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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Asien (Klima, Pflanzen- und Tierwelt)

indiens, die Westseite Hinterindiens, beide im Streichungsbereich des Südwestmonsun gelegen, ^[1 Wort unleserlich] als 2000 mm Regen im Jahr, Tscherrapundschi in Assam nordöstlich der Gangesmündung sogar 12 526 mm, die höchste Zahl auf der Erde. Auch die südostasiat. Inseln, besonders Borneo, Sumatra, die Philippinen, dann Westjava, Westcelebes haben 2500-5000 mm im Jahr. Endlich gehören die Gegend von Hong-kong, Hai-nan, Formosa und Tokio zu den regenreichern in A. Im übrigen sind nur der Himalaja und Kaukasus, Südostchina, Siam und Nordkleinasien gut mit Regen versehen. Schon in Mittelindien ist die Regenmenge vielfach geringer als 600 mm, die am Indus liegende Wüste Thar, ganz Südpersien, Arabien, die Kirgisensteppe, Chiwa, Buchara, das ganze abflußlose Centralasien haben unter 200 mm im Jahre, ebenso Nordostasien. Im Norden A.s nimmt der kontinentale Charakter von W. nach O. zu, im S. dagegen in derselben Richtung ab. Der klimatische Charakter A.s ist daher nicht mit einem einzigen Ausspruch zu bezeichnen, sondern in getrennten Erdsegmenten zu betrachten, die sich auf die vier Abteilungen des nördlichen, des mittlern hohen, des südlichen samt südöstlichen und des westlichen A.s beschränken lassen.

1) Das hohe Central- und Ostasien. Wie in Afrika nehmen hier spärlich bewässerte Ebenen, Wüsten und Steppen mit hartem Gesträuch und Graswuchs ungeheure Räume ein, unter gleichem Einfluß einer kontinentalen Dürre und Trockenheit der Atmosphäre. Während aber dort wenig hohe Lage unter glühendem Himmelsstrich diese Verhältnisse begleitet, so ist es hier bedeutende Erhebung, höhere Breite, Umwallung von schneebedeckten, ein inneres Tiefland umrandenden Gebirgen, die neben das tropische Bild Afrikas das mannigfaltig gestaltete eines nördlichern Kontinentalgebietes mit sehr extremem Klima stellen. Anders als auf der breiten, ebenen Scheitelfläche gestalten sich die Verhältnisse an den Grenzen, in den wohlbewässerten Thälern der Randgebirgslandschaften Chinas, der Mandschurei, Baikaliens u. s. w. Hier bekunden hochstämmige Waldungen, dauernde Rasenflächen, auf den Schauplätzen der Kultur im Überfluß vorhandene Nahrungspflanzen, eine mannigfaltige und zahlreiche Tierwelt günstigere Naturverhältnisse, die sogar mittels hoher Sommertemperatur unterm 40. bis gegen 49.° nördl. Br. bei 800 m Höhe noch den Anbau von Wein und Baumwolle und die Pflege der Seidenraupe unterstützen. In den höher, aber südlicher gelegenen Hochthälern von Tibet saugen schwammige Moosarten die Feuchtigkeit des 5 bis 7 Monate liegenden Schnees ein, um den Mangel reicher Bewässerung und schattiger Waldungen zu ersetzen zur Zeit des in schnellem Gegensatz folgenden heißen Sommers, dessen Hitze noch bei 2600 m Wein, bei 2860 m Apfel, Nüsse und Aprikosen, bei 4000-4600 m noch Roggen und Gerste gedeihen läßt. Solche Verhältnisse sind einzig auf der Erde und nur an eine solche kontinentale Örtlichkeit gefesselt; sie üben auf das einheimische Leben der Tiere und Menschen mächtigen Einfluß. Eigentümliche Rinder- und Schweinerassen, Pferde und große Hunde, Schafe und Ziegen zeichnen Tibet aus, fast alle mit dem feinsten Haar, im Erklettern der steilen Höhen und die entsprechenden Tiere zum Lasttragen geschickt.

2) Nordasien, das sibir. Tiefland, die turan. Steppen und die Gebirgsreviere des Nordrandes von Mittelasien in sich fassend, bildet den größten Teil der winterkalten Gebiete der Erde, die alle in ihrer Natur einander ähnlich sind, von denen aber wiederum A. wegen seiner kontinentalen Eigenart durch gesteigerte Verhältnisse mehrfach von Amerikas Polarzone unterschieden ist. An den Grenzen eines weiten Eismeers öffnet Sibirien seine arktischen Gestade den Nordwinden, während schneebedeckte Gebirgswälle als Grenzen des höchsten Hochlandes der Erde es vor dem milden Einfluß des Südens verschließen. Die Winter sind lang, die Sommer kurz, der Boden ist weit nach Süden herab (an der Ostküste bis Amurland) beständig gefroren, an riesenmäßigen Strömen ist Überfluß, und in der Nähe des Pols gestattet die unabsehbare Ebene ungehinderte Ausbreitung des kontinentalen Gepräges. Trotzdem gestattet der kurze Sommer doch sogar weit über die Eisbodenlinie hinaus und in den großen Flußthälern über den 70.° nördl. Br. nordwärts bis gegen deren Mündung hin Waldwuchs, so daß Holz und Getreide noch einige Grad weiter nördlich vorkommen als in Amerika. Doch erreichen die aus Nadelholz und Birkenbeständen zusammengesetzten Wälder und die großen Grasflächen nicht die Kraft des gleichen amerik. Gürtels; auch ist die Armut an Arten bezeichnend, Eichen und Buchen fehlen ganz bis zum mandschurischen Gebiet, und neben dem Weizen in den geschützten Gebirgsthälern gedeiht nicht wie dort europ. Obst oder gar Wein. Ja sogar die nördl. Zone der Moose und Beeren ist nicht so reich ausgestattet und wechselt oft mit den eisigen Polarwüsten der Tundra. Die untere Grenze des ewigen Schnees trifft man auf den südl. Grenzgebirgen Sibiriens nahe 3000 m, in Kamtschatka zwischen 1600-1800 m Höhe an, sie liegt aber an der südlichen, dem innern wüsten Plateau zugewendeten Seite wesentlich höher bis gegen 6000 m im Karakorum. Die Graslandschaften sind besonders ausgedehnt zwischen Tobolsk und dem Altai, reich an hohen Stauden und Birkengehölzen. Hier folgt dem langen, strengen (Werchojanks Januarmittel -49° C, Jakutsk absolutes Minimum -62° C.), von den heftigen erstarrenden Schneestürmen (Burran) begleiteten Winter schnell ein drückend heißer Sommer (Jakutsk 18,8° C. Julimittel), dessen Sonne Blüte und Früchte schnell entwickelt und die Wärme in den schattenarmen Gegenden so unerträglich steigert, daß die meisten Arbeiten des Nachts und am Abend abgemacht werden. Doch wird der Boden nur auf der Oberfläche erweicht, der tiefe Untergrund bleibt ewig gefroren; ja man hat ihn in Jakutsk noch bei 200 m Tiefe in eisiger Erstarrung gefunden. Wie das Klima und die Vegetation Sibiriens mannigfach vom nordamerik. Klima abweichen, so auch die Tierwelt. Sie weist weniger Pflanzenfresser auf; nur das Renntier ist wild und gezähmt überall verbreitet. Dagegen wetteifert es mit Nordamerika in Zahl der Pelztiere und besitzt noch mehr Raubtiere, da neben dem heimischen Wolf, Bär und Fuchs auch in den heißen Sommern Tiger und Panther herübergelockt werden. Neben den allgemein verbreiteten Haustieren finden sich südlich bis zum 50. bis 60.° nördl. Br. das Renntier und in der Nachbarschaft der Wüsten das Kamel.

3) Westasien verrät in seinen meisten physischen Verhältnissen starke Beziehung zu Afrika, besonders aber in Klima und Pflanzenwelt. Am meisten mit Afrika verwandt erscheint Arabien und der benachbarte Teil Syriens. Hier ist Dürre und Vegetationsarmut über Hoch- und Tiefebenen verbreitet