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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arrondieren; Arrondiermaschine; Arrondierung; Arrondissement; Arrosement; Arroux; Arrow-Root

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Arrondieren - Arrow-Root

1877 in Sevilla, vereinsamt, weil ihre reaktionär-klerikale Doktrin sie der siegreichen liberalen Strömung in der Nation entfremdet hatte. Fernan Caballero hat den modernen Roman für Spanien erobert, indem sie das span. Leben aller, gern auch der niedersten Kreise, treu darstellte. Sie begann mit "La Gaviota" 1849 (im Journal "El Heraldo"). Es folgten "Elia", "Clemencia", "La familia de Alvareda", "Lagrimas" u. a., sowie viele kleine Erzählungen, "Cuadros de costumbres populares andaluces". Überall strebt sie, Realistin im guten Sinne, nach dem täuschenden Scheine des Thatsächlichen und wollte nur "poetizar la realidad sin alterarla". Der Hauptreiz liegt in der reinen Freude an den anmutigen Bildern aus Andalusiens Natur und Volksleben, die eine gewisse Weitläufigkeit und schwache Charakterzeichnung übersehen läßt. Auch lieferte sie die erste Sammlung span. Märchen nebst Volksliedern als "Cuentos y poesias populares andaluces" (Sevilla 1859). Sie sammelte zweimal ihre Werke (19 Bde., Madr. 1856; 13 Bde., ebd. 1860-61); es folgten noch "Collecion de articulos religiosos y morales" (Cadiz 1862), "La mitologia contada á los niños" (Barcel. 1873), "Cuentos, adivinos, oraciones y refranes populares é infantiles" (Madr. 1877) und "Cuadros de costumbres" (Valencia 1878). Abdrücke der meisten enthält "Coleccion de autores españoles" in 11 Bdn. (Lpz. 1860-87). Nach ihrem Tode erschienen "Ultimas producciones" (Sevilla 1878), drei Erzählungen (mit biogr. Skizze von Gabriel y Ruiz de Apodaca; zwei davon französisch mit Biographie und Kritik der A. von Graf Bonneau-Avenant,Par. 1882). Deutsch erschienen A.s "Ausgewählte Werke" von Lemcke, Hedw. Wolf, Clarus und Hosäus (17 Bde., Paderb. 1859-64; Volksausgabe 8 Bde., 2. Aufl., ebd. 1864-66), "Span. Dorfgeschichten" von P. Schanz (Wien 1877), "Novellen" von ders. (ebd. 1878), "Andalus. Novellen" (Lpz. 1891) und einzelne Werke (von Laistner 1872 fg., Bayer 1877, Lange 1880 u. a.), die meisten auch französisch und in andern Sprachen.- Vgl. Mazade, Fernan Cabellero et ses récits, in "Revue des Deux Mondes", Nov. 1858; Keiter, F. Caballero, in "Unserer Zeit", 1876, I; Marquis Figueroa, F. Caballero y la novela en su tiempo, in "España del siglo XIX", Bd. 2 (1887).

Arrondieren (frz., spr. arrongd-), abrunden, zusammenlegen (Grundstücke).

Arrondiermaschine (spr. arrongd-) oder Wälzmaschine, eine in der Uhrenfabrikation gebrauchte Vorrichtung zum Arrondieren, d. h. Abrunden oder Wälzen der Zähne bei Zahnrädern. Entweder dient eine besonders gestaltete Feile, welche Mithilfe eines Schiebers parallel zur Radachse von der Hand hin und her bewegt wird, hierbei als Werkzeug, oder man benutzt eine kleine Fräse (s. d.), um das Abrunden zu bewirken, wobei das Rad nach der jedesmaligen Bearbeitung eines Zahns selbstthätig um eine Zahnteilung gedreht wird.

Arrondierung (frz., spr. arrongd-), s. Zusammenlegung der Grundstücke.

Arrondissement (spr. arrongdiß'máng), in Frankreich der Name für die Unterabteilungen der Departements; die Verwaltungsbehörde des A. ist die Unterpräfektur. In Paris werden die 20 Stadtbezirke als A. bezeichnet.

Arrosement (frz., spr. arrohs'máng) oder Arrosierung, d. i. Befeuchtung, Anfrischung, bezeichnet bildlich eine nachträgliche Zahlung, um den Nutzen einer frühern Zahlung zu sichern, z. B. wenn die Teilhaber an einer Aktienunternehmung bei Unzulänglichkeit des veranschlagten Kapitals noch etwas auf jede Aktie nachzahlen müssen. Für ein solches A. (Arrosierungsanleihen) gab sich unter andern die 1805 und 1809 in Österreich vorgenommene Finanzoperation aus, wonach die Inhaber von Staatsschuldscheinen, um nicht ihr Forderungsrecht und den Zinsanspruch zu verlieren, einen Nachschuß machen mußten, der aber mit verzinst wurde. In der neuern Zeit kommt der Ausdruck namentlich im bayr. Staatsschuldenwesen vor: 1848 wurde in Bayern eine sog. Arrosierungsanleihe aufgenommen, eine freiwillige 4prozentige Anleihe, bei der ein der Summe der baren Einzahlung gleicher Betrag in bis dahin 3½prozentigen Obligationen geleistet werden konnte, die dann auf 4 Proz. erhöht wurden. Die bayr. Arrosierungsanleihe wurde 1850 in der Art fortgesetzt, daß für jedes bare Darlehen zu 4 Proz. dem Darleiher gleichzeitig der doppelte Betrag desselben in von ihm eingereichten ältern 3½prozentigen Staatsobligationen in 4prozentige umgetauscht ward; von 1853-66 erfolgten weitere Fortsetzungen der Arrosierungsanleihe für den Eisenbahnbau. (S. Staatsschulden.)

Arroux (spr. arrúh), rechter Nebenfluß der Loire im franz. Depart. Saône-et-Loire, entspringt (491 m hoch) im Depart. Côte-d'Or, 6 km nordöstlich von Arnay-le-Duc, fließt in südwestl. Richtung zuerst zwischen den Monts du Morvan im W. und der Côte-d'Or im O., berührt Autun und Toulon, wird bei Gueugnon auf 20 km schiffbar und mündet nach 120 km Lauf unterhalb von Digoin. Er hat ein Flußgebiet von 3250 qkm.

Arrow-Root (spr. ärroruht), Araruta, Pfeilwurzmehl (lat. Amylum marantae), ist die Bezeichnung, welche verschiedene Arten von Stärkemehl, die aus den knolligen Wurzelstöcken tropischer Pflanzen hergestellt werden, im Handel führen. Die gebräuchlichsten sind: 1) Westindisches A. oder Marantastärke, die bei uns gangbarste Sorte, wird aus der Maranta arundinacea L. gewonnen, die jedoch nicht bloß in Westindien, sondern auch schon seit längerer Zeit in Guayana, auf Réunion und in Ostindien angebaut wird. 2) Ostindisches A. oder Tikurmehl; es wird aus den Wurzelknollen von Curcuma angustifolia Roxb. und Cucurma leukorrhiza Roxb. gewonnen, kommt aber fast gar nicht in den deutschen Handel. 3) Tahiti-Arrow-Root oder die Taccastärke, wird aus den Wurzelknollen der Tacca pinnatifida Forst. gewonnen, die man auf den meisten Inseln des Großen Oceans baut. 4) Port-Natal-Arrow-Root, soll wie die westind. Sorte von der Maranta arundinacea L. abstammen, was jedoch nicht wahrscheinlich ist, da die Stärkekörnchen dieser Sorte unter dem Mikroskop ein ganz anderes Aussehen zeigen. Das Natal-Arrow-Root besteht aus einzelnen kreisrunden bis eiförmigen, zuweilen sogar annähernd dreieckigen, etwas abgeplatteten Körnchen von 0,008 bis 0,069 mm Länge, deren Hilus als runder, fester Körper besonders deutlich unter Wasser und Glycerin hervortritt. Die Natalsorte beginnt beim Erwärmen mit Wasser schon bei 55° C. zu schwellen, während dies bei den westind. Sorten erst bei 60-70° der Fall ist. Die Natalsorte wird in England vorgezogen. Die übrigen aus tropischen Pflanzen gewonnenen Stärkemehlsorten führen im Handel besondere Namen, z. B. Sago, Tapioca, Cassavastärke.