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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ausflußgeschwindigkeit; Ausflußthermometer; Ausfugen; Ausfuhr

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Ausflußgeschwindigkeit - Ausfuhr

Berechnet man hiernach die Ausflußgeschwindigkeit, so läßt sich die Ausflußparabel der gewissermaßen horizontal geworfenen Flüssigkeit (s. Wurf) im voraus konstruieren und mit der wirklichen vergleichen. Die Ausflußgeschwindigkeiten aus kapillaren Ansatzröhren weichen wegen der großen Reibung von denen aus weiten Röhren ab, indem sie sich bei letztern wie die Quadratwurzeln aus den Druckhöhen, bei erstern dagegen einfach wie die Druckhöhen verhalten. Die Ausflußmenge Q in Volumeneinheiten pro Sekunde ist das Produkt aus der Ausflußgeschwindigkeit und dem Flächeninhalt q der Ausflußöffnung, also

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Wegen der Zusammenziehung (Kontraktion) des Ausflußstrahls ist in der Regel die wirklich ausgeflossene Flüssigkeitsmenge kleiner als die theoretisch berechnete, so daß man letztere mit einem Kontraktionskoefficienten, der für verschiedene Formen der Öffnung verschieden und, immer kleiner als 1 ist (z. B. 0,64 für runde Öffnungen in einer dünnen Wand), multiplizieren muß.

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Der ausfließende Wasserstrahl ist anfangs zusammenhängend und kontrahiert, weiter von der Mündung entfernt in Tropfen geteilt. Durch die Schwingungen des Öffnungsrandes gerät auch der Ausflußstrahl in Schwingung, infolgedessen er Anschwellungen und Einschnürungen zeigt. Eingehendere Untersuchungen hierüber rühren von Savart und Plateau her. Die ausströmenden Gase befolgen ebenfalls das Torricellische Theorem, wenn der Druck, unter dem das Gas ausströmt, durch die Höhe h einer diesem Druck entsprechenden Gassäule von derselben Dichte ausgedrückt wird. Diese Gassäule ist

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wenn λ die den Druck angebende Quecksilbersäule, σ das specifische Gewicht des Quecksilbers und s dasjenige des Gases bedeutet; es ist dann die Ausflußgeschwindigkeit

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Läßt man daher zwei verschiedene Gase unter gleichem Druck ausströmen, so verhalten sich die Ausflußgeschwindigkeiten umgekehrt, wie die Wurzeln aus den Dichten. Diesen Satz benutzte Bunsen zu einer Methode der Dichtenbestimmung der Gase. (Vgl. Bunsen, Gasometrische Methoden, 2. Aufl., Braunschw. 1877.)

Ausflußgeschwindigkeit, s. Ausfluß.

Ausflußthermometer, s. Thermometer.

Ausfugen, Verbändeln, eine für Ziegelrohbauten wichtige Verrichtung, die darin besteht, daß man an den fertig gemauerten Facaden den unregelmäßig aus den Fugen hervortretenden Mörtel herauskratzt und mit frischem, gewöhnlich dunkelgefärbtem Mörtel oder auch Cement sauber verstreicht, wozu man die Fugkelle (Fugeisen, Streicheisen, Kratzeisen) benutzt, die aus einer etwa 1 cm breiten, gewölbten und in eine Spitze (zum Kratzen) auslaufenden Klinge besteht. Durch das A. gewinnt eine Rohfacade ein sauberes, malerisches Aussehen. Die Kosten für das A. mit Mörtel betragen 0,60 bis 0,80 M. für 1 qm Mauerfläche, mit Cement 0,70 bis 0,95 M.

Ausfuhr oder Export, die eine Seite des internationalen Handels, die andere ist die Einfuhr (s. d.) oder der Import. Ein Volk führt Waren aus, entweder weil es sie unter günstigern Bedingungen herstellen kann als andere Völker, oder weil es gewisser fremdländischer Produkte notwendig bedarf und für diese Gegenwerte liefern muß. Im letztern Falle kann es vorkommen, daß die Erzeugungskosten der Ausfuhrartikel im Inlande erheblich höher sind, als die der aus dem Auslande bezogenen Gegenstände. Im allgemeinen werden die Fälle der ersterwähnten Art überwiegen, wobei sich die relativen Begünstigungen auf beiden Seiten mehr oder weniger ausgleichen. Als besonders naturgemäß und für beide Teile vorteilhaft erscheint die A. der Naturerzeugnisse aus den Tropen nach den durch Kohlen- und Eisenreichtum und die klimatischen Verhältnisse vorzugsweise für die industrielle Produktion ausgerüsteten Ländern der gemäßigten Zone, die ihrerseits Fabrikate als Gegenwert ausführen. Je mehr eine Nation im stande ist, die A. ihrer industriellen Produkte auszudehnen, um so unabhängiger wird sie hinsichtlich ihres Nahrungsbedarfs von ihrem eigenen Landbesitz, und um so höher kann ihre Bevölkerungsdichtigkeit steigen. Aber andererseits kann die Notwendigkeit, einen bedeutenden Bruchteil der unentbehrlichen Lebensmittel statt durch eigene Produktion durch den auswärtigen Handel zu beziehen, auch schlimme Folgen haben, namentlich in Kriegszeiten. Für England ist schon seit längerer Zeit der Ausfuhrhandel in dieser Art eine wesentliche Existenzbedingung geworden; dabei kommt diesem Staate neben seiner großartigen Seemacht besonders zu statten, daß er in seinem ungeheuren Kolonialbesitz stets eine relativ gesicherte Kundschaft findet. Jedenfalls erscheint eine einseitige künstliche Begünstigung der A., wie sie namentlich früher durch die Vertreter des Merkantilsystems (s. d.) herbeigeführt wurde, durchaus unzweckmäßig.

Da im auswärtigen Handel der Hauptsache nach Produkte mit Produkten bezahlt werden, so wird durch künstliche Beschränkung der Einfuhr auch die A. erschwert; daher findet man in dem Schutzzollsystem der neuern Zeit, das sich von der merkantilistischen Rücksicht auf die Geldzufuhr ziemlich freigemacht hat, mancherlei Bemühungen zur Erleichterung der A. (S. Ausfuhrprämien, Exportbonifikation.) Förderung der A. bezwecken auch Maßregeln der Privaten, besonders der Exporteure, z. B. Ausstellungen, Associationen u. a. m. Solche Bestrebungen sind in neuester Zeit in Deutschland namentlich in Verbindung mit der Kolonisationsfrage hervorgetreten. In Berlin hat sich 1879 ein «Centralverein für Handelsgeographie und Förderung der deutschen Interessen im Auslande» gebildet, dessen Organ das Wochenblatt «Export» ist. Im Jan. 1881 wurde in Düsseldorf ein «Westdeutscher Verein für Kolonisation und Export» gegründet. Von amtlicher Seite wird ebenfalls auf die Hebung der deutschen A. hingewirkt, indem in Konsular- und andern Berichten (die das «Deutsche Handelsarchiv» veröffentlicht) den Exporteuren nützliche Winke gegeben und vorkom-^[folgende Seite]