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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

186

Auswanderung

Es wanderten ein 1681-85 durchschnittlich 14268, 1886: 13862. Von jenen 12127 Personen wandten sich 2024 nach überseeischen Ländern, und zwar fast ausschließlich nach den Vereinigten Staaten. Die überseeische A. betrug 1886-90 durchschnittlich 4862, 1891: 4705 und 1892: 6290.

In Belgien betrug durchschnittlich jährlich:

In den Jahren Auswanderung Einwanderung

1841-50 5052 3718

1851-60 8861 6021

1861-70 10194 11090

1871-80 7427 9066

1881-85 14903 17633

1886-90 20493 20782

1891 18994 20741

1892 22532 2l774

Der Auswanderungsverlust wurde also durch die Einwanderung bis 1892 mehr als gedeckt.

Die meisten Auswanderer gehen nach europ. Staaten, besonders Frankreich (1888: 10435). Die überseeische A. ist hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten von Amerika gerichtet (1888: 4001).

Eine merkwürdig geringe Beteiligung an der überseeischen A. weist Frankreich auf. Ihre Zahl wird angegeben für 1861-65 auf 6106,1866-70 auf 6141, 1871-75 auf 8325, 1876-80 auf 2974, 1881-85 auf 5098, 1886-90 auf 18667 durchschnittlich jährlich, für 1891 auf 6217 und 1892 auf 5528. Von 1886 bis 1890 stieg die A. nach Argentinien sehr stark; infolgedessen wies die Gesamtauswanderung 1889 die höchste bisher erreichte Ziffer von 30953 auf. Im ganzen wird die französische A. durch die Einwanderung bei weitem ersetzt.

Österreich-Ungarn ist an der überseeischen A. gleichfalls nur schwach beteiligt. Es wanderten aus über deutsche Häfen durchschnittlich jährlich:

In den Jahren Österreich Ungarn

1871-75 8788 769

1876-80 9196 2521

1881-85 19427 13832

1886-90 22494 22156

1891 33777 21419

1892 31359 20313

Fast sämtliche Auswanderer gehen nach den Vereinigten Staaten von Amerika (1892: 50403).

Aus Spanien wanderten aus 1882: 71806, 1883: 59261, 1884: 42843 und 1885: 40316, zusammen 214226 Personen. Von diesen wandten sich 120100 nach dem Auslande, insbesondere nach Afrika, nicht wenige auch nach Argentinien, während die übrigen 94126 die Kolonien, und zwar namentlich Cuba aufsuchten. Für 1889 sind l25807 Auswanderer gezählt worden, von denen 74125 nach Südamerika, 23178 nach Mittelamerika und 22142 nach Afrika gingen. Für 1892 wird die A. auf 66406 beziffert. Doch sind diese und die ältern Daten unsicher. Die spanische A. wird durch Fremdenzufluß (1892: 58148) beinahe ersetzt.

Auch die Angaben über die A. aus Portugal sind wenig zuverlässig. Auf Grund der Auslandspässe wurde ermittelt, daß die Zahl der Auswanderer durchschnittlich jährlich betrug 1872-75: 15137, 1876-80: 11565, 1881-85: 16936, 1886-90: 21007. Die Auswanderer geben vorwiegend nach Brasilien.

In Rußland überwog bisher die Einwanderung die A. So belief sich der Überschuß der über die Grenze mit Pässen ins Ausland gegangenen Russen gegenüber der Zahl der zurückgekehrten in den J. 1856-88 auf 1146052, während gleichzeitig die Zahl der mit Pässen in das Land gekommenen Fremden die der hinausgegangenen um 2304717 überstieg. Der Überschuß der Eingänge kommt zum größten Teil auf Deutsche, in zweiter Linie auf Österreicher. Neuerdings ist insofern eine Änderung in diesen Verhältnissen eingetreten, als die A., namentlich der Juden, sehr stark zugenommen hat. Die Zahl der über deutsche Häfen aus dem europ. Rußland Ausgewanderten betrug:

Im Jahre Im ganzen Darunter nach den Verein. Staaten

1885 18763 18568

l886 33783 32202

1887 29554 28418

1888 39307 38120

1889 36629 34777

1890 85548 55148

1891 109515 93848

1892 74681 70343

Der jüngste Rückgang ist den durch das Auftreten der Cholera veranlaßten Absperrungsmaßregeln zuzuschreiben. Ausnahmsweise wandte sich 1890 eine große Schar von Auswanderern (29226) Brasilien zu.

Die Stärke der A. aus den einzelnen europ. Kulturländern ist sonnt außerordentlich verschieden. In dem Zeitraum 1881-85, wo die A. fast überall verhältnismäßig stark war, entfielen z. B. auf 1000 E. des betreffenden Staates Auswanderer nach überseeischen Ländern in Irland 15,4, Norwegen 12,4, Schweden 7,7, Schottland 7,2, England 5,9, Dänemark 5,6, den Niederlanden 3,8, der Schweiz 3,7, dem Deutschen Reich 3,6, Italien 2,2, Frankreich 0,1. Die Größe des Unterschiedes zwischen Aus- und Einwanderung ist nun aber ein für die Beurteilung der Bevölkerungszustände eines Landes sehr wesentlicher Umstand. Sie kann jedoch nicht durch die Statistik der Wanderungen, sondern allein durch diejenige des Standes und der natürlichen Bewegung der Bevölkerung (s. d.) zutreffend ermittelt werden.

Auch in Bezug auf das Ziel der A. zeigen die einzelnen Staaten gewisse Eigentümlichkeiten. Aus den german. und slaw. Staaten sowie aus Belgien und Ungarn wendet sich der Auswandererstrom entweder ausschließlich oder doch zum größten Teil nach den Vereinigten Staaten von Amerika; nur für Großbritannien kommen daneben auch dessen Kolonien wesentlich in Betracht. Die roman. Völker bevorzugen dem gegenüber die südamerik. Staaten, Westindien und Nordafrika. Für die Vereinigten Staaten von Amerika, dem Hauptziel der A. überhaupt, liefert die dortige amtliche Statistik folgende Zahlen über die gesamte Einwanderung im Laufe der 71 Jahre von 1821 bis 1892:

Herkunftsländer Auswanderer

Großbritannien u. Irland 6556909

Deutschland 4798259

Schweden u. Norwegen 1061460

Österreich Ungarn 604863

Italien 540417

Europ. Rußland 531527

Frankreich 382739

Schweiz 188602

Dänemark 167170

Niederlande 115193

Belgien 52797

Spanien u. Portugal 49584

Übriges Europa 17179

Europa: 15066699

Amerika 1226331

Asien 315134

Afrika 1457

Australien 28651

Unbekannt 199611

Überhaupt: 16837883