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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Babylonien (Sprache. Litteratur)

(s. El-Amarna), gemachter Fund von Keilschriftthontafeln zeigt einen regen Verkehr dieser Könige, die ungefähr im 15. Jahrh, gelebt haben müssen, mit den ägypt. Königen der XVIII. Dynastie, insbesondere Amenophis III. und IV. Die hauptsächlichsten Herrscher der kassitischen Dynastie (die der sog. fünften Dynastie des Berosus gleichgesetzt wird) sind Karaindasch, Kurigalzu und Burraburiasch.

Außerdem sind noch von zwei altbabylon. Herrschern, Merodach-Baladan I. und Nebukadnezar I., Inschriften erhalten. Die ältesten assyr. Inschriften, welche (zum Teil auf Backsteinen) bis auf unsere Zeit gekommen sind, geben meist nur die Genealogie und die Namen von Tempeln sowie der Götter, denen diese geweiht waren, an. Erst mit Rammannirari I. (etwa 1400 v. Chr.) beginnen die Geschichtsquellen reichlicher zu fließen und erzählen von da an von der fortwährenden Ausdehnung und wachsenden Macht Assyriens. Der nächste König, Salmanasar I., breitete das Reich seines Vaters nach Nordwesten aus. Und schon unter dessen Nachfolgern begannen die erbitterten Kämpfe mit B., die zwar Babel nicht in ein dauerndes Abhängigkeitsverhältnis zu Assyrien brachten, aber doch seine weltbeherrschende Macht für lange Zeit unterminierten und ihm tiefe Demütigungen zuzogen. Der ruhmreichste Herrscher dieses Zeitraums ist Teglattphalasar I. Ihm folgten seine beiden Söhne Aschschurbilkala und Schamschiramman III.; nach ihnen geriet das Assyrische Reich auf lange Zeit in tiefen Verfall, von welchem es sich erst unter Aschschurnasirapal (Assurnasirbal) wieder erholte. Auf diesen folgte sein mächtiger Sohn Salmanasar II., und auf ihn sein Sohn Schamschiramman IV. (824-811 v. Chr.), der während einer Empörung den Thron bestieg und mehrere erfolgreiche Züge gegen die mit den Elamitern, Chhaldäern und südöstl. Aramäern verbündeten Babylonier unternahm, sich aber, wie es scheint, nicht stark genug fühlte, auch Syrien und Phönizien anzugreifen. Nach seinen: Tode bestieg Rammannirari III. (811-782) den Thron und stellte das Reich Aschschurnasirapals und Salmanasars II. wieder in seiner vollen Größe her. Die folgenden Könige, Salmanasar III. (782-772), Aschschurdajan III. (772-754) und Aschschurnirari (754-745) standen an Ruhm ihren Vorgängern weit nach. Desto kräftiger und glanzvoller entfaltete sich aber das Reich unter Teglattphalasar III., vermutlich einem Usurpator. Ihm folgte Salmanasar IV. (727-722), worauf mit Sargon II. (s. d.) wiederum eine andere Dynastie auf den Thron gehoben wurde, unter der das Reich den Gipfel seiner Macht erreichte: unter Sanherib, Asarhaddon und Sardanapal. Über den jähen Zusammenbruch der assyr. Herrschaft sind die nähern Umstände noch unbekannt.

Eine kurze Blütezeit erlebte das darauf folgende sog. Neubabylonische Reich, von den Juden Chaldaisches Reich genannt, das begründet wurde von dem Chaldäer Nabopolassar und auf seinem Höhepunkte unter Nebukadnezar II. stand. Der letzte babylon. König war Nabonid, mit dessen Tode die Herrschaft B. an die Perser aus der Dynastie der Achämeniden kam (538 v. Chr.).

Sprache. Die Sprache der Babylonier-Assyrer gehört zu den semitischen und zeichnet sich durch Vokalreichtum, Durchsichtigkeit der Formen und eine Reihe von Lauteigentümlichkeiten des Konsonantenbestandes und -Wandels aus. Sie läßt sich in ihrer Entwicklung weiter zurückverfolgen als irgend eine andere semitische Sprache und ist sehr wohl dazu geeignet, wertvolles Material zu einer vergleichenden Grammatik dieser Sprachen zu liefern. Die dialektischen Unterschiede zwischen dem Babylonischen und Assyrischen sind, wenn überhaupt sicher nachweisbar, unbedeutend. Der Wortschatz des Lexikons scheint sehr reich zu sein, ist aber bis jetzt nur zu einem geringen Teile bekannt, da nur ein Bruchteil der Inschriften ausgegraben ist und von den etwa 160000 Texten in Europa, Asien und Amerika kaum mehr als 6000 publiziert vorliegen.

Litteratur. Die gesamte Litteratur der Babylonier-Assyrer ist Keilschriftlitteratur (s. Keilschrift); abgesehen von den Achämeniden- und noch einigen andern Felseninschriften ist sie durch Ausgrabungen in der Thalebene des Euphrat und Tigris (s. Mesopotamien) erbeutet worden. Die hauptsächlichsten Fundstätten sind: Abu-Habba, Balawat, Chorsabad, Derr, Kileh-Schergat, Kujundschik, Mugheir, Nebijunus, Nisser, El-Nimrud und Tell el-Amarna in Ägypten. Die wichtigsten Expeditionen dorthin wurden geleitet von Rich (1811-20), Botta (s. d., 1842-45), A. H. Layard (1845-50), Fresnel und Oppert (s. d., 1851-54), Victor Place (1852), Henry Rawlinson (s. d.), Loftus und Taylor (1853-55), George Smith (s. d., 1873, 1874, 1876), H. Rassam (s. d., 1854, 1877-79, 1880-83), E. de Sarzec (1878-82), E. A. W. Budge (1888, 1889, 1891), John Peters (1889-91). Die Hauptmuseen, in denen assyr. Altertümer aufbewahrt werden, sind das Britische Museum und der Louvre zu Paris. Auch im Museum zu Berlin, der University of Pennsylvania, und im kaiserl. Museum zu Konstantinopel befinden sich größere Sammlungen. Das Material, worauf die Inschriften aufgeschrieben wurden, war Stein (Backstein, Marmor, Alabaster, Diorit), so bei Platten- und Ziegelinschriften, Basreliefs, Inschriften auf Obelisken, Statuen, Stier- und Löwenkolossen. Eingegraben oder eingeschnitten wurden die Schriftzüge der Metallinschriften (Gemmen, Kameen und Siegelcylinder) auf Mineralien, Gesteine und Artefakte. Das verbreitetste Schreibmaterial war aber der Thon, aus dem Prismen, Cylinder und Tafeln hergestellt wurden.

Ihrem Inhalte nach zerfallen die babylon.-assyr. Inschriften in folgende Klassen:

I. Historische Inschriften. Die Hauptmasse derselben bilden die sog. Königsinschriften, welche kürzere oder längere Nachrichten über die babylon. und assyr. Herrscher enthalten, die die Hauptquelle für die babylon.-assyr. Geschichte bilden. Von nicht geringem Nutzen sind eine Reihe von Königslisten und Chroniken, darunter auch eine sog. synchronistische Tafel, die die Wechselbeziehungen zwischen Babel und Assur darstellt, sowie ganz besonders die Verzeichnisse der Eponymen, nach denen in Assyrien, wie in Griechenland nach den Archonten und in Rom nach den Konsuln, das Jahr benannt und gerechnet wurde. Auch die Tausende zählenden Rechtsurkunden aller Art, die ein weit vorgeschrittenes, auf sorgfältig gepflegter Urkundlichkeit der Verträge beruhendes Rechtswesen erkennen lassen, und ferner die Erlasse, Briefe und Berichterstattungen und mehrere der sog. Omina haben histor. Interesse, insofern sie entweder genau datiert sind (oft mit doppelter Angabe der Regierungsjahre des jeweiligen Königs von Assyrien und des Königs von Babylon) oder (wie die polit. Briefe) Namen und Berichte enthalten, die mit solchen der Königsinschriften im engsten Zusammenhang stehen.