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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Athena

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Athena

reich, England und die Vereinigten Staaten unterhalten in A. archäol. Institute, in denen jungen Gelehrten Gelegenheit zu wissenschaftlichen Arbeiten gegeben wird. Die Historisch-ethnologische und die Christliche Gesellschaft besitzen jede ein eigenes Museum. - Von der männlichen Bevölkerung A.s waren (1879) 34 Proz., von der weiblichen 58 Proz. Analphabeten.

Industrie, Handel und Gewerbe. A. ist eine durchaus konsumierende Stadt; Industrie ist kaum vorhanden, der Handel ist unbedeutend und beschränkt sich auf europ. Luxuswaren, Maschinen u. dgl.; in dieser Hinsicht tritt der benachbarte Peiraieus für A. ein. Daher fehlt in A. die für große Städte charakteristische Arbeiterbevölkerung. Dagegen ist A. der erste Geldmarkt Griechenlands, Sitz der griech. Nationalbank und mehrerer anderer Bankinstitute und hat eine Börse.

Verkehrswesen. A. liegt an den Eisenbahnlinien A.-Peiraieus (8 km), A.-Laurion (66 km), A.-Kephissia (21 km) der Attischen Lokalbahnen sowie an der Linie Peiraieus-Patras-Achaia-Pyrgos-Olympia der Peloponnes. Bahnen und an der im Bau befindlichen Linie Peiraiens-A.-Larissa-Türkische Grenze, und hat eine Dampfstraßenbahn nach Phaleron, außerdem ein ausgedehntes Netz von Straßenbahnlinien. (Hierzu Stadtplan [Situationsplan]: Athen nach I. A. Kauperts Plan von Athen, aus «Karten von Attika», Heft I, neue berichtigte Auflage 1891, erschienen im Verlage von Dietrich Reimer [Hoefer & Bohsen] in Berlin, mit Bewilligung des Autors und der Verlagshandlung.)

Litteratur. Stuart und Revett, Antiquities of Athens, I-IV (Lond. 1762-1816; deutsche Ausg. von Wagner und Osann, Darmst. 1829-31); Leake, Topographie von A. (2. Aufl., übersetzt von Baiter und Sauppe, Zur. 1844); Forchhammer, Topographie von A. (Kiel 1841); Rochette, Sur la topographie d’Athènes (Par. 1852); Bursian, Geographie von Griechenland, Bd. 1 (Lpz. 1862); Bréton, Athènes décrite et dessinée (2. Anfl., Par. 1868); Dyer, Ancient Athens, its history, topography and remains (Lond. 1873); Wachsmuth, Die Stadt A. im Altertum, Bd. 1 u. 2, Abteil. 1 (Lpz. 1874-90); Burnouf, La ville et l’acropole d’Athènes, aux diverses époques (Par.1877) Milchhöfer, Athen (in den «Denkmälern des klassischen Altertums», hg. von Baumeister, Münch. 1884); Hertzberg, A., historisch-topographisch dargestellt (Halle 1885); Lolling, Topographie von A. (in Bd. 3 von Iwan Müllers «Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft», Nördl. 1889); Baedeker, Griechenland, Handbuch für Reisende (3. Aufl., Lpz. 1893); A. Bötticher, Die Akropolis von A. (Berl. 1888); E. Curtius, Die Stadtgeschichte von A. (ebd. 1891); Atlas von A. Im Auftrage des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts hg. von E. Curtius und I. A. Kaupert (ebd. 1878, D. Reimer, 12 Bl. Mit Text). - Zur mittelalterlichen und neuern Geschichte: Hopf, De historiae ducatus Atheniensis fontibus (Bonn 1852); F. de Sassenay, Les Brienne de Lecce et d’Athènes (Par. l869); De Lahorde, Athènes aux XV^{e}, XVI^{e} et XVII^{e} siècles (2 Bde., ebd. 1854); Gregorovius, Geschichte der Stadt A. im Mittelalter (2. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1889); Ellissen, Zur Geschichte A.s nach dem Verluste seiner Selbständigkeit (Gött. 1848); Spyr. Lambros, ^[img] (Athen 1878); D.Surmelis, ^[img] (ebd. 1853); O. Konstantinidis, ^[img] (2. Ausg., ebd.1894); D.Kamburoglu, ^[img] (2 Bde., ebd. 1889-90, nebst 3 Bdn. Dokumenten, 1889-92).

Athena (in epischer Poesie Athene, Athenaie, Pallas Athene, im attischen Dialekt auch Athenaia oder Athenaa, von den Römern der altital. Minerva [s. d.] gleichgesetzt), griech. Göttin, die wie die germanische mit ihr ursprünglich wesensgleiche Walkyre ihrer Naturbedeutung nach für eine Göttin der Wetterwolke und des daraus hervorspringenden Blitzes zu halten ist. Ganz offenkundig tritt diese ihre Grundbedeutung noch in dem Mythus von ihrer Geburt hervor. Danach verschlang Zeus seine erste Gemahlin Metis, als sie noch mit der A. schwanger war, und gebar dann diese selbst aus seinem Haupte, welches ihm Prometheus oder Hephaistos mittels eines Beiles spaltete, wie es die Darstellung im Ostgiebel des Parthenon in Athen schilderte. A. aber sprang in leuchtender Waffenrüstung mit hochgeschwungenem Speere und schon mit der Ägis (s. d.) angethan aus dem Haupte ihres Vaters, indem sie lauten Schlachtruf erschallen ließ. Als Ort der Geburt wird gewöhnlich der Tritonfluß, den man sich im äußersten Westen dachte und später in Libyen und anderwärts lokalisierte, angegeben. Davon hieß die Göttin Tritogeneia. In dieser Geburtssage erscheint die gewitterschwangere Wolke in verschiedenen Bildern: bald als das Haupt des schwangern Gewittergottes Zeus, bald als Ägis; der Blitz, der die Wolke spaltet, als spaltendes Beil oder als blitzende Lanze; der Donner endlich als furchtbarer Schlachtruf. Der Tritonfluß aber im äußersten Westen, der wohl ursprünglich mit dem Okeanos identisch ist, weist auf das westl. Meer hin, dem in der Regel die Gewitterwolken entsteigen. Eine deutliche Beziehung zum Gewitter verrät auch die Sage vom Kampfe der A. gegen die Giganten (s. d.). Noch deutlicher tritt die Gewitterbedeutung der A. in der Sage von ihrem Kampfe mit der Gorgo (s. d.) hervor, die am besten als Gewitterwolke zu verstehen ist. Als Erlegerin dieses Ungeheuers galt A. vorzugsweise in Attika und wohl auch in Tegea, während nach argivischer Sage Perseus (s. d.) unter ihrem Beistande die Medusa tötete. Als Blitzgöttin erscheint A. endlich auf macedon. Münzen, die sie in der Linken den Schild hebend, in der Rechten den Blitz schwingend darstellen, sowie in der Sage von Bellerophon, den sie die Bändigung und Zügelung des Pegasos, d. h. des geflügelten Donnerrosses lehrt. Auch ihre beiden Hauptattribute, die Eule und die Schlange, scheinen sich auf A.s Bedeutung als Gewittergöttin zu beziehen. Die Eule (glaux) war ihr wohl wegen ihrer Augen (daher A. Glaukopis) geheiligt, die Schlange aber ist Symbol des Blitzes.

Da in den Mythen der meisten indogerman. Völker das Gewitter als ein Kampf der Götter gegen furchtbare Dämonen erscheint, so sind alle Gewittergottheiten zu Kriegsgöttern geworden. So auch A., die bereits in der Ilias die Rolle der vornehmsten Gottheit des Krieges spielt und einen höchst charakteristischen Gegensatz einerseits zur weibischen Aphrodite, andererseits zu dem wütenden Ares bildet. Als kriegerische Göttin steht A. im Trojanischen Kriege auf der Seite der Griechen gegen die Trojaner; doch rächt sie nach der Eroberung Trojas an dem griech. Heere schwer den Frevel des Aias