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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Auerbach; Auerbachs Keller; Auerberg; Auerhahn

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Auerbach (Berthold) - Auerhahn

später auf Mainz überging. Der jetzige Bau ist aus dem 15. Jahrh.; Turenne zerstörte 1674 die Burg.

Auerbach, Berthold, Schriftsteller, geb. 28. Febr. 1812 zu Nordstetten bei Horb im württemb. Schwarzwald von jüd. Eltern, erhielt, zum Rabbiner bestimmt, in Hechingen und Karlsruhe eine wesentlich talmudistische Bildung und besuchte das Gymnasium in Stuttgart. Er studierte seit 1832 in Tübingen die Rechte, bald, durch D. F. Strauß angeregt, Philosophie und Geschichte, welches Studium er auch in München (bei Schelling) und Heidelberg (bei Schlosser) fortsetzte. Infolge der Untersuchung gegen die burschenschaftlichen Bestrebungen saß A. 1836 einige Monate in Haft auf dem Hohenasperg. Dann lebte er meist in Frankfurt a. M., Mainz und am Rhein, seit 1845 in Weimar, Leipzig, Breslau, Wien, Dresden, Berlin, Stuttgart, seit 1859 wesentlich in Berlin. Er starb 8. Febr. 1882 in Cannes und wurde zu Nordstetten beerdigt. A.s erste Schrift, «Das Judentum und die neueste Litteratur» (Stuttg. 1836), wurde durch W. Menzels Angriff auf die jungdeutsche Litteratur veranlaßt. Es folgte eine Reibe von Romanen aus der Geschichte des Judentums unter dem Gesamttitel «Das Ghetto», von denen «Spinoza» (Mannh. 1837; 7. Aufl., Stuttg. 1880) und «Dichter und Kaufmann» (Mannh. 1829 fg.; 7. Aufl., Stuttg. 1871) in Sonderausgaben erschienen. Hieran schloß sich die mit einer kritischen Lebensbeschreibung begleitete Übersetzung von «Spinozas sämtlichen Werken» (5 Bde., Stuttg. 1841; 2. Aufl., 2 Bde., ebd. 1871). Eine neue Richtung, in der er dann seine gelungensten Arbeiten lieferte, schlug A. mit «Der gebildete Bürger, Buch für den denkenden Mittelstand» (Karlsr. 1842) ein, worin er philos. Gegenstände dem Laien verständlich zu machen sucht. Aber erst die «Schwarzwälder Dorfgeschichten» (2 Bde., Mannh. 1843; Neue Folge, Bd. 3 u. 4,1853-54; 10.Aufl. 1868; Volksausgabe, 8 Bde., Stuttg. 1871) machten ihn berühmt. A. giebt in diesen Erzählungen treue und sinnige, zum Teil humorvolle Bilder von Land und Leuten seiner Heimat und erweist sich namentlich in der Schilderung von Gemütszuständen und merkwürdigen Charakteren als Meister; auch macht sich A.s sonstige Neigung zur Lehrhaftigkeit hier weniger geltend. Zu den Dorfgeschichten gehört auch die Novelle «Die Frau Professorin», die zuerst in dem Taschenbuch «Urania» (Jahrg. 1847) erschien und von Charlotte Birch-Pfeiffer gegen A.s Willen zu einem Drama («Dorf und Stadt») benutzt wurde. Dieser Richtung schließt sich der von A. herausgegebene Volkskalender «Der Gevattersmann» an (Karlsr. 1845 u. 1846; in mit neuen Volkserzählungen vermehrter Gesamtausgabe u. d. T. «Schatzkästlein des Gevattersmannes», 6. Aufl., Stuttg. 1875). Sein erster größerer Roman «Neues Leben» (3 Bde., Mannh. 1851; 4. Aufl., Stuttg. 1872) fand wenig Beifall. Er wandte sich daher zunächst wieder der Dorfgeschichte zu mit der Erzählung «Barfüßele» (Stuttg. 1856; 27. Aufl., ebd. 1890; illustriert von Vautier 1872), der «Joseph im Schnee» (ebd. 1860; 7. Aufl. 1876; illustriert von Kindler 1867) und «Edelweiß» (ebd. 1861; 10. Aufl. 1881) folgten. 1858-69 gab A. einen Volkskalender heraus, dessen Hauptinhalt u. d. T. «Zur guten Stunde, gesammelte Volkserzählungen» (2 Bde., Stuttg. 1872; 2. Aufl. 1874-75) wieder abgedruckt wurde. Es folgten die Romane «Auf der Höhe» (Stuttg. 1865; 13. Aufl., 4 Bde., 1884), «Das Landbaus am Rhein» (5 Bde., ebd. 1869; 4. Aufl., ebd. 1874), «Waldfried, eine vaterländische Familiengeschichte» (3 Bde., ebd. 1874; 2. Aufl. 1875), «Landolin von Reutershofen» (Berl. 1879), «Der Forstmeister» (2 Bde., ebd. 1879; 2. Aufl. 1880), «Brigitta» (Stuttg. 1880; 2. Aufl. 1881). In den neuen Dorfgeschichten «Nach dreißig Jahren» l3 Bde., Stuttg. 1876) ließ A. mit wenig Glück seine frühern Gestalten wieder auftreten. Von seinen sonstigen Schriften seien genannt: «Drei einzige Töchter. Novellen» (ebd. 1875; 4. Aufl. 1878), «Tausend Gedanken des Kollaborators» (Berl.1875), «Wieder unser. Gedenkblätter» (Stuttg. 1871). A.s dramat. Versuche sind ohne Bedeutung. Seine gesammelten Schriften erschienen (20 Bde.) Stuttgart 1857-59 und (22 Bde.) 1863 fg., eine Ausgabe der erzählenden (20 Bde.) ebd. 1871, eine neue Ausgabe der Schriften (18 Bde.) ebd. seit 1892. A.s Briefe an seinen Vetter Jakob A. gab dieser heraus (2 Bde., Frankf. a. M. 1884).

Vgl. Zabel, B. A. (Berl. 1882); Lasker, B. A. (ebd. 1882); Gosche, B. A. (in Ebers und Fränkel, «R. Gosche», Halle 1890).

Auerbachs Keller, ein durch die Faustsage berühmter Weinkeller in Auerbachs Hof zu Leipzig. Dieser, 1530 erbaut und genannt nach dem Erbauer Heinr. (Stromer aus) Auerbach (in Bayern), Professor der Medizin und Senator in Leipzig, 1482-1542, in der Grimmaischen Straße gelegen, ist eine Gebäudegruppe mit öffentlichem Durchgang, in deren Räumen früher das Neueste und Schönste ausgestellt war, was die Leipziger Messe aufwies. Schon damals hatte er zahlreiche Verkaufsgewölbe, war weltberühmt und wurde z. B. von Fr. Taubmann besungen. Aus A. K. ist der Sage nach Faust (s. d.) auf einem vollen Fasse die Treppe emporgeritten. Goethe hat in seinem «Faust» diese Sage benutzt. Noch jetzt dient A. K. als Weinstube und besitzt zwei auf Holz gemalte Ölbilder mit der (gefälschten) Jahreszahl 1525, die Fausts Anwesenheit und Faßritt verewigen.

Vgl. Schultze, Faust in Leipzig. Kleine Chronik von A. K. (Lpz. 1854); F. Frenzel, Albumblätter aus A. K. (4. Aufl., ebd. 1887); J. Prölß, Weinphantasien aus A. K. (2. Aufl., ebd. 1890); F. A. Eckstein, Commentariolum de epigrammate latino Cellae Auerbachiae (ebd. 1864).

Auerberg, eine stark bewaldete Porphyrkuppe des Unterharzes, nordöstlich von Stolberg im preuß. Reg.-Bez. Merseburg. Der Gipfel, gewöhnlich Josephshöhe genannt, ist 599 m hoch. Auf der Ostseite des A. werden die sog. Stolberger Diamanten (sechskantige Bergkrystalle) gefunden.

Auerhahn, auch Urhahn (Tetrao Urogallus L.), das größte der europ. wilden Hühner, gehört zur Familie der Waldhühner der Ordnung der Hühner (Gallinaceen). Er erreicht eine Länge von 1 m bei einer Flugweite von 1,10-1,40 m und einem Durchschnittsgewichte von 5½-6 kg. Sein Gefieder ist auf dem Rücken schwarzgrau, hellgrau gewässert, unten schwarz und weiß gesteckt, die Brust schön stahlgrün; über jedem Auge verlaufen kahle, warzige, rote Flecken; die sehr kräftigen Füße sind bis an die mit stumpfen Nägeln versehenen Zehen befiedert. Die Henne ist bedeutend kleiner und ähnelt in der Farbe des Gefieders der Waldschnepfe. Das Auergeflügel ist im nördl. Europa und Asien sowie in den Gebirgsgegenden Mitteleuropas heimisch. Es nährt sich von jungen Sprossen der Nadelhölzer und Buchen, von Wacholder-, Heidel-, Brom- und Himbeeren, Eicheln, Bucheckern, Waldwicken u. dgl. In seinem Magen werden meist zahlreiche glatte,