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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Astrograph; Astrolabe-Bai; Astrolabium; Astrolatrie; Astrologie

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Astrograph - Astrologie

Am besten geht man beim Studium der A. vom Sternbild des Himmelswagens oder Großen Bären aus. Man legt dann die zu benutzende Sternkarte so, daß auf ihr der Himmelswagen dieselbe Lage wie am Himmel hat, und sucht nun von diesem aus durch Alignements die benachbarten Sterne und Sternbilder auf, d. h. man denkt sich einzelne Sterne miteinander durch Linien verbunden und sieht zu, welche andern Sterne etwa in der Verlängerung dieser Linien liegen. Verbindet man beispielsweise die beiden letzten Sterne des Himmelswagens durch eine gerade Linie, so liegt auf deren Verlängerung der Polarstern.

Vgl. Bode, Anleitung zur Kenntnis des gestirnten Himmels (11. Aufl. von Bremiker, Verl. 1858); Möllinger, Lehrbuch der A. (3. Aufl., Zür. 1878).

Astrograph (grch.), ein Fernrohr, das mit einer von Steinheil erfundenen Spiegelvorrichtung zum mechan. Zeichnen von Sternkarten versehen ist. Eine Beschreibung des A. giebt Steinheil im 11. Bande der «Astronomischen Nachrichten» (Altona 1833). Der A., von dem wohl kaum jemals wirklicher Gebrauch gemacht worden ist, ist in neuerer Zeit durch die Anwendung der Photographie in der Astronomie völlig überflüssig gemacht worden.

Astrolabe-Bai, neben dem Huon-Golf die bedeutendste Einbuchtung von Kaiser-Wilhelms-Land (s. d.), ein fast rechteckiger Einschnitt in der Nähe des 146.° östl. L. und 5.° südl. Br. An der südl. Küste am Abhange des Gebirges die Station Konstantinhafen (s. d.), an der westl. Küste in der flachen Astrolabe-Ebene die Station Stephansort (s. d.).

Astrolabium, astronomischer Ring, eigentlich eine vereinfachte Form der Armillarsphäre (s. d.), diente, wie letztere, früher zu astron. Bestimmungen und wurde zuerst von Hipparch angewendet, der Länge und Breite damit bestimmte.

Innerhalb eines mit einer Kreisteilung versehenen Ringes (s. nachstehende Abbildung) dreht sich mit diesem konzentrisch ein zweiter Ring.

^[Abb.]

Beide Ringe besitzen Absehen oder Diopter, aa und bb. Die Marken cc auf dem innern Ringe geben seine jeweilige Stellung innerhalb der Teilung des äußern Ringes an. Das A. diente zum Messen von Winkeln. Sollten Höhenwinkel damit gemessen werden, so wurde es bei dem Ringe d aufgehängt; der Zenithpunkt der Teilung wurde dann mit Hilfe des Lotes ermittelt. Zur Messung von Horizontalwinkeln zwischen zwei Objekten war es nur nötig, die Scheibe horizontal aufzustellen. In etwas feinerer Form, durch Benutzung von Nomen an Stelle einfacher Marken und wohl auch von Fernrohren an stelle der Diopter, hat sich das A. unter dein Namen Meßscheibe lange bei den Feldmessern erhalten, ist jetzt aber durch Theodolit und Universalinstrument völlig verdrängt. Auch in der Marine, wo das A. zur Ortsbestimmung verwendet wurde, ist es längst dem viel genauern Sextanten gewichen.

Astrolatrie (grch., «Sterndienst»), Verehrung, Anbetung der Sterne, eigentlich der in diesen hausenden Götter oder Geister (s. Astralgeister). Dasselbe versteht man unter Sabäismus (s. Sabäer).

Astrologie (grch., «Sternkunde»), Sterndeutung, jetzt Bezeichnung für die vermeintliche Kunst, aus der Stellung der Sterne zukünftige Ereignisse und besonders Schicksale der Menschen vorauszusagen. Früher war A. der allgemeine Name für die Wissenschaft der Sternkunde, und ihr verdankt die heutige Astronomie die Überlieferung von Aufzeichnungen vor Jahrtausenden gemachter Beobachtungen, und auch für die Geschichtsforschung sind die auf Denkmälern verewigten Konstellationen, welche bei gewissen histor. Ereignissen stattgefunden haben, zu einer wertvollen Quelle für wichtige Zeitbestimmungen geworden. Die sichtbaren augenscheinlichen Einflüsse, welche Sonne und Mond auf die Natur üben, sowie der regelmäßig wiederkehrende Wechsel der Jahreszeit mit dem Kreislaufe des Tierkreises führten leicht zu dem Glauben, daß auch den übrigen Gestirnen, namentlich den Planeten, eine Einwirkung beizumessen sei, zunächst auf die Natur, auf Witterung und Wachstum, sodann aber auch auf alles Geschaffene, alle Begebenheiten und Schicksale. So entstand die A., die Kunst, aus den verschiedenen Stellungen der Gestirne zueinander, der Konstellation (s. d.), vermeintlich sichere Schlüsse zu ziehen. Solche Konstellation, mit Bezug auf ein bestimmtes Ereignis durch Beobachtung oder Berechnung festgestellt, wurde Horoskop genannt, Nativität, wenn sie sich auf die Geburt zum Zwecke der Vorhersagung der Geschicke des Neugeborenen bezog. Die Alten kannten naturgemäß nur diejenigen Planeten, die dem unbewaffneten Auge sichtbar sind. Die Astrologen führten ihre Prognose oder Weissagung in der Art aus, daß zur Deutung der Zukunft einem jeden der sieben Planeten (einschließlich Sonne und Mond) besondere Eigenschaften beigelegt wurden, die er verleiht, bestimmte Gebiete der Natur und aller Dinge, die er regiert, und daß aus dem Zusammenwirken der verschiedenen Planeten je nach ihrem Standpunkte in den zwölf Tierzeichen, die unter ihre Herrschaft verteilt waren, und ihrer gegenseitigen Stellung, d. i. den sog. Anschauungen oder Aspekten (s. d.), nach bestimmten Regeln Schlüsse auf die Gestaltung der Geschicke gezogen wurden.

Die Anfänge der A. sind in dem Lande zwischen Euphrat und Tigris und in Ägypten zu suchen. Aus den in neuerer Zeit in Mesopotamien gefundenen Keilinschriften geht hervor, daß die ältesten Bewohner jener Gegenden, die Sumerier (Akkadier), den Sterndienst übten und sich astron. und astrol. Ausdrücke in ihrer Sprache bedienten, und daß von ihnen die Sterndeutung auf die spätern semit. Bewohner dieser Länder überging. Eben daher rührt das älteste bekannte große astrol. Werk Sargons I. von Agade, von Layard entdeckt in der Bibliothek des Königs Assurbanipal und von Rawlinson veröffentlicht. Die Priesterkaste Ägyptens besaß eine ausgebildete A. Von Ägypten fand die A. über Griechenland und Rom ihren Weg nach dem Abendlande. Bei den Griechen und Römern bezeichnete man anfangs lange die Astronomie mit dem Namen A. Griech. Schriftsteller schreiben die Einführung der A. ebenfalls den Chaldäern zu, und Herodot berichtet, daß der Magier Osthanes, der den Perserkönig Xerxes auf seinem Zuge nach Griechenland