Franz. Nordbahn, ist Sitz eines Bischofs und des Stabes der 2. Infanteriedivision sowie des Stabes der 3. Infanteriebrigade, hat in Garnison das 33. Infanterieregiment und das 2. Genieregiment. A. hat (1891) 20 097, als Gemeinde 25 701 E., einen Gerichtshof erster Instanz, eine 1737 gegründete Gelehrte Gesellschaft, ein Collège, ein Taubstummeninstitut, ein theol. Seminar, eine Lehrer- und eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Ingenieur-, Zeichen- und mediz. Schule, eine Ökonomische Gesellschaft, eine Bibliothek (50 000 Bände und 1100 Handschriften), ein Naturalienkabinett, Museum, botan. Garten; ferner Fabrikation von Spitzen, Pfeifen, Öl, Rübenzucker und wichtigen Handel, namentlich mit Getreide, Wein, Öl und Steinkohlen. Die Citadelle sowie die übrigen Befestigungen, die jetzt niedergelegt werden, sind von Vauban verbessert oder ganz neu angelegt. Die Cité (Altstadt) ist von der Neustadt (la Ville) durch Wall und Graben getrennt. Unter den Gebäuden zeichnen sich besonders aus: die 1755-1833 in einem Bastardstile aufgeführte Kathedrale; die alte Abtei von St. Waast, jetzt teils Seminar, teils Museum und Bibliothek; das gegen 1510 im got. Stile erbaute Rathaus, eins der schönsten im nördl. Frankreich, und dabei der 1554 aufgeführte Beffroi, ein 75 m hoher viereckiger Turm, an der Spitze mit einer herzogl. Krone, auf der ein kolossaler Löwe steht. A. ist der Geburtsort der beiden Robespierre und des durch seine Grausamkeiten berüchtigten Joseph Lebon (gest. 1795). - Zu Cäsars Zeit, der hier Winterquartier hielt, war A. schon bedeutend; Attila zerstörte es 451, die Normannen 880. Mit der Grafschaft Artois gelangte A. an die Herzöge von Burgund, die hier einen glänzenden Hof hielten. 1435 wurde hier ein Friede zwischen Philipp von Burgund und Karl VII. von Frankreich abgeschlossen (s. Burgund, Geschichte). A. wurde zwar 1482 mit Artois von den niederländ. Ständen an Ludwig XI. von Frankreich abgetreten, kam jedoch schon 1493 durch Vermittelung an Maximilian von Österreich zurück. A. blieb nun beim Hause Habsburg, bis es Ludwig XIII. 1640 nach langer Belagerung einnahm; der Versuch der Spanier unter Condé 1654, es zu erobern, wurde durch den Sieg Turennes 24. Aug. vereitelt. Im Pyrenäischen Frieden von 1659 blieb A. bei Frankreich. Die berühmten Linien von A. nach Bouchain an der Schelde überstieg Marlborough 5. Aug. 1711.

^[Abb.]

Arratel (Mehrzahl Arrateïs) oder Libra hieß das bis zur Einführung des franz. metrischen Systems (Ende Sept. 1868) die Einheit des portug. Gewichtssystems bildende Pfund, das auch in Brasilien bis Ende 1873 in Anwendung war. Das A. zerfiel in Halbe (Meios) und Viertel (Quartos); das Viertel wieder in 4 Unzen (Onças), zu 8 Achteln (Oitavas oder Outavas). Das Achtel zerfiel in 3 Skrupel (Scrupulos) zu je 24 Gran (Grãos). Es hatte daher das A. 9216 Gran; 32 A. bildeten eine Arroba (s. d.), 4 Arrobas einen Ouintal oder Centner. Das A. wog 459 g, und es waren daher 100 A. = 45,9 kg. Die Hälfte des A. (der Meio-Arratel) hieß auch Marco und bildete die Einheit des Münzgewichts.

Arrawaken (Arawack), südamerik. Indianerstamm im holländ. und brit. Guayana zu beiden Seiten des Corentyne und bis zum Pomerun. Die A., gegenwärtig auf ungefähr 2000 Seelen zusammengeschmolzen, bewohnten ehemals den ganzen Küstenstrich zwischen dem Amazonas und dem Golf von Paria, von wo sie auf die umliegenden Inseln übersetzten. Sie waren vor der Ausbreitung der Kariben die Urbewohner aller dieser Gegenden. Auf den Inseln wurden sie von den Kariben ausgerottet, welche die arrawakischen Weiber sich beilegten, wodurch unter den Weibern der Inselkariben eine förmliche Mischsprache entstand, die aus karibischen und arrawakischen Elementen besteht. - Vgl. Schomburgk, Reisen in Britisch-Guiana 1840-44 (mit einer Grammatik von Quandt, 3 Bde., Lpz. 1847-48); Brett, The Indian tribes of Guiana (Lond. 1868).

Arrazzi, Arazzi, bei den Italienern Bezeichnung für alle gewirkten, meist figürlich verzierten Teppiche, die zur Bekleidung der Wände in Kirchen, Palästen und Wohnhäusern oder als Vorhänge dienten. Der Name kommt von der Stadt Arras in Flandern, welche im Mittelalter die Hauptfabrikstätte war, bis nach der Einnahme der Stadt durch Ludwig XI. hier die Fabrikation erlosch. Dann trat Brüssel als erste Fabrikstätte an die Stelle. Im 14. Jahrh. trat Paris in Konkurrenz mit Arras, und wurde im 17. Jahrh. durch die staatliche Gründung der Gobelinfabrik hervorragend wichtig. Die Technik der A. ist dieselbe wie die der Gobelins (s. d.). - Vgl. Müntz, La tapisserie (Par. 1883); De