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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Auf dem Strom liegen; Aufenthaltskarten; Auferstehung

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Auf dem Strom liegen - Auferstehung

Auf dem Strom liegen, frei vom Lande (Quai oder Brücke) mit einem Schiff vor Anker oder an einer Boje befestigt im Hafen liegen; auch in solchen Häfen gesagt, in denen keine Strömung ist.

Aufenthaltskarten, s. Anmeldescheine.

Auferstehung, A. der Toten, des Leibes oder des Fleisches, die Wiederbelebung des toten Menschenleibes und, nach der Vorstellung von Leib und Seele als zweier verschiedenen Substanzen, die Wiedervereinigung der unsterblichen Seele mit ihm. Im heidnischen Altertume tritt der Auferstehungsglaube nur sehr vereinzelt auf. Die griech. Volksreligion wußte nur von einem freudlosen, traumartigen Aufenthalte der abgeschiedenen Seelen im Schattenreiche (s. Unterwelt), aus welchem nur Halbgötter und Heroen in die Oberwelt zurückkehrten. Bei den Ägyptern und Indern findet sich der Glaube an eine Seelenwanderung (s. d.), eine ausgebildete Auferstehungslehre dagegen nur im Parfismus (s. Zoroaster). Dem ältesten Judentume ist der Glaube an die A. noch fremd. In den vor dem Exile geschriebenen Schriften des Alten Testaments herrscht vielmehr die Vorstellung vom Scheol (s. Hölle), dem freudlosen Totenreiche, aus dem keiner zurückkehrt. Eine Anzahl Psalmstellen, die man für die gegenteilige Meinung angeführt hat (Ps. 16, 10; 17, 15; 49, 16; 68, 21; 73, 24), sind ebensowenig wie Hiob 19, 25-27 auf die A. zu beziehen. Die Belebung der Totengebeine findet sich zuerst nach dem Untergange des jüd. Staates als Sinnbild der Neubelebung des messianischen Volks (Ezech. 37; Jes. 25, 3; 26, 19). Im Buche Daniel (12, 2.13) ist die Hoffnung auf Wiederbelebung der Frommen und der Gottlosen in der messianischen Zeit ausgesprochen; doch scheint sie auch später nicht zur herrschenden Volksvorstellung geworden zu sein. Das zweite Buch der Makkabäer, in dem der Auferstehungsglaube sehr entschieden auftritt (Kap. 7), gehört der hasidäischen Partei an; die aus ihr hervorgegangenen Pharisäer (s. d.) bildeten diesen Glauben zur Lehre aus, wogegen die Sadducäer die ältere Volksmeinung aufrecht erhielten.

Zum Volksglauben ist die Hoffnung auf A. der Leiber erst im Christentume geworden. Jesus verkündigte nicht nur ein ewiges Leben aller zur Teilnahme am Himmelreiche Berufenen, sondern nach der Darstellung unserer Evangelien ausdrücklich auch eine A. der Toten, in Verbindung mit seiner eigenen Wiederkunft, und ein großes Weltgericht. (S. Jüngstes Gericht.) Für die älteste Gemeinde blieb die A. Jesu die göttliche Legitimation seiner Messiaswürde und die Bürgschaft der einstigen A. aller Gläubigen. Als Zeitpunkt galt die Wiederkunft Christi zur Begründung seines Reichs auf Erden, die Paulus (1 Kor. 15, 23 fg.) und namentlich die Offenbarung des Johannes noch von der sog. zweiten A. beim Endgericht, die sich auf alle Menschen erstrecken soll, unterscheidet. Doch scheint Paulus anderwärts wieder nur eine A. der Gläubigen zu lehren, wenigstens ist dies die Konsequenz seiner Annahme, daß die Gläubigen in Kraft des ihnen verliehenen göttlichen Geistes (des Pneuma) geistige (pneumatische) Leiber erhalten sollen, während «Fleisch und Blut» das Reich Gottes nicht erben können. Er stellt sich daher den Auferstehungsleib als einen himmlischen Lichtleib vor (1 Kor. 15, 35 fg.; 2 Kor. 5, 1 fg.).

Schon in der Apostelzeit stieß diese Lehre in griechisch gebildeten Kreisen auf Widerspruch; daher suchten die Kirchenlehrer sie durch Beweise zu stützen. Nächst der A. Jesu werden die von ihm und den Aposteln vollbrachten Totenerweckungen, entsprechende Vorgänge im Leben der Natur, die notwendige Zusammengehörigkeit des Leibes mit der Seele, endlich die Gerechtigkeit, Güte und Allmacht Gottes als Beweismittel benutzt. In der Folgezeit lassen sich eine idealistische und eine realistische Ansicht unterscheiden. Während die Gnostiker die Körperauferstehung leugneten und nur eine Unsterblichkeit der «pneumatischen» Seelen lehrten, vertraten die meisten Kirchenlehrer des Altertums die sinnlich ausgestattete Vorstellung, daß der Auferstehungsleib derselbe sein werde wie der ins Grab gesenkte. Dagegen neigte sich die Alexandrinische Schule zu einer geistigem Auffassung und namentlich Origenes lehrte, daß in der A. der nach dem Sündenfalle mit dem gröbern materiellen überkleidete «pneumatische» Leib, von seiner verweslichen Hülle befreit, zur vollkommenen Entfaltung komme. Doch wurde diese Ansicht im 6. Jahrh, als ketzerisch verdammt, und die Kirche hielt fest, daß die verwesten Gliedmaßen am Auferstehungstage sich wieder zusammenfinden würden.

Erst in neuerer Zeit ist der auch von der Reformation unerschütterlich aufrecht erhaltene Auferstehungsglaube in Verbindung mit dem Glauben an die individuelle Fortdauer nach dem Tode überhaupt ernstlich angefochten worden (s. Unsterblichkeit).

Die Auferstehung Jesu ist eine Frage, die für den christl. Glauben mit der Frage nach unserer persönlichen Fortdauer unzertrennlich zusammenhängt. Die älteste Gemeinde verkündigte zuversichtlich die Wiederbelebung seines am Kreuze gestorbenen Leibes (wenn auch in anderer, als der irdischen Erscheinungsform) als die Haupt- und Grundthatsache des ganzen christl. Glaubens. Dazu kommen Berichte von wiederholten Erscheinungen des Gekreuzigten vor seinen Jüngern, vor einzelnen oder mehrern, und vor einer größern Menge von Gläubigen zugleich. Die Erklärung dieser Thatsache, auf der das ganze Dasein der christl. Kirche beruht, fällt der histor. Kritik anheim. Der älteste auf uns gekommene Bericht ist das Zeugnis des Paulus, der die ihm auf dem Wege nach Damaskus gewordene Christuserscheinung auf völlig gleiche Linie mit den übrigen Erscheinungen des Auferstandenen stellt (1 Kor. 15, 4-8). Die Auferstehungsberichte der Evangelien stimmen untereinander wenig überein: während das echte Markus-Evangelium über die Erscheinungen des Auferstandenen keine nähere Auskunft giebt (der jetzige Schluß von Kap. 16, 9-20 ist unecht), zeigt sich in den übrigen Berichten die weiterbildende fromme Sage thätig, namentlich auch in dem nach Johannes benannten Evangelium. Die heutige histor. Kritik erklärte in der Mehrheit ihrer Vertreter die Erscheinungen des Auferstandenen als Visionen der Jünger. Die Schwierigkeiten, die dieser Auffassung im Wege stehen, sind wenigstens nicht größer als bei der von dem Nationalismus und selbst von Schleiermacher empfohlenen, aber jetzt aufgegebenen Annahme, Christus sei scheintot gewesen, die obendrein für das sittlich-religiöse Bewußtsein immer etwas Anstößiges behalten wird. Indessen wird sich der religiöse Glaube niemals bei der Annahme bloß subjektiver Visionen beruhigen können, ohne gerade das geschichtliche Fundament des Christentums für Täuschung zu erklären; vielmehr sieht er sich genötigt, in jenen Erscheinungen des Auferstandenen, wie