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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Asche (vulkanische) - Aschersleben

Asche, vulkanische, die bei vulkanischen Ausbrüchen zu feinem Pulver zerstäubte Lava, ihrer chemischen und zum großen Teil auch ihrer mineralischen Beschaffenheit nach jedesmal mit der Lava desselben Ausbruchs übereinstimmend (s. Vulkane). Aus der Pinie (s. Vulkane) fällt die A. in gleichmäßigem Regen (Aschenregen) herab auf die weitere Umgebung des Vulkans, durch den Wind aber kann sie auf große Entfernungen hin verbreitet werden; vom Vesuv flog A. bis nach Konstantinopel, von isländ. Vulkanen bis nach Stockholm. Bei dem Ausbruche des Krakataua 1883 soll die in gewaltige Höhe emporgeschleuderte A. den Weg um die Erde zurückgelegt und die in der Folgezeit aufgetretenen auffallenden Dämmerungserscheinungen verursacht haben. Das Volumen der bei einem Ausbruche ausgeschleuderten vulkanischen A. und Sande nebst den gröbern Stückchen, den Lapilli, übersteigt wohl nicht selten das der gleichzeitig ausfließenden Lava. Auf dem Lande oder auf dem Meeres- oder Seeboden zur Ablagerung gelangt, wird die A. (nebst Sand und Lapilli) allmählich zum vulkanischen Tuffe. Mischt sich vulkanische A. beim Ausbruche mit atmosphärischem Wasser zu Schlamm, so stürzt dieser als Moya (s. d.) die Abhänge herab. Sich selbständig fortbewegende trockne Aschenströme können an Vulkanen auch vorkommen. Durch vulkanische A. wurden die Städte Herculanum, Pompeji und Stabiä 79 n. Chr. verschüttet.

Äsche (Salmo Thymallus L., Thymallus vulgaris Nils.), auch Gräsling, Mailing oder Sprengling genannt, ein Fisch aus der Familie der Lachsfische, erinnert hinsichtlich seiner Gestalt an die Forelle, doch hat er größere Schuppen als diese und ein kleines, mit feinen Kegelzähnen bewaffnetes Maul. Die erste Rückenflosse ist bei ihm lang, schwarz oder rot gefleckt; der Körper von 30 bis 60 cm Länge und bräunlich; über jede Schuppenreihe läuft vom Kopfe bis zum Schwanze eine schwarze Linie. Das Fleisch ist zart und sehr schmackhaft, besonders im Winter. Die Ä. ist in Frankreich und Südeuropa selten; häufiger in der Schweiz, Deutschland und Skandinavien. Sie lebt nach Art der Forellen vorzugsweise in den Ein- und Ausmündungen der Gebirgsseen und wird wie diese geangelt oder auch mit Grundnetzen gefischt. Sie wandert nicht zum Laichen und hält sich am liebsten in strömendem Wasser auf.

Äschen, Gewicht, s. Eschen.

Aschenbad nennt man die Einhüllung eines Körperteils in frische, trockne Holzasche. Das A. kann wirken: erstens durch begierige Aufsaugung des von der Haut abgesonderten Dunstes oder Schweißes, wodurch die Ausdünstung begünstigt wird; zweitens durch die in der Asche enthaltenen Salze, welche sich infolge der Hautausdünstung lösen und so als gelinde Reizmittel auf die Haut wirken; drittens durch Mitteilung von Wärme oder mindestens Verhütung der Abkühlung. Man rechnet das A. zu den austrocknenden Mitteln und wandte es früher bei Hautwassersucht, zur Wiederbelebung von Scheintoten, besonders auch von Ertrunkenen u. s. w. an. Gegenwärtig wird es wenig benutzt.

Aschenbrödel (Aschenputtel u. ähnl.), die Heldin eines bei den verschiedensten Völkern verbreiteten Märchens, hat ihren Namen davon, daß sie, von ihren Stiefschwestern (Schwestern) verachtet und zu den niedrigsten Arbeiten gezwungen, ihr Lager in der Asche des Herdes hat (analog heißt sie daher auch in den nichtdeutschen Märchen, z. B. im Französischen Cendrillon oder Cucendron, im Italienischen Cenerentola, im Englischen Cinderella, im Czechischen Popelka u. s. w.). Sie besucht, von ihrer verstorbenen Mutter (oder ihrer Taufpate, einer Fee) prächtig ausgestattet, unerkannt zwei Feste des Königs. Der Königssohn verliebt sich in sie, macht sie mit Hilfe eines von ihr verlorenen, nur ihr allein passenden Schuhs ausfindig und heiratet sie zum Ärger der neidischen Schwestern. Deutsch ward das Märchen zuerst durch die Sammlung der Brüder Grimm verbreitet. Das Märchen ist mehrfach dramatisch bearbeitet worden, so z. B. in den Opern "Cendrillon" von Nic. Isouard und "Cenerentola" von Rossini, in Platens satir. Stück "Der gläserne Pantoffel". In der Malerei diente es u. a. Moritz von Schwind (1855) zum Vorwurf.

Aschenciste, s. Ciste.

Aschendorf. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Osnabrück (s. d.), hat (1890) 20 307 (9809 männl., 10 498 weibl.) E., 1 Stadt und 32 Landgemeinden. - 2) Dorf und Kreisort im Kreis A., unweit der Ems, 5 km von Papenburg an der Linie Münster-Emden der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 2070 E., Post, Telegraph, kath. Pfarrkirche, Sensenfabrik. Östlich davon große Moore.

Aschenkegel (Schuttkegel), durch vulkanische Eruptionen lockerer Massen entstandene Hügelbildungen.

Aschenkraut, s. Cineraria.

Aschenkrüge, häufiger Ausdruck für Graburnen aus vorgeschichtlicher Zeit, aber eigentlich unrichtige Bezeichnung, da die altgerman. Graburnen niemals Asche, sondern immer die vom Leichenbrand übriggebliebenen ausgeglühten Knochen enthalten. Der bessere Ausdruck dafür ist Knochenurnen.

Aschenpflanze, s. Cineraria.

Aschenputtel, s. Aschenbrödel.

Aschenregen, Aschenströme, s. Asche (vulkanische).

Ascher (bibl.), s. Asser.

Äscher, bei der Lederfabrikation die Gruben, in denen die Häute gekalkt werden (s. Lederfabrikation).

Aschera findet sich im Alten Testament in einer doppelten Bedeutung. In ältern Stellen bezeichnet das Wort den heiligen Pfahl, der am Altare Jahwes stand. Er ward zuerst im Gesetzbuche Josias verboten (5 Mos. 16,21) und bei der Reform Josias aus dem Salomonischen Tempel entfernt (2 Kön. 23,6). In jüngern Stellen findet sich A. als Bezeichnung der Göttin Astarte (s. d.). Eine durch wollüstigen Kult verehrte kanaanit. Göttin A., von vielen Mythologen und Theologen angenommen, gab es nie. - A. ist auch der Name des 214. Planetoiden.

Aschermittwoch oder Aschertag (lat. Feria quarta cinerum), der Mittwoch nach dem Sonntag Estomihi, der erste Tag der in der kath. Kirche gehaltenen 40tägigen Fasten vor Ostern, benannt nach der in der röm.-kath. Kirche üblichen Sitte, daß an diesem Tage der Priester vor der Messe Asche weiht und dann damit den vor ihm knienden Gläubigen unter den Worten: Memento, homo, quia pulvis es in pulverem reverteris ("Gedenke, o Mensch, daß du Staub bist und zum Staube zurückkehren wirst") ein kleines Kreuz auf die Stirn macht. Die Asche wird von Öl- und Palmzweigen gewonnen, die im Jahre vorher am Palmsonntage geweiht wurden. Die anglikan. Kirche feiert den Tag ebenfalls.

Aschersleben. 1) Kreis (Landratsamt in Quedlinburg) im preuß. Reg.-Bez. Magdeburg, hat 454,45 qkm, (1890) 80 752 (39 816 männl., 40 936 weibl.) E., 3 Städte, 23 Landgemeinden und 16 Gutsbezirke. -