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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Baden

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Baden (Baden-Baden)

liberalen, 14 Klerikalen, 3 Demokraten und 1 Konservativen. Sie genehmigte 1886 das Gemeindesteuergesetz, worin die Einkommensteuer in die Gemeindebesteuerung eingeführt wurde, und die Dotation von je 200000 M. auf neun Jahre für gering besoldete evang. und kath. Kirchendiener. Die gemäßigt-klerikale Fraktionsmehrheit unter Lender löste sich von der unversöhnlichen Minderzahl, die sich unter den Befehl Windthorsts stellte, förmlich los. Nach dem Tode des Erzbischofs Orbin (8. April 1886) wurde Bischof Roos von Limburg Erzbischof von Freiburg.

Die Wahlen zu dem Landtag von 1887-88, der am 22. Nov. 1887 eröffnet wurde, hatten der ultramontanen Partei einen Verlust von 5 Stimmen, den Demokraten einen solchen von 2, beides zum Vorteil der Nationalliberalen gebracht. Die Tagung der Stände war besonders durch zwei Vorlagen in Anspruch genommen: ein Kirchengesetz und ein Gesetz über Stellung und Gehaltsverhältnisse der Staatsdiener aller Stufen. Schon die Thronrede hatte erklärt, daß die Regierung auf einige vom staatlichen Interesse nicht mehr gebotene Einschränkungen der kath. Kirche verzichten werde. Allerdings konnte sich die liberale Majorität nicht entschließen, allen Vorschlägen der Regierung zuzustimmen. Immerhin bewies das am 5. Juli 1888 veröffentlichte Gesetz, zumal in der Bestimmung, daß es der Kirche gestattet sei, Anstalten und Konvikte zur Ausbildung ihrer Geistlichen zu errichten, daß sie und auch die Kammern bestrebt seien, den Frieden zwischen Kirche und Staat herzustellen und zu sichern. Das Beamtengesetz wurde erst 1889 durchberaten und am 24. Juli mit Gehaltsordnung und Etatsgesetz veröffentlicht; 1890 trat dasselbe ins Leben. Im Landtag von 1890 brachte die Regierung eine wichtige Novelle zur Gemeindeordnung, die nach den Beschlüssen der Kammern allen Gemeinden von über 500 E. das Recht giebt, die Einwohnergemeinde einzuführen, Bürgermeister und Gemeinderat indirekt und zwar den erstern auf 9, statt auf 6 Jahre zu wählen. Bei den Reichstagswahlen im Febr. 1890 verlor die nationalliberale Partei alle Sitze (gewählt 8 Klerikale, 3 Konservative, 1 Freisinniger, 1 Demokrat, 1 Socialdemokrat). Am 9. Okt. legte Turban das Präsidium des Ministeriums des Innern nieder, das Eisenlohr übernahm, blieb aber Präsident des Staatsministeriums.

Schwere Verluste erlitt die nationalliberale Partei bei den Landtagswahlen 1891, behielt aber die Mehrheit mit einer Stimme. Es wurde mit dem Landtag im April 1892 ein Gesetz zur finanziellen Ordnung des Elementarunterrichts vereinbart. Ein von Demokraten und Ultramontanen befürworteter Antrag zu Gunsten direkter Landtagswahlen und einer Gesamtrevision der Verfassung wurde 13. Mai trotz des Widerspruchs der Regierung angenommen, dagegen ein Antrag der Centrumspartei, der die Zulassung der religiösen Orden zu erleichtern bezweckte, 28. Mai mit 31 gegen 28 Stimmen abgelehnt. Im März 1893 traten Ministerpräsident Turban und Finanzminister Ellstätter zurück und an Stelle des erstern der Justiz- und Kultusminister Nokk mit Beibehaltung seines Ressorts; Finanzminister wurde Ministerialrat Buchenberger, an die Spitze eines neu errichteten vierten Ministeriums (Auswärtiges u. s. w., s. S. 262a) trat der bisherige Gesandte in Berlin, von Brauer. Bei den Landtagswahlen Okt. 1893 verloren die Nationalliberalen zwei Sitze an das Centrum und büßten damit ihre langjährige absolute Mehrheit ein (über die Zusammensetzung der Zweiten Kammer wie die Ergebnisse der Reichstagswahl 1893 s. S. 262a). In der 22. Nov. eröffneten, 28. Juni 1894 geschlossenen Landtagssession wurde eine Erhöhung der Einkommensteuer durch Einführung einer Progression bei den höhern Einkommen, die Erweiterung des Staatsbahnnetzes und eine Ergänzung zu dem Gesetze über die Aufbesserung der Beamtengehalte beschlossen. Von den verschiedenen klerikalen Anträgen, wurde der auf unbeschränkte Zulassung der geistlichen Orden abgelehnt, dagegen wurde die Zulassung von Missionen durch Ordensleute genehmigt. Am 22. Juni 1894 nahm die Zweite Kammer einen Antrag auf Einführung der direkten Landtagswahl mit Proportionalvertretung an, und die Regierung sagte zu, auf Grund dieses Beschlusses, aber unter Berücksichtigung der örtlichen Interessen, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten. 1894 wurde auch eine Gesandtschaft an den Höfen in München und Stuttgart errichtet.

Litteratur. Bader, Bad. Landesgeschichte (Freiburg 1834; 3. Aufl. 1864); Preuschen, Bad. Geschichte (Karlsr. 1842); Bierordt, Bad. Geschichte bis zum Ende des Mittelalters (Tüb. 1865); Bekk, Die Bewegung in B. am Ende Febr. 1848 bis Mitte Mai 1849 (Mannh. 1850); Fr. von Weech, Die Zähringer in B. (Karlsr. 1881); ders., Bad. Biographien (3 Bde., Heidelb. und Karlsr. 1875-81); ders., Bad. Geschichte (Karlsr. 1890).

Baden. 1) Kreis im Großherzogtum B., bildet das südl. Drittel des Landeskommissariatsbezirks Karlsruhe, besteht aus Teilen der alten Markgrafschaft B., der Grafschaft Eberstein und der Ortenau und hat 1045,28 qkm, (1890) 137159 (68044 männl., 69115 weibl.) E., 27598 Haushaltungen in 99 Gemeinden. Von der ortsanwesenden Bevölkerung sind: 11567 Evangelische, 124505 Katholiken, 880 Israeliten und 207 sonstige.

Der Kreis zerfällt in 4 Amtsbezirke:

Amtsbezirk qkm Haushaltungen Einwohner pro qkm Evang. Kathol. Israel.

1. Achern 181,61 4345 22809 126 911 21874 16

2. Baden 140,45 5724 27163 194 3932 22941 111

3. Bühl 211,92 5845 29911 141 610 29032 265

4. Rastatt 511,30 11684 57276 112 6114 50658 488

2) Amtsbezirk im Kreis B., hat (1890) 27163 (12520 männl., 14643 weibl.) E. in 8 Gemeinden.

3) B., gewöhnlich Baden-Baden genannt, Hauptstadt des Kreises und Amtsbezirks B., einer der glänzendsten und besuchtesten Badeorte Europas, liegt in 183 m Höhe in dem reizenden, durch mildes Klima ausgezeichneten Thale des Oosbachs, das sich in das Rheinthal öffnet, an der Linie Oos-B. (4,21 km) der Bad. Staatsbahnen.

^[Abb]

Die Temperaturmittel ergeben für den Winter +1,26° C., Frühling +8,91°, Sommer +16,62°, Herbst +8,67° und für das ganze Jahr 8,94°; der mittlere Luftdruck 742,70 mm, die jährliche relative Feuchtigkeit 79%. B. hat (1890) 13889 E., darunter 3512 Evangelische und 112 Israeliten, Post erster Klasse und Telegraph mit Zweigstellen, Fernsprecheinrichtung, Be-^[folgende Seite]