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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Attemperieren - Atterbury

Attemperieren (lat.), mäßigen, lindern, langsam erwärmen. Attemperator (Wärmer), Vorrichtung zur Erwärmung der Maische durch Dampf.

Attemporieren (lat.), sich nach den Umständen richten, in die Zeit schicken.

Attemstetter, David und Andreas, zwei Goldschmiede und Emailleure zu Augsburg, die Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrh, thätig waren. Der hervorragendere scheint David gewesen zu sein, der um 1600 für den kunstliebenden Kaiser Rudolf II. in Prag beschäftigt war. Man nimmt an, daß die sog. Hauskrone der Habsburg. Dynastie (in der kaiserl. Schatzkammer in Wien), ein unvergleichlich schönes Wert deutscher Goldschmiedekunst, 1602 auf kaiserl. Befehl hergestellt, Davids Wert sei. Auch das Scepter und mehrere Prachtuhren der selben Sammlung haben Anspruch auf die Urheberschaft des Künstlers, der auch die Reliefs an dem von Adrian de Fries gegossenen Herculesbrunnen in Augsburg gefertigt haben soll. Sein Email ist ausgezeichnet durch Farbenpracht und Feinheit, in dem er tiefdunkelblauen durchsichtigen Fond (email translucide) oder milchweißen, opaken Grund mit reizenden Bildchen von Käfern, Libellen, Blumen und Früchten in gleichfalls durchscheinenden Farben zu schmücken liebt. Das bedeutendste Werk von ihm in dieser Art sind die großen emaillierten Silberplatten, welche die Füllungen in einem von Christoph Angermeyer aus Weilheim angefertigten großen Kabinettkasten aus Elfenbein im bayr. Nationalmuseum in München bilden.

Vgl. Die hervorragenden Kunstwerke der Schatzkammer des österr. Kaiserhauses, hg. von Leitner (Wien 1873).

Attendorn, Stadt im Kreis Olpe des preuß. Reg.-Bez. Arnsberg, in 255 m Höhe, an der Bigge und der Linie Finnentrop-Rotemühle der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 2707 E., darunter 186 Evangelische, Amtsgericht (Landgericht Arnsberg), Post, Telegraph, Bergmeisterei, evang. und kath. Kirche, paritätisches Gymnasium (Direktor Dr. Brußkern,13 Lehrer, 8 Klassen,22 Schüler), Krankenhaus; Gerbereien, Messingwarenfabriken, Buddelwerke. A. kam 1180 an Kurköln, trat dann der Hansa bei, verlor aber nach der Reformation an Bedeutung.

Attent (lat.), aufmerksam, achtsam.

Attentat (lat.), eine strafbare Unternehmung, besonders gegen die Persönlichkeit. Die ältern kriminalistischen Schriftsteller pflegten mit A. die erste Stufe des verbrecherischen Versuchs zu bezeichnen, den sog. Conatus remotus. Auch im franz. wie im engl. Rechte kommt dieses Wort vor, jedoch in der Bedeutung von commencement d′exécution, wo es also die schon weiter vorgeschrittene verbrecherische Handlung anzeigt. In neuern Zeiten hat man den Ausdruck A. ganz besonders auf Versuche der Ermordung einer polit. Persönlichkeit, insbesondere eines Regenten angewendet, wozu namentlich die zahlreichen Mordversuche auf Ludwig Philipp Veranlassung gaben. Nach dem Deutschen Strafgesetzbuch §. 80 wird der Versuch des Mordes wie der Mord, welcher an dem Kaiser, an dem eigenen Landesherrn oder während des Aufenthalts in einem Bundesstaat an dem Landesherrn dieses Staates verübt worden ist, als Hochverrat mit dem Tode bestraft, über andere Fälle s. Mord. - Im frühern Civilprozeß bezeichnete man mit A. jede Veränderung des thatsächlichen Zustands, wie er bei Einleitung des Prozesses bestand, durch Parteiverfügungen, z. B. Veräußerungen, Verschlechterung des Streitobjekts. Ebenso die Neuerung, deren sich eine Partei oder der Unterrichter schuldig macht, nachdem Berufung eingelegt und dadurch die Sache an den Oberrichter gediehen ist.

Attention (frz., spr. attangßiong), Aufmerksamkeit, Achtsamkeit.

Attenuation (lat.), Schwächung, Verdünnung; in den Gärungsgewerben die während der Gärung eintretende Verringerung des specifischen Gewichts der gärenden Flüssigkeiten. Ihre Kenntnis ist von Wichtigkeit, da man daraus die Menge des während der Gärung gebildeten Alkohols und den Vergärungsgrad ableiten kann. Man unterscheidet scheinbare und wirkliche A. Die scheinbare A. erhält man, wenn das specifische Gewicht der Würze vor und nach der Gärung nach Entfernung der Kohlensäure durch Schütteln ermittelt wird; die wirkliche A. erhält man, nachdem der Alkohol, der das specifische Gewicht vermindert, durch Kochen entfernt und das ursprüngliche Volumen durch Auffüllen mit Wasser wiederhergestellt ist.

Attenuieren (lat.), vermindern, verdünnen.

Atterbom, Per Daniel Amadeus, schwed. Dichter und Philosoph, geb. 19. Jan. 1790 im Kirchsprengel Asbo in Ostgotland, Sohn eines Landgeistlichen, kam 1805 auf die Universität Upsala. Früh ward er mit der deutschen Litteratur bekannt, die wichtigen Einfluß auf seine litterar. Laufbahn übte. Mit Freunden stiftete er 1807 eine poetisch-kritiscbe Gesellschaft, Musis Amici, die 1808 den Namen Aurora-Förbundet (Bund der Aurora) an nahm und die schwed. Litteratur aus akademischer Steifheit und franz. Ziererei zu befreien suchte. Aus mannigfachen Arbeiten der Mitglieder des Bundes entstand 1810 in Upsala die Zeitschrift «Phosphorus» (bis 1813). 1812-22 gab A. den «Poetisk kalender» heraus; 1817 -19 unternahm er eine Reise durch Deutschland nach Italien (vgl. seine Aufzeichnungen über berühmte deutsche Männer und Frauen nebst Reiseerinnerungen aus Deutschland und Italien aus den J. 1817-19; deutsch von Maurer, Berl.1867) und wurde dann Lehrer des Kronprinzen Oskar in der deutschen Sprache und Litteratur, 1821 Docent der Geschichte in Upsala, 1624 Adjunkt der Philosophie daselbst, 1828 Professor der Logik und Metaphysik, 1835 der Ästhetik. Durch seine Aufnahme in die Akademie (1839) war der Streit zwischen ihr und den «Phosphoristen» beseitigt. A. starb 21. Juli 1855. Von seinen Schriften sind noch hervorzuheben: das romantische Märchendrama «Lycksalighetens Ö» (2 Bde., Ups. 1824 -27- 3. Aufl., Stockh. 1875; deutsch: «Die Insel der Glückseligkeit», 2 Bde., Lpz. 1831-33), reich an volkstümlichen Liedern; «Samlade dikter» (2 Bde., Ups. 1837-38), durchgehends lyrisch; «Svenska siare och skalder eller intill och med Gustaf III. tidehvarf» (6 Bde., Stockh. 1841-55; 2. Aufl. 1862-63; Supplement 1864), ein Wert, das von den Dichtern und Philosophen bis unter Gustav III. treffliche Biographien giebt. Eine Gesamtausgabe seiner Werke («Samlade dikter», 6 Bde., und «Samlade skrifter i obunden still», 7 Bde.) erschien zu Örebro 1854-70; Teil II enthält die geistvolle «Poesiens historia» (4 Bde., ebd. 1861-62).

Atterbury (spr. ätterbörri), Francis, Bischof von Rochester, geb. 6.Mai 1662 zu Middleton Keynes in Buckinghamshire, wurde herangebildet zu Westminster und Oxford, wo er auch nach Ablauf der Studien blieb. 1687 schrieb er gegen den Apostaten