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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ars an der Mosel; Arsamas; Arschin; Arschis; Arschot; Arsen

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Arsamas (litterar. Gesellschaft) - Arsen

Arsamas, Name einer russischen litterar. Gesellschaft, die 1815-18 in Petersburg und Moskau aus Personen liberaler Richtung und Anhängern Karamsins bestand. Ihr Zweck war, die reaktionären Tendenzen von Schischkows "Besěda" satirisch zu bekämpfen. Mitglieder waren u. a. Graf Bludow (mit dem Spitznamen Kassandra), Daschkow, Schukowskij (Swjetlana), Alex. und Nikol. Turgenjew, sowie damals noch junge Talente, wie Alex. Puschkin (die Grille), Batjuschkow, Fürst Wjasemskij u. a. Der Name A. stammt von einer satir. Erzählung des Grafen Bludow, welche in der russ. Kreisstadt A. spielte.

Ars an der Mosel (Ars-sur-Moselle, spr. ahr ßür mossähl), Stadt im Kanton Gorze, Landkreis Metz des Bezirks Lothringen, 9 km südwestlich von Metz, an der Mündung der Mance in die Mosel und der Linie Grenze-Forbach-Metz-Novéant-Grenze der Reichseisenbahnen, hat (1890) 3310 E., darunter 290 Evangelische, Amtsgericht (Landgericht Metz), Post, Telegraph, Zoll- und Steueramt; Maschinen- und Papierfabriken, Weinbau (175 ha Weinberge) und in der Nähe bedeutende Eisenwerke, zu denen eine 3 km lange Industriebahn führt. In A. (Villa Arx 881) und dem gegenüber liegenden Jouy-aux-Arches (Gaudiacum 770) großartige Reste der röm. Wasserleitung von Gorze nach Metz, von der bei A. noch 9, bei Jouy noch 17 Rundbogenpfeiler stehen. Während der Einschließung von Metz im Deutsch-Französischen Kriege war A. ein wichtiger Stützpunkt der deutschen Vorposten. In den Schlachten bei Mars-la-Tour (10. Aug. 1870) und Gravelotte (18. Aug. 1870) bildete das nördlich von A. gelegene Bois de Vaux die Anlehnung des rechten Flügels der Deutschen, besonders der Ersten Armee.

Arschin, die russ. Elle, eingeteilt in 16 Werschok, hat 28 russ. oder engl. Zoll = 7/9 engl. Yards = 0,7112 m. - A. wurde auch das ältere türk. Ellenmaß, der Hâlebi oder Pik Hâlebi (s. Pik) von 27 engl. Zoll = 0,6858 m genannt. Ferner heißt im Norden Persiens A. auch das pers. Ellenmaß (s. Göß). Im Norden und Nordwesten dieses Reiches ist auch das russische A. im Gebrauch. (S. auch Lokieć.)

Arschis oder Argesu. 1) Nebenfluß der Donau in Rumänien, entspringt in den Transsylvanischen Alpen, am 2536 m hochen Negoi, durchströmt dieselben südlich gerichtet, wendet sich bei Pitesci, wo er das Flachland der Walachei betritt, nach SO. und mündet bei Oltenita von links her in die Donau, gegenüber Turtukai. Seine Länge beträgt 256 km, seine Breite bis 180 m, seine Tiefe bis 3 m, sein Gebiet 1166 qkm. Er ist nur flößbar. Von links empfängt er die Dimbovita (s. d.). - 2) Distrikt in Rumänien, nach dem Flusse A. benannt, mit 4510 qkm, 177 714 E. und der Hauptstadt Pitesci.

Arschot, Aerschot (spr. ars-chot), Kantonsstadt im Arrondissement Löwen der belg. Provinz Brabant, an der Demer und den Linien Aachen-Antwerpen und A.-Löwen-Ottignies-Fleurus-Charleroi-Marcinelle (80 km) der Belg. Grand-Centralbahn, hat 6008 E., Post, Telegraph, Überreste alter Befestigungen, Spitzenfabriken und Brauereien. A. war im Mittelalter eine Baronie, die 1533 von Karl V. zum Herzogtum erhoben und an die Grafen von Croy verliehen wurde. Nach dem Aussterben derselben 1612 kam A. an die Reichsfürsten (später Herzöge) von Arenberg (s. d.).

Arsen, Arsenik, Fliegenstein, Scherbenkobalt, Cobaltum (chem. Zeichen = As; Atomgewicht = 75), ein chem. Element, das der Reihe der drei- und fünfwertigen Elemente, Stickstoff, Phosphor, A., Antimon und Wismut, angehört und einerseits viele Eigenschaften des Phosphors teilt, andererseits aber dem Antimon sehr ähnlich ist. Es kommt in der Natur gediegen vor, namentlich auf Gängen im krystallinischen Schiefer- und Übergangsgebirge, häufiger aber in Verbindung mit Schwefel oder Sauerstoff und andern Körpern. Die wichtigsten in der Natur vorkommenden Arsenverbindungen sind Arsenkies (s. d.) und Arsenikalkies (s. d.). Außerdem ist es Bestandteil einer großen Anzahl anderer Mineralien und findet sich endlich, allerdings in nur unmerklich kleinen Mengen, auch sonst ungemein verbreitet. So hat man es in sehr vielen natürlichen Mineralwässern und den sich daraus abscheidenden Niederschlägen, in der Ackerkrume, im Flußschlamm, in Steinkohlen, ja selbst in manchen Pflanzen nachgewiesen; fast alle Schwefelkiese enthalten A., aus diesen geht es in die daraus dargestellte Schwefelsäure über und durch letztere, wenn sie nicht durch ein umständliches Verfahren gereinigt wurde, in alle direkt oder indirekt daraus dargestellten Fabrikate; da Arsensäure sehr vielfach (wiewohl nicht immer) zur Herstellung der Anilinfarben gebraucht wird, so ist bei deren Verwendung zum Färben von Nahrungsmitteln Vorsicht geboten. Das A. des Handels ist entweder gediegen oder aus Arsenkies und Arsenikalkies durch starke Erhitzung abgeschieden, wobei ersterer Einfach-Schwefeleisen, letzterer Einfach-Arseneisen zurückläßt. Bei der vorzugsweise in Reichenstein in Schlesien ausgeführten Fabrikation wird das Erz in thönernen, 60-70 cm langen, 13-18 cm weiten, am hintern Ende geschlossenen Röhren, die zu 20-26 Stück horizontal in einen Ofen gelagert sind und durch ein gemeinschaftliches Feuer erhitzt werden, stark geglüht; in den vordern, aus der Ofenwandung hervorragenden Teil der Röhre wird ein spiralig gebogenes Stück Eisenblech geschoben und dann eine thönerne Vorlage angefügt, deren Stoßfuge mit Lehm verschmiert wird. Nach zehnstündigem Feuern ist die Zersetzung beendet, das A. findet sich dann teils als bläulichweiße, krystallinische Masse an der Oberfläche des Eisenblechs verdichtet und wird durch Ausrollen und Abpochen losgelöst, teils als grauschwarzes Pulver an der kältern Wandung der Röhre oder in der Vorlage; nur das krystallinische A. wird in den Handel gebracht, das Pulver wird der nächsten Beschickung beigefügt. Reines A. erhält man durch Sublimation des käuflichen. Das reine A. tritt in verschiedenen Modifikationen auf. Bei der Sublimation erhält man dasselbe, wenn die Dämpfe nicht weit unter der Dampfbildungstemperatur verdichtet werden, als bläulichweiße, krystallinische oder rhomboedrisch krystallisierte Masse von 5,726 spec. Gewicht; läßt man A. in einem Strom eines indifferenten Gases, wie Wasserstoff, in einem Rohre verdampfen, so scheidet sich an der erhitzten Stelle zunächst etwas krystallisiertes A. ab, in etwas weiterer Entfernung lagert sich glasglänzendes, schwarzes, amorphes A. als kompakte Schicht von 4,71 spec. Gewicht ab, in dem kältesten Teil der Röhre findet sich dann noch A. in Form eines grauen Pulvers von 4,71 spec. Gewicht, das mikroskopisch als aus kleinen, reihenförmig zusammenhängenden Körperchen bestehend erscheint; es ist wohl wahrscheinlich, daß das graue Pulver und das schwarze amorphe A. identisch sind, beide gehen, wenn sie auf eine