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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Avarie - Avé-Lallemant

«Versuch über das Awariscbe» (Petersb. 1862) und «Ausführlichem Bericht über P. von Uslars awarische Studien» in den «Memoires de l'Académie» (ebd. 1872) sowie in den «Awarischen Texten» (ebd. 1873) bearbeitet worden ist.

Avarie, s. Haverei.

Avatara («die Herabkunft», «das Herabsteigen»), im Sanskrit technischer Ausdruck für die Inkarnationen der Götter, besonders des Gottes Vishnu, dem zehn A. beigelegt werden (s. Vishnu).

avdp., Abkürzung von Avoirdupois (s. d.).

Ave, s. Ave Maria.

Avebury (spr. ehwbörri) oder Abury, Dorf bei Marlborough in der engl. Grafschaft Wiltshire, bekannt durch die gigantischen Reste eines sog. druidischen megalithischen Steindenkmals, das dem von Stonehenge (s. d.) ähnlich ist. Der mit einem Erdwall umgebene Kreis mit etwa 450 m Durchmesser enthielt in seiner Vollständigkeit wohl 100 Steine, jeder von etwa 5,5 m Höhe und 800-1000 Ctr. Schwere, deren Zahl sich stetig vermindert hat (unter Karl II. 63, 1802 nur noch 17). Innerhalb dieses großen Kreises befanden sich zwei kleinere, jeder aus zwei konzentrischen Steinreihen bestehend; in der Mitte des einen stand ein einzelner Stein, in der Mitte des andern eine Gruppe von drei Steinen. Einige Steine waren von ungeheurer Größe. Von dem Kreise aus liefen zwei Alleen von Doppelreihen riesiger, aufreckt stehender Steine, jede über 1½ km lang, die eine (die sog. Kennet-Avenue) in südöstl. Richtung nach Overton (1,33 km lang, 16 m breit), wo sie mit einer kleinen elliptischen Aufstellung ähnlicher Steine endigte, die andere nach Westen, mit einem einzelnen Steine endigend. Das Dorf A., innerhalb des großen Kreises, ist zum Teil aus den zertrümmerten Steinen dieser Kreise gebaut. 1 km südlich von dem großen Kreise der Silburyhügel, angeblich die größte künstliche Erderhöhung in Europa (an der Basis 650 m im Umfange, 54 m hoch, an der Scheitelfläche 39 m im Durchmesser. Dieser künstliche Berg gehört nicht zu den Steinkreisen, doch ist seine Bestimmung, wie die der Steinkreise selbst, noch nicht enträtselt.

Avec lettre grise (frz., spr. awäck lättr grihs'), s. Kupferstechkunst.

Ave imperator, morituri te salutant (lat.), «heil dir Kaiser, die dem Tode Geweihten begrüßen dich», als Gruß der röm. Gladiatoren an den Kaiser Claudius erwähnt in Suetons «Leben des Claudius» (Kap. 21).

Aveiro (spr. -ru). 1) Der nordwestlichste Distrikt der portug. Provinz Beira, hat 2908,61 qkm und (1890) 287551 E., d. h. 99 auf 1 qkm, ist fast ganz eben, waldreich, von der Vouga durchflossen, nur zum Teil bevölkert und angebaut und zerfällt in 59 Concelhos (Kantone). - 2) Hauptstadt des Distrikts A., Cidade und Bischofssitz, 64 km von Porto, an der Eisenbahn Lissabon-Oporto, hat (1890) 8660 E. und ist ein wichtiger Hafen- und Handelsplatz an der Mündung der Vouga, die einen großen, von sumpfigen Inseln und Bänken erfüllten Strandsee, die Ria de A., bildet, in dessen Morästen große Massen Seesalz gewonnen werden. Die Stadt, ihrer vielen Lagunen wegen wohl das portug. Venedig genannt, besitzt vier Pfarrkirchen, ein großes Armenhaus mit einer schönen Kirche und ein Hospital. Der Ansfuhrhandel des Platzes mit Salz, Öl, Wein und Orangen ist lebhaft. An der Küste befinden sich sechs große Etablissements für den hier stark betriebenen Sardinenfang. Die Umgegend erzeugt starke Weine, Getreide, Öl, Gartenfrüchte.

Ä. wurde nebst der Umgegend von dem König Johann III. im 16. Jahrh. zu einem Herzogtum erhoben, das bis 1720 dem Hause Lancastro gehörte.

Aveiro (spr. -ru), Dom José Mascarenhas, Herzog von, geb. 1708, war unter Johann V. von Portugal, wie seine Vorfahren, Oberhofmeister des königl. Hauses und sehr einflußreich bei Hofe gewesen, unter König Joseph Emanuel aber durch Pombal zurückgedrängt worden. A. galt nun für einen Führer Mißvergnügter, und die gleichfalls unzufriedenen Jesuiten schlossen sich an ihn an. In der Nacht vom 3. zum 4. Sept. 1758 wurde auf den von seiner Maitresse zurückkehrenden König geschossen und derselbe verwundet. Ein Ausnahmegericht erklärte den Herzog von A., den Marquis von Tavora und einige andere Personen, meistens Glieder dieser Familien, für schuldig, die Jesuiten aber für die Anstifter des Attentats. Mehrere, darunter auch A. nebst seinen Söhnen und seinem Schwiegersohne, wurden 13. Jan. 1759 hingerichtet, ihre Güter eingezogen, die Jesuiten verbannt. Der Prozeß ist, nach Olfers («Über den Mordversuch gegen den König Joseph von Portugal», Berl. 1839), äußerst unregelmäßig geführt worden und der größere Teil der Verurteilten wahrscheinlich unschuldig gewesen. Unter der Regierung Marias I. hat eine Revision des Prozesses stattgefunden, und ein Erkenntnis vom 23. Mai 1781 das frühere Urteil in Bezug auf sechs Personen widerrufen und deren Rehabilitierung verfügt, diese hat indessen niemals stattgefunden.

Avé-Lallemant (spr. -lallmáng), Friedr. Christian Benedikt, ein um das Polizeiwesen verdienter Schriftsteller, geb. 23. Mai 1809 zu Lübeck, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte 1830-34 zu Jena die Rechte. Nach Lübeck zurückgekehrt, wurde A. Advokat, 1843 Obergerichtsprokurator. Die Herausgabe einer Polizeiordnung für Lübeck hatte 1851 seine Berufung an das Polizeiamt zur Folge, an dem er bis 1868 wirkte. Er starb 20. Juli 1892 in Marienfelde bei Berlin. Als Ergebnis kriminalistischer, kulturhistor. und linguistischer Studien sowie reicher Erfahrungen veröffentlichte er ein Werk: «Das deutsche Gaunertum» (4 Bde., Lpz. 1858-62). Als Ergänzungen erschienen «Die Mersener Bockreiter des 18. und 19. Jahrh." (Lpz. 1880) und «Der Magnetismus mit seinen mystischen Verirrungen» (ebd. 1881). Von A.s sonstigen litterar. Arbeiten sind die kleinen Schriften «Die Krisis der deutschen Polizei» (Lpz. 1861, «Die Reform der Polizei in Hamburg» (Hamb. 1862) und «Die norddeutsche Bundespolizei» (Berl. 1868) hervorzuheben. Später veröffentlichte A. außer kleinern Abhandlungen (wie «Die Geheimschreibekunst», Lpz. 1875) mehrere Polizeiromane, wie «Die Mechulle-Leut'» (2 Bde., ebd. 1867; 2. Aufl. 1870), «Der Erb- und Gerichtsherr» (3 Bde., Hannov. 1870), «Herz und Geld» (3 Bde., ebd. 1871), «Jada» (3 Bde., Dresd. 1878); auch verfaßte er eine «Physiologie der deutschen Polizei» (Lpz. 1882).

Avé-Lallemant (spr. -lallmáng), Robert Christian Berthold, Bruder des vorigen, geb. 25. Juli 1812 zu Lübeck, studierte 1833-37 zu Berlin, Heidelberg und Paris Medizin und ging darauf nach Rio de Janeiro, wo er sich als Arzt niederließ und später Mitglied des obersten Gesundheitsrats für Brasilien wurde. Er kehrte 1855 nach Deutschland