Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Augusta; Augusta Victoria; Augustal; Augustdor; Augusteisches Zeitalter; Augustenburg

127

Augusta - Augustenburg

Seinen Namen führt das Fort St. Privat bei Metz und seit 1889 das preuß. Ulanenregiment Nr. 10.

Augusta, der 254. Planetoid.

Augusta, der Name zahlreicher von röm. Kaisern oder zu ihren Ehren angelegter oder neubevölkerter Städte und Kolonien. Die bedeutendsten derselben waren: A. Ausciorum, jetzt Auch im franz. Depart. Gers; A. Bracara, Stadt der Callaici Bracarii in Gallaecia, jetzt Braga im nördl. Portugal; A. Emerita, Stadt in Lusitanien, jetzt Merida in der span. Provinz Badajoz; A. Praetoria, jetzt Aosta; A. Suessionum, jetzt Soissons; A. Taurinorum, jetzt Turin; A. Trevirorum, jetzt Trier; A. Trinobantum, im 4. Jahrh, üblicher Name für Londinium, jetzt London; A. Vindelicorum, jetzt Augsburg.

Augusta oder Agosta, Stadt im Kreis Siracusa in der ital. Provinz Siracusa auf der Ostküste von Sicilien, an der Linie Messina-Siracusa der Sicil. Bahnen, auf einer durch Brücken mit der Halbinsel des Kap Sta. Croce verbundenen Felseninsel, 1232 durch Kaiser Friedrich II. erbaut, hat (1881) 12634, als Gemeinde 13180 E., einen sichern und bequemen Hafen, dessen Eingang durch ein Kastell geschützt wird, große Magazine, die Seesalz für die Ausfuhr bereiten, und Handel mit Wein, Baumöl, Flachs und Sardellen. - Im Altertum lag in der Nähe die durch ihren Honig berühmte griech. Stadt Megara, die den Beinamen Hybla führte. Bei A. wurde 1676 die unter Montesarchio und Ruyter vereinigte span.-holländ. Flotte von dem franz. Admiral Duquesne geschlagen, wobei Ruyter eine Wunde erhielt, an der er in Siracusa starb. A. wurde 1693 durch ein Erdbeben sehr beschädigt.

Augusta. 1) Hauptstadt des County Richmond in Georgia, am hier schiffbaren Savannah, wichtiger Knotenpunkt von Bahnen, gut gebaut, mit breiten und schattigen Straßen, hatte 1880: 23023, 1890: 33300 E., mehr als 30 Kirchen, Stadthaus, mediz. Schule, große Baumwoll- und andere Fabriken und ist der Handelsmittelpunkt eines großen Gebietes namentlich für Baumwolle. Wasserkraft liefert der Augustakanal. - 2) Hauptstadt des Staates Maine und des County Kennebec, zwischen Portland und Bangor, an beiden Ufern des Kennebec (150 m lange, schöne Brücke) aufsteigend, 1771 gegründet und 1797 zur Stadt erhoben, ist regelmäßig gebaut und hat (1890) 10257 E., ein Stadthaus, Irrenhaus, Arsenal und etwas Industrie.

Augusta, Marie Luise Katharina, Deutsche Kaiserin und Königin von Preußen, zweite Tochter des Großherzogs Karl Friedrich von Sachsen-Weimar und der Großfürstin Maria Paulowna, wurde 30. Sept. 1811 zu Weimar geboren. Sie erhielt unter der Obhut ihrer Mutter eine ausgezeichnete Erziehung. Vom Okt. 1824 bis Sept. 1825 begleitete sie ihre Mutter nacb Rußland. Ihr fester, selbständiger Charakter fiel schon früh den Beobachtern auf. Am 11. Juni 1829 wurde sie mit dem Prinzen Wilhelm von Preußen, nachmaligen Kaiser Wilhelm I. vermählt. Durch ihre geistigen Vorzüge, ihren Kunstsinn, edle Humanität und Wohlthätigkeit gewann die Prinzessin A. bald eine gefeierte Stellung am Hofe. Die Erziehung ihrer beiden Kinder, des nachmaligen Kaisers und Königs Friedrich und der Prinzessin Luise, spätern Großherzogin von Baden, überwachte die Mutter mit verständnisvoller Sorgfalt. Seit 1850 nahm der schon 1848 zum Generalgouverneur der Rheinlands und Westfalens ernannte Prinz meist in Koblenz seinen Aufenthalt; seit dieser Zeit datierte die Vorliebe der Kaiserin für Koblenz, woselbst sie in jedem Sommer längere Zeit zu residieren pflegte. Eine ungemein segensreiche Thätigkeit für Zwecke der Wohlthätigkeit und der Pflege verwundeter und erkrankter Krieger entwickelte sie namentlich seit dem Regierungsantritt ihres Gemahls und seit dem Dänischen Kriege. Nicht geringen Anteil hatte sie an dem Zustandekommen der Genfer Konvention (s. d.). A. wurde der Mittelpunkt der über ganz Deutschland verbreiteten Vereine, die für die Truppen im Felde und für die Verwundeten sorgten, namentlich der Vereine vom Roten Kreuz seit 1864 und des Vaterländischen Frauenvereins seit 1866. Das Augusta-Hospital, das Langenbeck-Haus in Berlin und das Augusta-Stift in Charlottenburg gehen auf ihre Anregung zurück. Den Kulturkampf mißbilligte sie, er widersprach ihren Anschauungen von Glaubensfreiheit. Sie besaß reges musikalisches Interesse und hat auch mehrere Märsche komponiert, darunter den als Armeemarsch Nr. 102 bekannten. Am 11. Juni 1879 konnte sie mit ihrem Gemahl die Goldene Hochzeit feiern. 1881 erkrankte sie in bedenklichem Grade und mußte sich in Koblenz einer Operation unterziehen. Die Schicksalsschläge des J. 1888, die ihr den Gatten, Sohn und einen Enkel raubten, überlebte sie nicht lange; sie starb 7. Jan. 1890 in Berlin und wurde im Mausoleum zu Charlottenburg beigesetzt. In Baden-Baden wurde ihr 1892 ein Denkmal errichtet; in Berlin ist ein solches (von Schaper) geplant.

Vgl. O. Schrader, A., Herzogin zu Sachsen, die erste Deutsche Kaiserin (Weim. 1890); Lina Morgenstern, A., erste Deutsche Kaiserin (2. Aufl., Berl.1890); Hesekiel, A., Kaiserin-Königin (Lpz. 1890).

Augusta Victoria, Deutsche Kaiserin, s. Auguste Victoria.

Augustal, Goldstück, das unter Kaiser Friedrich II. als König beider Sicilien 1197-1220 nach dem Muster der antiken röm. Kaisermünzen geprägt wurde. (S. Tafel: Münzen III, Fig. 16.)

Augustdor, sächs. Goldmünze zu 5 Thlrn. Gold von verschiedenem Schrot und Korn. Friedrich d. Gr. ließ 1758 in Leipzig mit den sächs. Stempeln von 1753 derartige Stücke durch die Münzpächter Ephraim, Itzig u. Comp. nachprägen, die kaum 2 Thlr. Wert hatten. (S. Ephraimiten.)

Augusteisches Zeitalter, s. Augustus.

Augustenburg, Flecken im Kreis Sonderburg des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, auf der Insel Alsen (s. d.), an der Augustenburger Föhrde (Meerarm), hat (1890) 604 E., Post, Telegraph, Personendampferstation und einen Hafen für kleinere Schiffe. Dicht dabei Schloß A., ehemals Residenz der Herzöge von Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Einer derselben, Ernst Günther, kaufte 1651 vom dän. König Friedrich III. Amt Stavensböl, einen Teil des Bistums Schleswig und Amtes Schwabstedt, und erbaute an Stelle des Dorfes Stavensböl ein nach seiner Gemahlin Auguste benanntes Schloß, von dem er selbst den Namen annahm. Herzog Friedrich Christian ersetzte es 1770-76 durch den jetzigen ansehnlichen Bau. 1852 wurde das Gebiet (110 qkm), zu dem außer dem Insellande 5 Güter auf dem Festlande gehörten, von Dänemark gegen 3½ Mill. Thaler (dän. Reichsmünze) eingezogen, 1864-76 war es preuß. Garnison. Seit 1885 ist Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg Eigentümer des Schlosses, in