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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Äsop; Asopus; Asow; Asowsches Meer

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Äsop - Asowsches Meer

Äsop (Aisopos) war den Griechen der Vertreter der Fabeldichtung (s. Fabel) überhaupt und gilt noch heute vielfach für den, der sie als eigene Gattung zuerst ausgebildet habe. Nach Herodot, Plutarch u. a. lebte Ä. etwa im 6. Jahrh. v. Chr. als Zeitgenosse der Sieben Weisen. Er sollte aus Phrygien stammen, in Samos Sklave gewesen, aber freigelassen sein und später das Vertrauen des Königs Krösus von Lydien genossen haben. Dieser habe ihn als Gesandten nach Griechenland geschickt, wo er jedoch von den Delphiern, die er beleidigt hatte, von einem Felsen herabgestürzt sei. Mit solchen und andern Erdichtungen, wie der, daß er ein buckliger Krüppel gewesen sei, ward Ä.s Leben immer mehr ausgeschmückt. Als solcher ist er in einer berühmten Marmorfigur der Villa Albani zu Rom dargestellt. Die ihm beigelegten Fabeln sind jedenfalls nicht von ihm selbst aufgezeichnet, sondern nur durch mündliche Überlieferung fortgepflanzt worden. Wann die älteste schriftliche Sammlung der Äsopischen Fabeln entstanden ist, weiß man nicht. Gewiß ist, daß Demetrius Phalereus eine Sammlung derselben veranstaltete, die jedoch verloren gegangen ist. Babrius (s. d.) brachte die Äsopischen Fabeln in Choliamben. Auf die Gegenwart sind verschiedene Sammlungen gekommen. Zuerst erschien im Druck die dem Maximus Planudes (s. d.) beigelegte, erhalten in zwei Recensionen, von denen die eine zuerst von Buonaccorso zu Mailand (um 1479), die andere von Rob. Stephanus (Par. 1547) herausgegeben wurde. Hierzu kam die Sammlung aus Heidelberger Handschriften (hg. von Nevelet, Frankf. 1610); dann von Hudson (Oxf. 1718) und Hauptmann (Lpz. 1741), zusammen mit der Planudischen. Eine neue Epoche für die Kritik dieser Sammlungen tritt mit der Veröffentlichung einer florentinischen und einer vatikanischen Handschrift durch Furia (2 Bde., Flor. 1809) ein, mit 199 Fabeln, von Schneider (Lpz. 1810) verbessert herausgegeben und von Korais in seine Ausgabe aller bis dahin bekannten Äsopischen Fabeln (Par. 1810) aufgenommen. Hierzu kam noch die Sammlung einer Augsburger Handschrift, 231 Fabeln, von der Schneider (Brest. 1812) eine Ausgabe veranstaltete. Eine kritische Ausgabe aller bis jetzt bekannten Äsopischen Fabeln hat Halm (Lpz. 1852) geliefert. Die auf Ä. bezügliche und zur Fabeldichtung gehörige byzant. Litteratur wird von Eberhard in den "Fabulae Romanenses Graece conscriptae", Bd. 1 (Lpz. 1872), neu herausgegeben. - Über die Äsopische Fabel bei den Römern s. Phädrus.

Während des Mittelalters sind die Fabeln des Ä. Gemeingut aller abendländ. Litteraturen geworden. In Deutschland wurden sie nach der Mitte des 15. Jahrh. von Heinrich Steinhöwel (s. d.) in deutscher Prosa bearbeitet und mit den lat. Texten seit 1476 sehr oft gedruckt. Eine freie deutsche Bearbeitung in Versen lieferte Burkard Waldis (s. d.). Luther hat ebenfalls mehrere (16) Äsopische Fabeln (1530) deutsch bearbeitet (Tüb. 1817). Überhaupt sind die Fabeln des Ä. vielfach übersetzt, in Prosa wie in Versen, zuletzt von Binder (Stuttg. 1866). - Vgl. Grauert, De Aesopo et fabulis Aesopicis (Bonn 1825); Keller, Untersuchungen über die Geschichte der griech. Fabel (in den "Jahrbüchern für Philologie und Pädagogik", Supplement, Bd. 4, Lpz. 1862); Hausrath, Untersuchungen zur Überlieferung der Äsopischen Fabeln (ebd., Supplement, Bd. 21, Lpz. 1894).

Asopus (Asopós), Name mehrerer Flüsse in Griechenland; der bedeutendste, an dem Tanagra lag, im östl. Böotien, entspringt auf dem Cithäron und mündet in das Meer von Euböa. A. ist zugleich Name des Flußgottes. Er soll zwei Söhne und viele Töchter gehabt haben, deren Namen sich größtenteils als mit griech. Gewässern, Inseln und Städten identisch erweisen. Unter diesen Töchtern ist am bekanntesten Aigina, die Zeus entführte. A. verfolgte Zeus daher und wollte den Olymp mit seinen Wogen erstürmen; doch Zeus erschlug ihn mit seinem Blitze, weshalb der Fluß Kohlen in seinem Bette führt.

Asow (türk. Asak, Azak), Flecken (posad) im Kreise Rostow des russ. Gebietes der Donischen Kosaken, links des Don, 13 km vor seiner Mündung ins Asowsche Meer, hat (1885) 16 581 E., Post, ein Progymnasium, Fischfang und Kleinhandel. Der früher wichtige Hafen ist versandet und nur für Boote zugänglich. An der Stelle von A. lag im Altertum die blühende griech. Handelskolonie Tanais; sie wurde 115 v. Chr. von Mithridates erobert, kam dann der Reihe nach in die Hände der Sarmaten, Chasaren, Petschenegen und Polowzen und erhielt unter den letztern bei den Russen den Namen A. In der ital. Handelswelt führt sie während des Mittelalters den Namen Tana oder Alatena, bildet einen wichtigen Stapelplatz des indisch-chines. Handels und war 1204-61 im Besitz der Venetianer, dann der Genuesen. 1471 ward A. von den Türken erobert und befestigt. Es bildete nun lange das Streitobjekt zwischen diesen und den Donischen Kosaken, in deren Besitz es 1637-43 war. Peter d. Gr. eroberte A. 1696, mußte es aber 1711 wieder an die Türken zurückgeben; 1736 aufs neue von Rußland erobert, blieb es nun thatsächlich bei diesem, obgleich es ihm erst 1774 durch die Verträge zuerkannt wurde. 1775 wurde es Hauptstadt des Gouvernements A., kam 1782 zum Gouvernement Jekaterinoslaw und 1888 zum Gebiet der Donischen Kosaken. Der Handel A.s ist mit dem Aufblühen Rostows gesunken.

Asowsches Meer, russ. Azovskoje more, nordöstlichstes Seitenbassin des Schwarzen Meers, mit dem es durch die Meerenge von Kertsch und Jenikale in Verbindung steht. Im Altertume hieß es bei den Griechen Maiōtis, bei den Römern Palus Maeotis, bei den Scythen Kargaluk, bei den Mäoten Temerinda (d. h. Mutter des Meers), dann bei den Arabern Nitschach oder Bahr al-Azof, bei den Türken Barjal-Assak oder Bachr-Assak (dunkelblaues Meer), bei den Genuesen und Venetianern Mare delle Zabacche (Mare Tane), bei den alten Russen Surožkoje more oder Sineje more (Blaues Meer). Seine größte Länge beträgt 362 km, die größte Breite 176 km. Es bedeckt einen Flächenraum von 37 605 qkm und verengt sich im nordöstl. Winkel zu dem Golf von Taganrog. Seine Küsten sind im allgemeinen flach und sandig, nur auf der Südküste finden sich Hügel vulkanischer Bildung, die stellenweise in steile Vorgebirge auslaufen. Die Westküste wird von der sandigen Landzunge von Arabat gebildet. Von Genitschesk im NW. bis zur Mündung des Don wird das Ufer durch steile Abstürze der Steppe gebildet, an deren Fuß ein flacher sandiger Rand mit weit vorspringenden Landzungen liegt. Zahl und Umfang der Inseln sind unbedeutend. Der Salzgehalt des Wassers ist sehr gering; im W. wird das Wasser vom Vieh, auf der Reede von Taganrog sogar