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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arte peritus; Artemisia; Artemisium; Artenay; Arteria anonyma; Arteriectasia; Arterien; Arterienentzündung

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Artemisia (Fürstin) - Arterienentzündung

war und deren Kraut und Blüten als sehr beliebtes Küchengewürz zu Braten u. dgl. zugesetzt werden. Gleichfalls als Gewürzpflanzen werden der aus Sibirien stammende Dragon oder Estragon, A. Dranunculus L., sowie die aus Kleinasien und Südeuropa eingeführte sog. Eberraute, A. Abrotanum L., in Gärten gezogen. Von besonderer Bedeutung als offizinelle Pflanzen sind einige in Turkestan einheimische Arten, deren Blütenköpfchen den Wurm- oder Zitwersamen Flores Cinae, Semina santonici) liefern. Sie enthalten Santonin, sind eins der wichtigsten Mittel gegen Würmer und werden in der verschiedensten Weise zu Heilmitteln verarbeitet. Es stammt diese Drogue wohl von mehrern aralo-kaspischen Formen, die gewöhnlich als A. Cina Berg. zusammengefaßt werden. Neuerdings wird als wichtigste Stammpflanze eine Varietät der A. maritima L.: A. Stechmanniana Bess., angegeben.

Artemisia, Fürstin von Halikarnassos und der Inseln Kos, Nisyros und Kalydna, begleitete Xerxes auf dessen Zuge gegen Griechenland und zeichnete sich in der Schlacht bei Salamis, 480 v.Chr., durch Mut und Entschlossenheit, im Kriegsrate durch Klugheit aus. - Eine andere A., anscheinend aus demselben Dynastengeschlecht, Königin von Karien, regierte von 352 bis 350 v. Chr. Sie war die Schwester und Gemahlin des Mausolus, dem sie in der Regierung folgte und in ihrer Hauptstadt Halikarnassos das sog. Mausoleum (s. d.) errichtete.

Artemisium (Artemision), Name mehrerer griech. der Artemis geweihter Vorgebirge; am bekanntesten ist das im N. von Euböa mit einem 1883 wieder aufgefundenen Heiligtum der Artemis Proseoa; hier fand 480 v. Chr. das erste unentschiedene Seegefecht zwischen Persern und Griechen statt.

Artenay (spr. art'näh), Hauptort des Kantons A. (196,27 qkm, 11 Gemeinden, 6647 E.) im Arrondissement Orléans des franz. Depart. Loiret, in der Landschaft Beauce an der Straße und der Linie Paris-Orléans der Franz. Orléansbahn, hat (1891) 914, als Gemeinde 1064 E., Post und Telegraph. Hier stieß General von der Tann 10. Okt. 1870 bei seinem Vormarsche nach der Loire mit der 1. bayr. Division, der Korpsartillerie und der 2.und 4. preuß. Kavalleriedivision auf die Vorhut der franz. Loire-Armee (eine Division des 15. Korps unter General Reyau) und schlug dieselbe vollständig. Auch in den spätern Kämpfen der Deutschen mit der franz. Loire-Armee (1. bis 4. Dez.) wird A. öfter genannt.

Arte peritus (lat.), Kunst-, Sachverständiger.

Arteria anonyma, s. Anonyma.

Arteriectasia, s. Aneurysma.

Arterien (grch.), Pulsadern, in der Anatomie diejenigen Blutgefäße, welche das Blut aus dem Herzen wegführen und in den verschiedenen Körperteilen verteilen. Bei denjenigen Tieren, bei welchen kein Herz als bewegendes Centralorgan, sondern nur kontraktile Gefäße existieren (z. B. bei den meisten Würmern), oder bei welchen die Richtung der Zusammenziehung des Herzens von Zeit zu Zeit sich ändert (bei Ascidien und Salpen), kann natürlich von einer Unterscheidung zwischen centrifugalen Gefäßen (Arterien) und centripetalen (Venen) nicht die Rede sein. Bei den höhern Tieren dagegen, wo ein centralisiertes Herz existiert, das rhythmische Zusammenziehungen ausführt, pflanzt sich die durch die Zusammenziehung des Herzens hervorgebrachte Welle in den größern Stämmen der A. fort und wird so als Pulsschlag gefühlt, z. B. an der oberhalb des Daumens am Vorderarme hinlaufenden Radialarterie (wo die Ärzte den Puls zu befühlen pflegen). Die A. zerfallen bei den höhern Wirbeltieren und dem Menschen in zwei Hauptklassen. Die eine führt das durch das Atmen mit Sauerstoff gesättigte, seiner Kohlensäure teilweise beraubte, gerötete und zur Gewebebildung geeignete sog. arterielle Blut nach allen Körperteilen; ihr Hauptstamm heißt die Aorta (s. d.) und läuft aus der linken Herzkammer in der Mittellinie des Körpers erst vorn nach oben, dann hinten herab vor der Wirbelsäule her. Die andere Klasse besteht aus den Lungenarterien, welche das dunkle, schwärzliche, mit Kohlensäure beladene sog. venöse Blut aus der rechten Herzhälfte nach den Lungen führen, wo es wieder in rotes, arterielles umgewandelt werden soll. Die A. müssen einen starken Druck der vom Herzen her in sie hineingepreßten Blutmasse aushalten und sind daher mit festen und elastischen Häuten versehen, von denen namentlich die mittlere oder Ringfaserhaut sehr fest und dehnbar, die innerste sehr glatt und zart ist. Alle A. enthalten in ihrem Gewebe, außer den elastischen Fasern, deutliche sog. glatte Muskelfasern, durch deren vom Nervensystem abhängige Thätigkeit die A. verengt und wieder erweitert werden können, so daß die Schnelligkeit und die Größe des Blutstroms in den einzelnen Körperteilen durch die Nerven beeinflußt und reguliert wird. (S. Kreislauf des Blutes und Tafel: Die Blutgefäße des Menschen.)

Von den Arterienkrankheiten ist die häufigste eine chronische Entzündung ihrer innern Haut, welche zu fettiger Entartung oder Verknöcherung der Arterienwände und dadurch zu Aneurysma (s. d.) oder Apoplexie (s. d.) führt (s. Arterienentzündung). Verletzungen einer Arterie sind immer von mehr oder minder beträchtlichen, bisweilen lebensgefährlichen Blutungen begleitet und erheischen den künstlichen Verschluß des durchschnittenen Gefäßes mittels eines umgelegten und fest zugeschnürten Fadens (s. Blutung und Unterbindung). Krankhafte Verstopfung und Verödung einzelner A. verursachen bisweilen die schwersten Kreislaufsstörungen (s. Thrombose und Embolie).

Arterienentzündung, Pulsaderentzündüng (Arteriitis), tritt in zwei voneinander wesentlich verschiedenen Formen auf, nämlich als akute Entzündung der Außenhäute der Arterien (Periarteriitis) und als chronisch verlaufende Entzündung der Innenhaut der Arterien (Endoarteriitis oder Endarteriitis). Die erstere schließt sich entweder an Verletzungen an oder sie wird durch Weitergreifen der Entzündung und Vereiterung benachbarter Organe und Gewebe auf die Pulsaderwand hervorgerufen und führt meist rasch zur Verstopfung und Verschließung der befallenen Arterie durch Blutgerinnsel (s. Thrombose). Die zweite Form, die sog. chronische oder deformierende Endarteriitis, wohl auch als Arteriosklerose, atheromatöser Prozeß oder atheromatöse Entzündung der Arterien (Arteriitis chronica deformans) bezeichnet, welche eine häufige Krankheit des höhern Mannes- und Greisenalters ist, beginnt immer mit entzündlichen Vorgängen an der innern Arterienhaut, durch welche die Gefäßwandungen stellenweise oder in größerer Ausdehnung fettig entarten und erweichen oder auch verkalken, verknöchern und brüchig werden, infolgedessen sie ihre Festigkeit und Elasticität verlieren und so dem Blutdruck nicht