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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arrimage; Arrivabene; Arrivieren; Arroba; Arrodieren; Arröe; Arrogant; Arrogation; Arrom

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Arrimage - Arrom

Billault überlassen. Später ward A. Mitglied des Generalrats für das Depart. Seine-et-Oise. Nach 1870 durch bonapartistische Umtriebe verdächtig, wurde A. als Maire von Courson l'Aulnay 1874 abgesetzt. Seit 1876 war A. Mitglied der Kammer. Da er überführt war, bei den Wahlen im Okt. 1877 in zwei Wahlkreisen gestimmt zu haben, hatte die Kammer im Juni 1880 dem Antrag auf seine gerichtliche Verfolgung zugestimmt, als die Amnestie vom Juli 1880 den Beschluß aufhob. Er starb 28. März 1888 in Paris.

Arrimage (frz., spr. -ahsch), die Stauung, Verteilung der geladenen Güter im Schiffsräume; arrimieren, zweckmäßig verpacken, s. Stauen.

Arrivabene, Ferdinando, ital. Dichter und Literarhistoriker, geb. 1770 zu Mantua, studierte zu Pavia die Rechte und wurde Beamter der Cisalpinischen Republik. Während der österr. Herrschaft 1800 als polit. Gefangener nach Sebenico gebracht, protestierte A. durch die Canzone "La tomba di Sebenico", die großes Aufsehen erregte. Er wurde 1804 Rat am Appellhofe zu Lyon, dann Präsident des Gerichtshofs für Staatsverbrechen zu Brescia. 1816 von der österr. Regierung nach Bergamo versetzt, widmete er sich seit 1821 in Mantua ganz litterar. Thätigkeit. Er schrieb: "Il secolo di Dante" (Udine 1827), "Degli amori di Dante" (Mant. 1823) und das von der Akademie zu Brescia 1817 gekrönte rechtsphilos. Werk "Sulla filantropia del giudice". A. starb zu Mantua 29. Juni 1834, in der Ausarbeitung eines größern Werkes, "Iconografia d'Italia." (mit Foscolo, Niccolini u. a.), begriffen.

Arrivabene, Giovanni, Graf, ital. Nationalökonom, geb. 24. Juni 1787 zu Mantua, wurde 1820 als Mitwisser revolutionärer Umtriebe verhaftet. Nach mehrmonatiger Haft entlassen, ging er über die Schweiz nach Frankreich, von da nach England. Indessen wurde er 1824 in contumaciam zum Tode verurteilt, seine Güter sequestriert. In London lag er volkswirtschaftlichen Studien ob, als deren Frucht "Beneficenza della città di Londra" (2 Bde., Lond. und Lugano 1828-32) erschien. A. siedelte 1827 nach Belgien über, wo er bis 1859 blieb. Er gehörte zu den Veranstaltern des 1847 in Brüssel tagenden Volkswirtschaftlichen Kongresses und den Gründern der Belgischen Ökonomischen Gesellschaft, deren Präsident er ward. 1860 heimgekehrt, wurde er Senator und trat an die Spitze der Italienischen Nationalökonomischen Gesellschaft in Florenz, wo er segensreich für die wirtschaftliche Reform Italiens wirkte. 1866 zog er sich nach Mantua zurück und starb 11. Jan. 1881. Eine Auswahl seiner "Scritti morali ed economici" (Flor. 1870) gab Carina heraus. Stuart Mills "Principles of political economy" hat A. ins Italienische übersetzt; auch ließ er Memoiren seines vielbewegten Lebens, "Intorno ad un epoca della mia vita 1820-22" (Tur. 1860, deutsch von Burkhardt, Gotha 1861) und "Memorie della mia vita, 1795-1859" (Flor. 1879) erscheinen.

Arrivieren (frz.), ankommen, sich ereignen.

Arroba, älteres, in Spanien, Portugal, Brasilien und den span.-amerik. Freistaaten, sowie in den portug. Kolonien gebräuchliches Handelsgewicht. In Spanien begriff die bis Ende 1858 gesetzlich geltende A. 25 castil. Libras oder Pfund = 11,5023 kg. 4 solche A. machten den span. Quintal oder Centner von 100 Pfd. aus. Gegenwärtig rechnet man in Spanien bei der Preisstellung die A. = 11½ kg. Die metrische A. (A. métrica) von 10 kg scheint dort nicht üblich geworden zu sein. Außerdem hieß A. in Spanien auch ein Flüssigkeitsmaß. Die castilische größere A. oder Wein-Arroba (A. mayor, A de vino) oder Cántara für Wein und Branntwein war = 16,133 l, die A. von Malaga faßte 16,66 l. Ölmaß Castiliens war die kleine A. (A. menor) oder Öl-Arroba (A. de aceite), ursprünglich ein Gewicht von 25 Pfd.; sie enthielt 12,563 l. Die portugiesische und brasilianische A. begriff 32 Arratéis oder portug. Pfund und war = 14,688 kg. (S. Arratel.) Seit Einführung der neuen Maße und Gewichte stellt man in Brasilien häufig die Preise für die A. von 15 kg.

Arrodieren (lat.), annagen, anfressen.

Arröe, besser Ärö, dän. Insel, 15 km östlich von Alsen und 11 km südlich von Fünen, gehört zum Amte Svendborg und zählt auf 84½ qkm (1890) 10 700 E. Die Insel ist hoch, hügelig, außerordentlich fruchtbar und jetzt gänzlich von ihren frühern Waldungen entblößt. Ein jetzt meist ausgetrockneter Fjord, Graastens Noer genannt, schneidet tief von Norden her ein und teilte früher die Insel in zwei Teile, die nur durch eine sehr schmale Nehrung zusammenhingen. Bedeutender als die Stadt Äröskjöbing mit (1890) 1500 E. ist der Flecken Marstal, mit Winterhafen und 3029 E.; Marstal besitzt (1888) 258 Schiffe mit Tragfähigkeit von 19 250 Registertons und treibt starke Frachtfahrt, Reederei und Fischerei. 1749 wurde die ganze Insel dänisch, gehörte dann zu Schleswig, wurde aber 1864 an Dänemark abgetreten. Nicht zu verwechseln ist A. mit der Insel Aarö (s. d.) im Kleinen Belt.

Arrogant (lat.), anmaßend; Arroganz, Anmaßung, Hochmut, Dünkel.

Arrogation (lat.), s. Annahme an Kindesstatt.

Arrom, Cecilia de, die bedeutendste neuere span. Erzählerin unter dem Namen Fernan Caballero (nach einem Dorfe der Mancha), geb. 25. Dez. 1796 zu Morges in Waadt als Tochter von Joh. Nik. Böhl von Faber (geb. 9. Dez. 1770 zu Hamburg, gest. 9. Nov. 1836 zu Cadiz), der durch die Geschäfte des väterlichen Hauses nach Cadiz geführt, Francisca de Larrea heiratete und sich um die span. Litteratur durch Verbreitung der ästhetischen Anschauungen Schlegels in "Floresta de rimas antiguas castellanas" (3 Bde.,Hamb. 1821-25) und "Teatro español anterior a Lope de Vega" (ebd. 1832) verdient machte (vgl. "Versuch einer Lebensskizze von Joh. Nik. Böhl von Faber. Nach seinen eigenen Briefen" [von Elise Campe] Lpz. 1858, als Handschrift gedruckt). Sie vergaß, obwohl seit 1805 in Deutschland erzogen und Verfasserin von "Sola", deutsch geschriebenen Bildern aus dem andalus. Volksleben (hg. von ihrem Vater, Hamb. 1831, anonym), später die deutsche Sprache. 1813 kehrte sie mit nach Cadiz zurück, wo sie 1816 den Hauptmann Planells de Bardaxi heiratete, der 1817 starb. Die Ehe der wegen Geist und Schönheit Vielumworbenen mit dem reichen Gardeoffizier Marquis von Arco-Hermoso (1822), dessen Palast in Sevilla Mittelpunkt eines auserwählten Kreises ward, löste 1835 sein Tod. 1837 vermählte sie sich mit de A., einem Advokaten, der ihr und sein geringes Vermögen verlor und sie, da er als span. Konsul nach Australien ging, in Sevilla zurückließ. Während seiner langen Abwesenheit zog sie sich aufs Land zurück und widmete sich ihren litterar. Neigungen. Später lebte sie, Witwe seit 1863, bald in Sevilla, wo ihr die Regierung 1857-68 im Alcazar Wohnung gewährte, bald im Puerto de Santa Maria bei Cadiz. Sie starb 7. April