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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Aschblei; Asche

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Aschblei - Asche (chemisch)

weise Studien über die röm. Kaisergeschichte gewidmet und die Ergebnisse dieser Forschungen meist in den "Sitzungsberichten und Denkschriften" der Wiener Akademie der Wissenschaften, der er seit 1855 angehörte, niedergelegt. Zur 500jährigen Jubiläumsfeier der Wiener Hochschule 1865 verfaßte A. als Festschrift eine "Geschichte der Wiener Universität im ersten Jahrhundert ihres Bestehens von 1365 bis 1465" (Wien 1865). Ein zweiter Band dazu, auch u. d. T. "Die Wiener Universität und ihre Humanisten im Zeitalter Kaiser Maximilians I.", erschien 1877 und Bd. 3 aus seinem Nachlaß 1888. Außerdem sind zu erwähnen die Abhandlungen "Roswitha und Konrad Celtes" (Wien 1867; 2. Aufl. 1868) und "Die frühern Wanderjahre des Konrad Celtes und die Anfänge der von ihm errichteten gelehrten Sodalitäten" (ebd. 1869). In der erstern Schrift sucht er zu beweisen, daß das der Nonne Roswitha (s. d.) zugeschriebene Gedicht auf Otto d. Gr. fälschlich ihr beigelegt werde, in Wahrheit aber von dem Humanisten Conradus Celtis im 16. Jahrh. verfaßt sei. Diese Annahme wurde jedoch von Köpke und Waitz gründlich widerlegt.

Aschblei, veralteter Name für Wismut (s. d.).

Asche nennt man die von einem durch Verbrennung zerstörten organischen Körper übrigbleibenden anorganischen unverbrennlichen Bestandteile. Daher ist es nicht richtig, wenn man bei eigentlichen Mineralien von A. spricht. So ist z. B. Bleiasche keine A., sondern ein Oxyd des Bleies, da das Metall durch die Hitze nicht zerstört, sondern durch Hinzutreten des Sauerstoffs der atmosphärischen Luft in einen zusammengesetzten Körper, in ein Oxyd, verwandelt worden ist, das nur zufällig das Aussehen von A. hat. Ebenso ist auch die sog. vulkanische A. (s. den folgenden Artikel) nur ein feineres bimssteinartiges Produkt eines Schmelzungsprozesses, gleichsam ein fest gewordener Schaum der heißflüssigen Lava. Die A. der durch Verbrennung zerstörten organischen Körper, wohin auch die Braun- und Steinkohlen gehören, besteht aus den anorganischen Salzen derselben. Die Pflanzen nehmen während ihres Wachstums verschiedene mineralische Stoffe auf, die Bestandteile des Erdbodens waren. Wenn die Pflanzen verbrannt werden, so bleiben diese anorganischen Bestandteile zurück und bilden die A., die aus löslichen und unlöslichen Verbindungen besteht. Die Elemente derselben sind Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Eisen, Phosphor, Schwefel, Silicium und Chlor. Die in der A. enthaltenen Salze, die Silikate, Phosphate, Carbonate und Sulfate sind indessen keineswegs schon in dieser Form vor der Verbrennung in der Pflanze vorhanden; die Basen der in der A. nachweisbaren kohlensauren Salze z.B. sind in der lebenden Pflanze hauptsächlich an Pflanzensäuren, wie Apfelsäure, Weinsäure, Oxalsäure und andere, gebunden, die bei der Verbrennung zerstört und in Kohlensäure verwandelt wurden. Der Gehalt der A. an Sulfaten entspricht den in der lebenden Pflanze enthaltenen Mengen auch nicht, da im Verbrennungsprozeß Schwefelsäure aus dem im Pflanzeneiweiß enthaltenen Schwefel gebildet wird. Landpflanzen enthalten in ihrer A. mehr kohlensaures Kalium, Meerespflanzen dagegen mehr kohlensaures Natrium. Durch Auslaugen läßt sich aus erstern Pottasche, aus letztern Soda absondern. In der A. aller Seepflanzen, namentlich aber in der mehrerer Arten von Algen, ist mehr oder weniger Brom (s. d.) und Jod (s. d.) enthalten. Die Torfasche enthält wenig Kali, dagegen viel Erden, besonders Kalk; dasselbe gilt auch von der A. der Braun- und Steinkohlen, die oft auch sehr reich an Silikaten, Eisen- und Thonerdeverbindungen sind. Die A. dieser Brennmaterialien unterscheiden sich ganz wesentlich von der der Pflanzen, die zu ihrer Bildung gedient haben, da sie großenteils aus fremden, den in natürliche Kohle verwandelten Pflanzenresten bei ihrem Absatze aus Wasser schlammartig beigemischten Mineralien besteht, die Aschenbestandteile der Pflanzen aber während der Umbildung durch Wasser ausgewaschen sind.

Früher hielt man die die A. bildenden Bestandteile der Pflanze für sehr unwesentlich, wenigstens nicht für absolut notwendig zum Bestehen der Pflanze. Die Agrikulturchemie und Pflanzenphysiologie haben aber gelehrt, daß jede Pflanze eines gewissen Gehalts an bestimmten Salzen zu ihrer normalen Entwicklung bedarf und daß den anorganischen Stoffen wichtige Funktionen im Leben der Pflanze zukommen. Seitdem sind Analysen der A., die verschiedene Pflanzen liefern, von großem Interesse und ein wichtiges Fundament der gegenwärtigen Pflanzenphysiologie geworden. Es ist übrigens weder der Aschengehalt bei Individuen derselben Pflanzenart gleich, noch derselbe in den verschiedenen Teilen des nämlichen Gewächses, sondern es finden hierbei Abweichungen nach Alter, Standort und einzelnen Teilen statt; so enthalten die Samen stets reichliche Mengen von Phosphaten, Kali, Magnesia, die Blätter Kalk und Silikate, Knollen und fleischige Früchte kohlensaures Kalium. Im allgemeinen giebt Eichenholz etwa 2,5 Proz., Eichenrinde 6 Proz., Lindenholz 5 Proz., Birkenholz 1 Proz., Weizenstroh 4,4 Proz. A. Bei Torf, Braun- und Steinkohlen schwankt der Aschengehalt zwischen 0,5 und 50 Proz. Von ganz abweichender Beschaffenheit ist die A. tierischer Gewebe, besonders die aus Knochen erhaltene. Letztere besteht wesentlich aus den phosphorsauren, in geringerm Betrage aus den kohlensauren Salzen des Kalkes und der Magnesia und einer geringen Menge Fluorcalcium. Die Knochenasche oder Knochenerde ist daher als Dünger, namentlich für Getreide, überaus wertvoll und ein wichtiges Rohmaterial bei der Darstellung künstlicher Dungstoffe. Weiße Knochenasche, weißgebranntes Elfenbein, Jamespulver, wird auch in der Medizin angewendet. In der A. von blutfreiem Fleisch überwiegen lösliche Kalisalze, in der des Blutes dagegen die Natronsalze. Die Holzasche, besonders die von Tannen-, Eichen- und Buchenholz, bildet in holzreichen Ländern einen ansehnlichen Handelsartikel. Ihre technische Anwendung ist sehr vielfach, unter anderm bei der Seifensiederei, beim Leinwandbleichen, in Färbereien, Glashütten, Fayencefabriken, doch wird sie mehr und mehr durch Soda und Pottasche verdrängt; weiße Knochenasche dient zur Herdmasse beim Abtreiben des Silbers, zu den kleinen, Kapellen (s. d.) genannten Tiegeln, die man bei Bestimmung des Feingehalts von Silberlegierungen braucht, u. s. w. Über die Methoden zur Untersuchung der A. vgl. R. Bunsen, Anleitung zur Analyse der A. und Mineralwasser (Heidelb. 1874). - Die A. wird bei fast allen Völkern als Symbol der Vergänglichkeit betrachtet. Sich mit A. zu bestreuen war schon bei den Juden Zeichen der Trauer, Buße und Reue. Auch in der christl. Kirche war es vormals Sitte, in einem Sacke, das Haupt mit A. bestreut, Buße zu thun. (S. Aschermittwoch.)