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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Attackierstoß; Attalea; Attalia; Attallo; Attalus I; Attaque; Attar; Attelage

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Attackierstoß - Attelage

türlich die Linien gelockert, und es erfolgt daher mehr ein Ineinanderreiten, zum Teil sogar Durchreiten beider Parteien. Sind die Linien ineinander geritten, so kommt es zum Handgemenge. Ist die A. gelungen, d. h. wendet sich der Gegner ans dem Handgemenge zur Flucht, so muß der erreichte Erfolg durch eine thatkräftige Verfolgung bis aufs äußerste ausgebeutet werden, um den Feind nicht wieder zum Sammeln kommen zu lassen. Die Verfolgung darf aber nicht planlos stattfinden, denn eine solche gefährdet den errungenen Erfolg und führt oft zu Niederlagen; da Kavallerie niemals schwächer ist als nach gelungener A. und bei der Verfolgung, so ist es in einem solchen Augenblick durchaus notwendig, geschlossene Abteilungen in der Hand zu haben, um feindlichen Gegenstößen entgegentreten zu können; hierin liegt die große Bedeutung einerseits des schnellen Sammelns nach gelungener A., andererseits zurückgehaltener Reserven. Um aber andererseits durch Zurückhalten von Reserven die attackierende Truppe nicht zu sehr zu schwächen, gilt es als Grundsatz, daß eine einzelne Eskadron in der Regel ihre ganze Kraft gleichzeitig einsetzt; ein selbständig attackierendes Regiment kann eine Eskadron als Reserve folgen lassen; eine Gliederung in Treffen findet erst von der Brigade an aufwärts statt. - Die geschlossene A. kann auch in der Form der Echelon-Attacke erfolgen, wobei mehrere Linien hintereinander oder seitwärts übergreifend mit kleinen Abständen (höchstens bis zu 200 Schritt) sich folgen, um entweder (gegen Kavallerie) schnell hintereinander frische Truppen in das Handgemenge zu werfen oder (gegen Infanterie) den durch den Stoß der ersten Staffel erschütterten Widerstand durch die schnell aufeinander folgenden Stöße der folgenden Staffeln ganz zu brechen. Die Echelon-Attacke kann auch als Notbehelf auftreten, wenn es nicht gelingt, die verfügbaren Streitkräfte rechtzeitig aufmarschieren zu lassen. - Die Schwarmattacke wird in der Art ausgeführt, daß die einzelnen Reiter ohne taktische Ordnung sich auf den Feind stürzen, so schnell jedes einzelne Pferd laufen kann. Die A. einzelner Züge oder Eskadrons in Schwarmformation aus dem Verbande einer größern Abteilung heraus wird als Ausfallen bezeichnet.

Attackierstoß, in der Fechtkunst ein Stoß (s. d.), der in eine vom Gegner gegebene Blöße möglichst schnell geführt wird.

Attalea. H. B. K., Pflanzengattung aus der Familie der Palmen, Gruppe der Kokospalmen, durchaus tropisch-amerikanisch, ausgezeichnet durch mächtige Fiederblätter auf kurzem oder hoch baumartigem Stamm. Die wichtigste Art ist die hauptsächlich in Brasilien wachsende A. funifera Mart. Die zähen Fasern aus den Blattscheiben kommen unter dem Namen Piassave, Piassaba oder Monkey grass in den Handel und werden vorzugsweise zur Verfertigung von Besen für Straßenreinigung, auch zur Herstellung fester Bürsten verwendet. Die Piassavefasern sind aber in ihren feinern Qualitäten das Produkt einer ganz andern Palmengattung, der im Amazonenstromgebiet verbreiteten Leopoldina Piassaba Wall. - Von der A. dienen die sehr dickschaligen Nüsse von Schwaneneigröße zum Räuchern bei der Kautschukfabrikation nach Indianersitte, in Europa (als Coquillas, s. d.) zu Drechslerarbeiten.

Attalia, alter Name von Adalia (s. d.).

Attallo, Farbstoff, s. Orlean.

Attalus I., Herrscher von Pergamon, geb. 269 v. Chr., folgte 241 v. Chr. seinem Vetter Eumenes I. in der Regierung und nahm nach einem Siege über die Galater (zu dessen Erinnerung er den Bau des Pergamenischen Altars begann, s. Pergamon) den königl. Titel an. Er erkämpfte (228 und 227 v. Chr.) mehrere Siege über den jüngern Sohn von Antiochus II. von Syrien, Antiochus Hierax, der im Kriege gegen seinen Bruder Seleucus sich in einem Teile Kleinasiens behauptet hatte. A. dehnte dadurch seine Herrschaft weit über die Grenzen seines kleinen Gebietes aus, wurde aber seit 222 durch Antiochus III. schwer bedrängt und suchte endlich 211 das Bündnis mit den Römern. Mit wechselndem Glücke kämpfte er damals und seit 200 v. Chr. wieder auf Seiten der Römer gegen Philipp V. von Macedonien, während Antiochus 198 v. Chr. durch den röm. Senat veranlaßt wurde, die Feindseligkeiten gegen A. einzustellen. A. starb noch vor der Schlacht bei Kynoskephalä in Theben, 72 J. alt.

A. II. Philadelphus, Sohn des vorigen, geb. 210 v. Chr., unterstützte zuerst seinen ältern Bruder Eumenes II., den Nachfolger seines Vaters, und übernahm nach dessen Tode (159 v. Chr.) die Herrschaft. Er war im Bunde mit Rom in alle Kriege verwickelt, die damals gegen Bithynien, Macedonien und Achaia geführt wurden. Er starb 138 v. Chr.

Ihm folgte fein Neffe, A. III. Philometor, Eumenes' II. Sohn. Kaum zur Regierung gelangt, wütete er grausam gegen Freunde und Verwandte, fiel aber darauf in Schwermut, zog sich von aller Gesellschaft zurück und beschäftigte sich ausschließlich mit Gärtnerei und Erzguß. Er starb 133 v. Chr., nachdem er in seinem Testamente die Römer zu Erben eingesetzt hatte. Während er selbst ohne Zweifel nur seine Privatbesitzungen dabei im Auge hatte, verstanden die Römer sein ganzes Reich darunter und machten 129 v. Chr. den größten Teil desselben zur Provinz.

Attaque, s. Attacke.

Attar, s. Rosenöl.

Attar, eigentlich Mohammed Ibn-Ibrahim Ferid eddin A., berühmter pers. Dichter, geb. 1119 (513 der Hidschra) in Kerken bei Nischapur als der Sohn eines reichen Spezereihändlers (Attär), übernahm nach dessen Tode das Geschäft, gab es aber, durch einen Derwisch zum Sufismus (Mystik) bekehrt, auf und wurde Derwisch. Er soll 29 Jahre in Nischapur, die übrige Zeit seines Lebens in Schadiach gelebt haben und wurde 1229 (627 der Hidschra) von einem mongol. Soldaten ermordet. Sein wichtigstes Werk in Prosa ist «Tezkiret al oulia» (türk. «Ewlia», «Biographien der Heiligen»; von seinen Gedichten, die oft, unter andern von Sejid Ass-eddin aus Amol, kommentiert wurden, sind die berühmtesten das Lehrgedicht über Gegenstände der Moral «Pend Nâme» («Buch des Rats», hg. von Hindley: Pendeh-i-Attar, Lond. 1809, und S. de Sacy: Ferid-Eddin, Pend- Nâme, Par. 1819) und das «Mantik at-tair» («Vogelgespräche», verfaßt 1184-87, hg. und übersetzt von Garcin de Tassy: Farid-Uddin Attar, Mantic uttair, ebd. 1863); sodann das «Dschewahir- Nâme » («Buch der Wesenheiten"). - Vgl. S. de Sacys Einleitung zum Pend- Nâme; Tholuck, Blütensammlung aus der Morgenland. Mystik (Berl. 1825); Ouseley, Biographical notices of Persian Poets (Lond. 1846).

Attelage (frz., spr. -lahsch), s. Bespannung.