Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: August

124

August (Prinz von Preußen) - August (Kurfürst von Sachsen)

Niederlage von Kolin übertrug ihm Friedrich den Oberbefehl der Koliner Armee. A. W. leitete den Rückzug aus Böhmen mit solchem Mangel an Entschlossenheit und militär. Talent, daß der König ihm das Kommando entzog. In seinem Selbstgefühl gekränkt und von üblen Beratern aufgereizt, verlieh A. W. für immer die preuß. Armee und zog sich auf sein Schloß in Oranienburg zurück, wo er 12. Juni 1758 starb. Dem persönlich sehr liebenswürdigen Prinzen fehlte die Selbständigkeit und Willenskraft seines ältern Bruders; dem schädlichen Einfluß der ihn umgebenden Partei vermochte er sich nicht zu entziehen. Er verfaßte gegen den König die «Relation über den Feldzug von 1757», die 1769 im Druck erschien und dem Ansehen Friedrichs sehr geschadet hat. Der Briefwechsel der beiden Brüder ist erst 1887 in der «Polit. Korrespondenz Friedrichs d. Gr. », Bd. 15, vollständig veröffentlicht worden und hat das histor. Urteil entschieden zu Gunsten des Königs umgewandelt. Auch Memoiren des Prinzen wurden von Naudé in den «Forschungen zur brandenb. und preuß. Geschichte», Bd. 1 (Lpz. 1888) veröffentlicht. A. W. war mit der Prinzessin Luise Amalie von Braunschweig vermählt; seine Söhne waren der nachmalige König Friedrich Wilhelm II. und der reich begabte Prinz Heinrich, der schon 26. Mai 1767 starb.

Vgl. über letztern Friedrichs d. Gr. Éloge du prince Henri («Œuvres», Bd. 7, Berl. 1847).

August, Friedr. Wilh. Heinr., Prinz von Preußen, General der Infanterie, Generalinspecteur und Chef der Artillerie, geb. 19. Sept. 1779 zu Friedrichsfelde, war der jüngste Sohn des 2. Mai 1813 gestorbenen Prinzen August Ferdinand, des Bruders Friedrichs d. Gr., und der Markgräfin Anna Elisabeth Luise von Brandenburg-Schwedt. 1806 nahm er als Chef eines Grenadierbataillons an der Schlacht bei Jena teil. Bei Prenzlau wurde er nach der verzweifeltsten Gegenwehr von den Franzosen gefangen und nach Frankreich gebracht. Nach 13monatiger Gefangenschaft freigegeben, machte er eine Reise durch die Schweiz und Oberitalien und ging darauf nach Petersburg. Von dort kehrte er März 1808 nach Königsberg i. Pr. zurück und wurde im Aug. zum Generalmajor und Chef der Artillerie ernannt. 1813 wohnte er als Generallieutenant und Commandeur der 12. Brigade beim 2. (Kleistschen) Armeekorps den Schlachten von Dresden, Kulm, Leipzig, Montmirail, Laon und Paris bei. Mehrmals entschied er mit seiner Brigade den Sieg, so namentlich 16. Okt. 1813 bei Markkleeberg und 18. Okt. bei Probstheida. Nachdem er 1815 das Kommando über das 2. norddeutsche Armeekorps erhalten, welches zur Belagerung der Festungen an der Nordgrenze Frankreichs bestimmt war, bewirkte er in kurzer Zeit die Übergabe von Maubeuge, Philippeville, Landrecy, Longwy, Rocroy, Givet, Montmedy, Sedan und Mézières. Nach dem Kriege übernahm er wieder das Kommando der Artillerie, die unter seiner Leitung gänzlich umgestaltet und vervollkommnet wurde. Wegen dieser seiner Verdienste wurde 1889 das ostpreuß. Feldartillerieregiment Nr. 1 Feldartillerieregiment Prinz A. von Preußen benannt. A. starb zu Bromberg 19. Juli 1843 auf einer Inspizierungsreise, ohne legitime Nachkommenschaft. Aus des Prinzen Privatleben ist bemerkenswert, daß er, zur Zeit seiner franz. Gefangenschaft, im Hause der Mad. de Staël zu Coppet mit Mad. Récamier (s. d.) zusammentraf und, in heißer Liebe zu ihr entbrannt, ernstlich entschlossen war, sie zu heiraten. Doch stellten sich politische und religiöse Gründe diesem Bunde entgegen.

Vgl. L. von Puttkamer (und von Hoepfner), Erinnerungsblätter aus dem Leben des Prinzen A. (Gotha 1869); Der Tag von Prenzlau (in C. von Deckers «Taktik der drei Waffen», Tl. 1, 3. Aufl., Berl. 1851); Kriegsgeschichtliche Einzelschriften, hg. vom Großen Generalstab, Heft 2 u. 10 (ebd. 1883,1888).

August, Kurfürst von Sachsen (1553 - 86), Sohn Herzog Heinrichs des Frommen aus der Ehe mit Katharina von Mecklenburg, geb. 31. Juli 1526 zu Freiberg, wo sein Vater Hof hielt, bis ihm 1539 die Regierung des Albertinischen Stammlandes zufiel. A. hielt sich einige Zeit am Hofe König Ferdinands I. zu Prag auf, wo er mit dessen Sohn Maximilian, dem nachherigen Kaiser, Freundschaft schloß, und bezog hierauf die Universität Leipzig. 1541 empfing er zugleich mit seinem Bruder Moritz (s. d.), der die Regierung der väterlichen Erblande übernommen hatte, die Huldigung. Seitdem lebte er, außer wenn er seinen Bruder vertreten muhte, meist in Weißenfels. Er vermählte sich 1548 mit Anna (s. d.), der Tochter Christians III. von Dänemark. Nach seines Bruders Tode 1553 zur Regierung und zur Kurwürde berufen, blieb ihm die Aufgabe überlassen, die polit. Verwicklungen zu lösen, die aus des Bruders Fehden und aus dem Zwiespalt mit den Ernestinischen Vettern hervorgegangen waren. Hatte Moritz sein Erbe mit dem Schwerte vergrößert, so wußte A. durch kluge Benutzung der Ereignisse und durch des Kaisers Gunst seine landeshoheitlichen Rechte auszudehnen und Gebietserwerbungen zu machen. Doch gerade in diesen Bestrebungen zog er sich nicht unberechtigte Vorwürfe zu. Daß die drei geistlichen Stifter Merseburg, Naumburg und Meißen in größere Abhängigkeit von der landesfürstl. Gewalt kamen, war eine Folge der Reformation. Viel weniger zu rechtfertigen aber war der Gebietszuwachs, den er 1567 durch die Achtsvollstreckung gegen den von dem meuterischen Wilhelm von Grumbach (s. d.) verleiteten Herzog Johann Friedrich (s. d.) von Gotha gewann, und daß er als Vormund seiner Vettern, der Söhne Johann Wilhelms von Weimar, fast die Hälfte der hennebergischen Erbschaft sich zueignete. Durch seine Hoftheologen der vermittelnden Ansicht in der Abendmahlslehre geneigt gemacht, nötigte er die Geistlichen nicht nur im eigenen Lande, sondern auch im Gebiete seiner weimar. Vettern, diese Ansicht zu lehren, bis A. 1574 wieder umlenkte und den heimlichen Calvinismus noch strenger verfolgte als früher das strenge Luthertum. 1577 brachte A. die Konkordienformel (s. d.) zu stande, welche die prot. Lehre in starre Formen bannte und 1580 öffentlich verkündigt wurde. A.s Reichspolitik wurde durchaus von eigenen Interessen und von der Furcht vor einer neuen Erhebung der Ernestiner beherrscht. Um jede Erschütterung des Friedenszustandes fern zu halten, versagte er auch den kurpfälz. Bemühungen um bessere Sicherung und weitere Aubreitung des Protestantismus seine Mitwirkung. Aber er benutzte diese Zeit des Friedens auch dazu, um als Gesetzgeber, als Pfleger von Kulturanstalten und sparsamer Ordner des Staatshaushalts die wirtschaftliche Entwicklung seines Landes zu fördern. Die Landstände erhielten eine festere Ordnung und übernahmen die selbständige Verwaltung der von ihnen bewilligten Steuern. Als der größte Grundherr, Bergherr und