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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Astragalus - Astrognosie

Pflanze mit niederliegenden, weichhaarigen Stengeln, gelblichen Blüten und dreikantig-prismatischen Hülsen, wird bisweilen in Küchengärten kultiviert, weil seine erbsenförmigen Samen geröstet als Kaffeesurrogat benutzt werden können. Diese Pflanze erlangte Berühmtheit während der Napoleonischen Kontinentalsperre, wo man sie in Europa, auch in Deutschland viel kultivierte.

Astragalus (grch.), das Sprungbein, der an das Fersenbein sich anschließende Fußwurzelknochen des Menschen und der Säugetiere. Man bediente sich dieser Knochen von Tieren im Altertum zu einer Art Würfelspiel. - A. (Astragal), in dem Baustile der Antike und der Renaissance schmale, in halbrundem Profil vortretende horizontale Glieder stabähnlicher Form, durch welche übereinander liegende Bauglieder voneinander gesondert werden. Besonders häufig ist dieser Rundstab ("Perlenschnur") an der ion. Säule, wo er dann das Kopfende des Säulenschaftes vom Kapital oder das Fußende von der Basis trennt.

Astraia (Asträa), ein Name der Dike, der Göttin der Gerechtigkeit. Sie verließ nach Aratus im ehernen, nach Ovid im eisernen Zeitalter die Erde, auf der sie bis dahin gewohnt hatte. Seit dieser Zeit glänzt sie unter dem Namen der Jungfrau als Sternbild im Tierkreise.

Astraios (Asträus), in der griech. Sage der Sohn des Titanen Krios und der Eurybia, zeugte nach Hesiod mit Eos die Winde Zephyros, Boreas, Notos sowie den Hesperos und die übrigen Sterne.

Astrakanit, s. Astrachanit.

Astral oder astralisch, auf die Sterne bezüglich, von den Sternen herrührend; auch sternförmig. Astralische Welt, Sternenhimmel, Universum.

Astralgeister, im Sterndienst der altorient. Religionen die Geister der beseelt gedachten Himmelskörper, gingen in die religiös-kosmischen Anschauungen der Griechen, der Juden und der christl. Welt über. Die Dämonologie des christl. Mittelalters sah in den A. bald gefallene Engel, bald Seelen von Abgeschiedenen, bald aus Feuer entstandene Geister, die zwischen Himmel, Erde und Hölle schweben und keinem dieser Reiche angehören. Als im 15. Jahrh. der Geister- und Hexenglaube seine Höhe erreichte, erhielten die A. in den Systemen der sog. Dämonologen, wie Paracelsus, unter den bösen Geistern die erste Stelle.

Astralisch, s. Astral.

Astralit nannte Pettenkofer eine von ihm dargestellte, dem Hämatinon (s. d.) nahe stehende, zu Schmuckgegenständen zu verarbeitende Glasart, die durch Zusammenschmelzen von 80 Teilen Sand, 120 Teilen Bleiglätte, 72 Teilen Soda, 24 Teilen Kupferhammerschlag, 18 Teilen wasserfreiem Borax und 1 Teil Eisenhammerschlag erhalten wird. Nach dem Schleifen erscheint das Glas fast schwarz, mit bläulich schimmernden Krystallen durchsetzt, bei darauffallendem Sonnenlicht deutlich rot. Der bläulich dichroitische Schimmer auf tiefdunklem Grunde erinnert an den Glanz von Sternen auf nächtlichem Himmels daher der Name A.

Astrallampen, soviel wie Argandsche Lampen (s. d.).

Astralleib, in der Lehre des neuern Occultismus (s. d.) der zweite, ätherische Leib des Menschen.

Astrallicht, Astralschein, der Lichtschimmer, den man zwischen den Sternen der Milchstraße und, wenn auch weit schwächer, über den ganzen übrigen Himmel in sternhellen Nächten wahrnimmt. In der Nähe des Südpols findet man übrigens zwei Stellen, an denen das A. ganz zu mangeln scheint. Sie heißen die Kohlensäcke. Seinen Grund hat das A. wahrscheinlich in dem Schimmer unzähliger Fixsterne, die aber zu weit entfernt sind, als daß man sie einzeln wahrnehmen könnte.

Astralöl, ein mit besonderer Sorgfalt gereinigtes, aus Nordamerika in den Handel kommendes Petroleum. Es hat einen nur schwachen Geruch, ist farblos und wasserhell und sein Entflammungspunkt liegt erst bei 68° C. Bei 15° C. beträgt das spec. Gewicht 0,781.

Astralschein, s. Astrallicht.

Astrantia L., Pflanzengattung aus der Familie der Umbelliferen (s. d.) mit nur wenigen Arten in Europa und Westasien; krautartige Gewächse mit handförmig geteilten Blättern und vielblütigen Döldchen, die von einem Kranz lebhaft gefärbter Hüllblättchen umgeben werden, so daß jedes Döldchen wie eine große Einzelblüte aussieht. Die in den Gebirgsgegenden Deutschlands vorkommende A. major L., große Sterndolde, schwarze Meisterwurz (wegen des schwarzen Wurzelstocks), wird häufig als Zierpflanze in Gärten gezogen. Ihr walziger, ringsherum mit dünnen schwarzen Fasern besetzter Wurzelstock war sonst unter dem Namen Radix Imperatoriae nigrae offizinell.

Astrapaea Lindl., Pflanzengattung aus der Familie der Sterculiaceen (s. d.) mit nur wenigen Arten in Ostindien, auf Madagaskar und der Insel Réunion. Es sind Bäume mit einfachen Blättern und schönen, prachtvoll gefärbten Blumen; diese stehen in Dolden, die von einer Blatthülle umgeben sind, und besitzen eine fünfblätterige Blumenkrone. Die bekannteste Art ist A. Wallichii Lindl. aus Ostindien, mit breiten, herzförmigen, gezähnten Blättern, großen Nebenblättern und glänzend scharlachroten Blumen, eine der größten Zierden der Warmhäuser, welche sich durch Ableger leicht vermehren läßt.

Asträus, s. Astraios.

Ästrich, s. Estrich.

Astrilde (Habropyga Cab., s. Pytelia Swains. u. s. w.), klein- und schwachschnäbelige Prachtfinken (s. d.); sie gelangen in vielen Arten in den Handel und sind um ihrer Zierlichkeit, Anmut, bunten Farben, Harmlosigkeit, Ausdauer und Züchtbarkeit willen allbeliebt. Alljährlich werden große Mengen derselben aus Afrika und Australien eingeführt und für 3-6 M., seltenere und schönere Arten aus Australien für 12-80 M. das Pärchen verkauft. - Vgl. Ruß, Die Prachtfinken (Magdeb. 1879).

Astrognosie (grch., «Sternkenntnis»), Bezeichnung für die Kenntnis des Sternhimmels, wie er dem bloßen Auge erscheint, also das Vertrautsein mit den Sternbildern sowie mit den Namen und der Bezeichnung der Sterne. Da man bei klarem Himmel aus der Lage der Sternbilder gegen den Horizont jederzeit wenigstens annähernd Zeit und Richtung bestimmen kann, reicht die Beschäftigung mit der A. bis in die ältesten Zeiten zurück, und die A. muß als der älteste und einfachste Anfang der Astronomie bezeichnet werden. - Hilfsmittel zum Studium der A. sind Himmelsgloben (s. Globus) und Sternkarten (s. d.). Bei deren Anwendung ist indes zu beachten, daß die Sternkarten die Sternbilder so darstellen, wie wir sie von der Erde aus sehen, daß man aber beim Gebrauche des Globus sich in dessen Mittelpunkt versetzt denken muß, um das auf seiner Oberfläche Dargestellte mit dem Himmel selbst vergleichen zu können.