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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Azorubin; Azote; Azotos; Azoturie; Azoverbindungen

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Azorubin - Azoverbindungen

reichen. Auch die wilden Säugetiere (Kaninchen, Wiesel, Ratten, Mäuse) sind, mit einziger Ausnahme einer Fledermaus, von Menschen teils absichtlich, teils unabsichtlich eingeführt. Die 42 brütenden Landvögel weichen kaum von den europäischen ab; nur ein Gimpel ist den A. eigentümlich. Reptilien und Amphibien, außer dem eingeführten Frosch und einer verschleppten Echse, fehlen. Unter den Schmetterlingen befindet sich eine nordamerik. Art, unter den Käfern drei südamerik. Arten.

Handel und Gewerbe. Landwirtschaft wird nur auf São Miguel, Fayal und Graciosa mit einiger Einsicht betrieben. Bedeutend ist der Handel, besonders mit Portugal, England, Brasilien und Nordamerika. Hauptgegenstände der Ausfuhr sind Wein und Branntwein, Orseille (aus Färberflechten), Orangen, Ananas, Getreide, Hülsenfrüchte, Rindvieh, Schweine, Salzfleisch, Käse, Öl, Vogelfedern und aus solchen verfertigte kostbare Blumen, Stroh zu Hüten. Die Orangen spielen die Hauptrolle, sie gehen fast ausschließlich nach England, da sie den Transport nicht so gut vertragen wie die italienischen. Ihr Exportwert betrug 1872: 80705 Pfd. St. 1878-88 wurden jährlich zwischen 400000 und 500000 Kisten à 400 Stück nach England ausgeführt. Sie heißen dort St. Michaels-Orangen, nach dem Haupthafen. Unter den 34 Arten von Farnen ist die stattliche Dicksonia culcita. L'Herit. auf allen größern Inseln verbreitet und wird viel gesammelt, um als Stopfmaterial für Matratzen unter dem Namen Cabellinho in Portugal und Brasilien Verwendung zu finden. Bodenkultur wie Ausfuhr sind dadurch beeinträchtigt, daß der bei weitem größere Teil des Landes großen Landbesitzern (Morgados) gehört, von denen Pächter kleine Teile erhalten. Armut herrscht daher allgemein, und die Auswanderung nach Britisch-Guayana/Westindien, Brasilien und den Hawaii-Inseln ist anhaltend. Industrie fehlt gänzlich; die Inseln werden meist von England aus mit Manufakturwaren versehen, außerdem werden Rum, Zucker, Thee und Kaffee importiert.

Geschichte. Daß die A. schon von Karthagern besucht wurden, scheinen die auf Corvo gefundenen punischen Münzen zu beweisen. Auch den Normannen und Arabern waren sie bekannt. Indessen erst seit der Besetzung durch die Portugiesen wurden die Inseln genauer erforscht. Der Komtur Gonçaló Velho Cabral entdeckte 1431 die Klippen der Formigas und 1432 Sta. Maria. Schon auf der Welttafel des Venetianers Andreas Bianco von 1436 und auf der catalon. Karte des Gabriel de Balsecea von 1439 sind die A. angegeben als von Diego von Sevilla 1427 gesehen, und sogar auf dem mediceischen Portulan von 1351 ist bereits der ganze Archipel genau und im einzelnen merkwürdig richtig angegeben. 1444 wurde São Miguel, 1449 Terceira, São Jorge, Fayal, Flores und (wenn nicht erst 1460) Corvo, 1453 Graciosa entdeckt. Sämtliche Inseln waren bei ihrer Besitznahme unbewohnt, reich an Wald und Vögeln. Die ersten portug. Kolonien erhielten Sta. Maria und São Miguel gleich nach ihrer Auffindung. Der Volksglaube hielt die A. für die Inseln der Sete-Cidades oder Sieben Städte, das Asyl von sieben Bischöfen, die nach der Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Araber sich geflüchtet und sieben Städte gegründet haben sollten. Columbus hielt den Archipel für die Atlantis (s. d.). König Alfons V. trat 1466 die Insel Fayal an seine Tante Isabella, Herzogin von Burgund (Mutter Karls des Kühnen), auf Lebenszeit ab, worauf sich viele Ansiedler aus Flandern auf derselben einfanden. Daher auch der Name der Flandrischen, Flamländischen oder Vlämischen Inseln (Ilhas Flamengas), den freilich manche davon ableiten, daß ein Kaufmann Vanderborg aus Brügge die Inseln 1439 zuerst aufgefunden haben soll. Infolge jener Schenkung wurde Jobst von Hürter aus Moerkirchen mit einer flamländ. Kolonie als Lehnsmann und erblicher Statthalter nach Fayal und Pico geschickt. Dessen Tochter Johanna heiratete 1486 den berühmten Kosmographen Martin Behaim (s. d.), der sich 1486-90 und wieder 1494-1506 in Fayal aufhielt. Mit dem Tode der Herzogin Isabella kam Fayal wieder an Portugal, und gleich diesem standen die A. 1580-1640 (Terceira erst seit 1583) unter span. Herrschaft. In neuerer Zeit wurden die Inseln dadurch wichtig, daß der Angriff gegen Dom Miguel 1832 von hier ausging.

Vgl. Hebbe, Nachrichten von den A., besonders der Insel Fayal (deutsch von Rühß, Weim. 1806); Boid, Description of the Azores (Lond. 1835); Kerhallet, Description nautique de l'archipel des Açores (Par. 1858); G. Hartung, Die A. in ihrer äußern Erscheinung und nach ihrer geognost. Natur geschildert (Lpz. 1860); Morelet, Iles Açores. Notice sur l'histoire naturelle des Açores (Par. 1860): Godmann, Natural history of the Azores (Lond. 1870).

Azorubin, ein Teerfarbstoff, der in zwei Arten in den Handel kommt, nämlich als A. S und A. 2S; beide erhält man als braune, in Wasser mit schön roter Farbe lösliche Pulver; sie färben mit verschiedenen Schattierungen rot. Ersteres ist die Natriumverbindung der Naphthionazo-α-Naphtholmonosulfosäure, das A. 2S dagegen die Natriumverbindung der Amidoazobenzolmonosulfosäure und Azo-α-Naphtholmonosulfosäure.

Azote (spr. asótt), der im Französischen gebräuchliche Name für das Element Stickstoff.

Azotos, griech. Name für Asdod (s. d.).

Azoturie (grch.), Harnstoffruhr, die abnorme Vermehrung der Stickstoffausscheidung durch den Harn, giebt sich durch ein Übermaß von Harnstoff im entleerten Harn zu erkennen; sie findet sich bei vielen fieberhaften Krankheiten, bei Einwirkung gewisser Gifte, die den Eiweißzerfall befördern (z. B. Phosphor), sowie mitunter bei Zuckerharnruhr.

Azoverbindungen, eine Klasse von organischen Verbindungen, deren einfachstes Glied das Azobenzol (s. d.) ist. Sie enthalten die aus zwei Stickstoffatomen bestehende Azogruppe –N:N-, die beiderseits mit aromatischen Kernen verkettet ist. Die A. sind gelb, rot oder braun gefärbte feste Körper von neutraler Reaktion und großer Beständigkeit. Durch starke Reduktionsmittel, wie Zinn und Salzsäure, werden die A. unter Bildung von Amidoverbindungen gespalten. So entsteht aus Azobenzol Anilin:

C6H5 N:N C6H5 + 2H2 = 2C6H5 NH2^[C_{6}H_{5} N:N C_{6}H_{5} + 2H_{2} = 2C_{6}H_{5} NH_{2}].

Man unterscheidet von den A. die Azoxy- und die Hydrazoverbindungen, welche gleichsam einen Übergang vom Nitrobenzol zum Anilin bilden:

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