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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Baden (Baden-Baden)

zirksamt, Amtsgericht (Landgericht Karlsruhe), Zollamt, Hauptsteueramt, Zollabfertigungsstelle und Bahnamt (4,2i km Linien) der Bad. Staatsbahnen. Der Ort ist in seinem ältern Teile amphitheatralisch an einem Hügel, in seinem neuern, ganz modern angelegten, an prachtvollen Hotels, eleganten Villen und Privatwohnungen reichen größern Teile am Fuße desselben erbaut und bat drei kath. und eine neue prot. Kirche in got. Stile, eine griech. Kapelle, 1863-66 von Klenze erbaut, mit goldener Kuppel und den Gräbern der rumän. Fürstenfamilie Sturdza, eine russ. Kirche und eine Kirche für den anglikan. Ritus in normann. Stile. Im Chor der im 15. Jahrh, aufgeführten, 1866 erneuerten Pfarr- oder Stiftskirche finden sich die Grabmäler der kath. Markgrafen von Baden seit 1431. Auf einem Hügel über der Stadt liegt das 1479 auf röm. Fundamenten angelegte, 1689 nebst der Stadt von den Franzosen zerstörte, dann teilweise wiederhergestellte sog. Neue Schloß, in dem der Großherzog mit Familie mehrere Monate im Jahre residiert. 1891 wurde beim Neubau des Rathauses in einer Tiefe von 10 m eine Höhle entdeckt mit Fundgegenständen der röm. und vorröm. Zeit; dieselbe ist 3-10 m hoch und 3-5 m breit und war mit Wasser gefüllt. Die heißen Quellen, denen B. seine Blüte und seinen Ruf als Kurort verdankt, sind sehr zahlreich, (über 20) und liefern täglich ungefähr 800000 l Wasser von 44 bis 67° C. Sie entspringen aus dem Felsen der Schloßterrasse hinter dem neuen Friedrichsbad und der Pfarrkirche und werden durch Röhren in die Bäder der Stadt geleitet. Die ergiebigste ist der «Ursprung» (68,63° C.), mit einem röm. Überbau, über dem sich die großartigen Gebäude des neuen Friedrichsbades erheben. Dieses, nach Entwürfen von Dernfeld im Renaissancestil aufgeführt und 1877 eröffnet, ist heute die eleganteste derartige Anstalt in Europa. Weitere bedeutende Anstalten sind das neue prachtvolle «Kaiserin-Augusta-Bad» neben dem Friedrichsbade und das großherzogl. Landesbad an der Gernsbacher Straße als Ersatz für das ehemalige Armenbad und das von der Großherzogin gestiftete Ludwig-Wilhelms-Pflegehaus. Die Quellen gehören zu den erdigsalinischen Kochsalzthermen. Ihr spec. Gehalt bleibt sich jedoch nicht gleich, ebensowenig ihre Temperatur. Man benutzt das Wasser zum Baden, zu Douchen, Einspritzungen, aber auch zum Trinken und zur Bereitung von Pastillen, gegen Unterleibskrankheiten, Menstruationsstörungen, Skrofeln, alte rheumatische und gichtische Übel, Hautkrankheiten, Störungen der Nieren und der Harnorgane, chronische Katarrhe, Lähmungen u. s. w. Die im Friedrichsbade untergebrachte Anstalt für «Schwedische Heilgymnastik» ist das bedeutendste derartige Institut in Deutschland. In der Falkenhalde (Stephanienbad und Stahlbad) und in Lichtenthal befinden sich drei schwache Stahlquellen.

Der Ruf des Bades stieg besonders gegen Ende des 18. Jahrh, durch den Besuch franz. Emigranten, und seit 1804 hat die bad. Regierung alles gethan, um dasselbe in die Höhe zu bringen. Bereits 1815 zählte man 2460 Badegäste. Seitdem ist B. und nicht zum wenigsten durch die 1872 aufgehobene Spielbank ein Modebad geworden, in dem sich durch den Besuch von jährlich 60000 Gästen aus allen Ländern der Erde während des Sommers ein Leben entfaltet, das an Reichtum und Glanz sich mit dem einer Weltstadt messen kann. Die (Sommer-)Saison dauert vom 1. Mai bis 1. Nov. und erreicht im Juli und August ihren Höhepunkt; die 1872 eingerichtete Wintersaison zieht jedoch ebenfalls eine beträchtliche Zahl Kurgäste herbei. Vereinigungspunkt der Kurgäste ist das Konversationshaus, 1824 von Weinbrenner im Renaissancestil erbaut, 1854 bedeutend vergrößert, mit prächtig geschmückten Speise-, Konzert- und Ballsälen, von Alleen und Anlagen umgeben, die sich jenseit der 85 m langen Neuen Trinkhalle hinziehen und in der berühmten Lichtenthaler Allee ihre Fortsetzung finden. Die Trinkhalle, 1839-42 von Hübsch aufgeführt, ist mit 14 Freskendarstellungen aus den Sagen des Schwarzwaldes von Götzenberger in der von korinth. Säulen getragenen Vorhalle geschmückt. Davor steht seit 1875 die Marmorbüste des Kaisers Wilhelm I., die der Kaiserin Augusta seit 1892 an der Lichtenthaler Allee. Am Eingänge zu dieser erhebt sich das nach Plänen von Derchy 1861 erbaute Theater (1200 Plätze), in dem das Personal des Hoftheaters zu Karlsruhe und andere große Opern- und Operettengesellschaften Vorstellungen geben; dahinter die Kunsthalle mit permanenter Ausstellung; auf dem Leopoldsplatze das eherne Standbild des Großherzogs Leopold (1861). B. hat ein Gymnasium, (Direktor Frühe, 18 Lehrer, 208 Schüler), verbunden mit einer Realabteilung, eine höhere Mädchenschule, höhere weibliche Lehr- und Erziehungsanstalt im Kloster zum heil. Grabe, eine Zweiganstalt des Victoriastifts in Karlsruhe, eine Gewerbeschule, ein Krankenhaus und andere Wohlthätigkeitsanstalten. Seit 1857 werden alljährlich Ende August fünftägige große Pferderennen und Ende September zweitägige Trabrennen in dem 7 km entfernten Iffezheim gehalten. Die interessantesten Punkte der Umgebung sind: das 3 km entfernte sog. Alte Schloß (Hohenbaden, in 473 m Höhe, 1689 ebenfalls von den Franzosen zerstört), dessen Ruinen eine prächtige Aussicht über das Rheinthal von Speier bis gegen Straßburg gewähren; die Trümmer der Ebersteinburg (s. d.), ebenfalls mit schöner Fernsicht; das 1245 gestiftete Cistercienserinnenkloster Lichtenthal (186 m), in dessen Kirche sich Grabmäler Baden-Durlacher Markgrafen finden und das noch von 16 bis 18 Cistercienserinnen bewohnt wird; ferner der Merkur (672 m), das malerisch gelegene neue Schloß Eberstein (310 m, 1798 vollendet) und das 1725 von der Markgräfin Sibylle Auguste im Barockstil erbaute Lustschloß Favorite (131 m), während der Belagerung von Rastatt 1849 preuß. Hauptquartier; die Yburg mit prächtiger Aussicht, das Jagdhaus, die Fischzuchtanstalt Gaisbach. In unmittelbarer Nähe befinden sich neu erbaute Luftkurorte, denen sich die großen Luftkurorte Oberplättig, Sand, Herrenwies und Hundseck in weiterer Entfernung anschließen.

Die Römer, die die Heilquellen schon kannten, nannten, den Ort dem Kaiser Aurelius Severus Alexander zu Ehren Civitas Aurelia aquensis und legten Bäder an, von denen später Stadt und Land den Namen erhielten, nachdem B. im 12. Jahrh, in Besitz der Markgrafen aus dem Hause Zähringen gelangt war. Letztere hatten seit dem Jahre 1110 auf dem sog. Alten Schlosse nordöstlich der Stadt ihren Sitz, bis sie gegen Ende des 15. Jahrh, nach dem Neuen Schloß bei der Stadt übersiedelten. Nach Teilung der bad. Lande blieb B. bis 1689 die Residenz des Baden-Badenschen Zweigs, der dann nach Rastatt übersiedelte und 1771 ausstarb.