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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bagara; Bagasse; Bagatelle; Bagatellsachen; Bagauden; Bagdad

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Bagara – Bagdad (in Mesopotamien)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bagamojo'

schenden Malaria sehr ungünstig, namentlich für Europäer; der gefährlichste Monat ist der Juni; der beste scheint der September zu sein. – Der Aufstand gegen die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft begann in B. 21. Aug. 1888; am 22. Sept. beschoß die Korvette «Leipzig» den Ort und setzte Landungstruppen aus, die siegreich in die Stadt eindrangen. Am 8. Mai 1889 eroberte Wißmann das befestigte Lager Buschiris in der Nähe von B.

Bagara, ein kriegerischer nub. Volksstamm im obern Nilgebiet, südlich von Kordofan. Die B. führen ein Nomadenleben als Viehzüchter und Elefantenjäger. Sie traten als Söldner vor mehrern Jahrzehnten in den Dienst der ägypt. Regierung und unterwarfen die Schilluk und Dinka der Herrschaft derselben. Aber auch den Sklavenjägern dienten sie vielfach als militär. Eskorte. In Kaka am Bahr el-Abiad (weißer Nil) haben sie ihren Hauptsammelort und Hafenplatz. Ihr Häuptling Mohamed Kher war der Schrecken der umwohnenden Negerstämme.

Bagasse (Begasse), die ausgepreßten Stengel des Zuckerrohrs, die in den Kolonialzuckerfabriken meist als Heizmaterial verwendet werden.

Bagatelle (frz.), Kleinigkeit, Lumperei.

Bagatéllsachen, im Civilprozeß Rechtsstreitigkeiten von geringem Werte, für welche sich in Deutschland, wie in roman. Ländern, vereinfachte Prozeßformen ausgebildet hatten. Die Deutsche Civilprozeßordnung kennt eine besondere Prozeßart dafür nicht; sie hat nur für die nach §. 23 des Gerichtsverfassungsgesetzes den Amtsgerichten zugewiesenen Rechtsstreitigkeiten, welche außer einigen sachlichen Klassen vermögensrechtliche Ansprüche bis zu 300 M. umfassen, in den §§. 456–471 ein gegenüber dem landgerichtlichen Regelprozeß vereinfachtes Verfahren geschaffen. Für Österreich giebt es nach dem Gesetz vom 27. April 1873 ein auf dem Grundsatz der freien Verhandlung und Beweiswürdigung beruhendes Bagatellverfahren für Ansprüche bis zu 50 Fl. Geldwert.

Bagauden nannten sich die gallischen Bauern, die sich unter der Regierung des Diocletian 285 n. Chr. nicht so sehr gegen die röm. Oberherrschaft als gegen die Großgrundbesitzer ihres Landes erhoben. Anfangs blieben sie siegreich, so daß ihre Pläne bald höher gingen. Sie ernannten ihre Anführer Älianus und Amandus zu Kaisern und errichteten zwischen Seine und Marne ein befestigtes Lager. Doch wurden sie vom Cäsar Maximian überwunden; aber selbst noch nach hundert Jahren mußten Bagaudenunruhen wiederholt unterdrückt werden.

Bagdad (Baghdad), im Mittelalter in der abendländ. Form auch Baldach genannt, von den Mohammedanern mit dem Ehrennamen Dar as-Salâm («Stadt des Heils») ausgezeichnet, Hauptstadt des asiat.-türk. Wilajets B. (142000 qkm, 850000 E.) im mittlern Mesopotamien, zu zwei Dritteilen auf dem linken Ufer, d. h. der Ostseite des in der Landessprache Schatt genannten Tigris, über den zwei je auf 17–19 Pontons ruhende, 200–220 m lange Schiffbrücken führen, während das alte B., die Residenz der abbâsidischen Chalifen und einst die größte Stadt der mohammed. Welt, an der Westseite des Flusses lag. Die ansässige Bevölkerung beträgt gegen 100000, eine Zahl, die vor 1831 überschritten, aber durch beständige Überschwemmungen stark vermindert worden war. Sie ist gemischt aus Arabern, Osmanlis, Kurden, Israeliten, Armeniern, Syrern, Nestorianern, zahlreichen ↔ Persern und wenigen Hindus. Die Mohammedaner zerfallen zu ziemlich gleichen Teilen in die feindlichen Sunniten und Schiiten. Die Perser treiben unter dem Schutze der türk. Regierung einen ausgebreiteten Handel. Die Israeliten (20000) sind auf einen abgesonderten Bezirk beschränkt. Die Straßen beider Stadthälften sind ebenso eng und schlecht gepflastert als in den meisten andern türk. Ortschaften; die Backsteinhäuser bestehen nur aus einem Keller- und einem Erdgeschoß mit darüber gelegener Terrasse. Fast alle Fenster öffnen sich nach der Seite des Hofs, der in den Wohnungen der Vornehmen mit Springbrunnen verziert und mit Ziegelsteinen gepflastert ist. Unter den Gebäuden der Stadt sind außer der halbverfallenen Citadelle in der nordwestl. Stromecke der Konak (der «Palast» des Generalgouverneurs) und das engl. Konsulat, letzteres mit schönem Garten, zu nennen. Unter der kurzen Statthalterschaft Midhat-Paschas (1868–72) wurde viel für Erleichterung des Verkehrs gethan: enge Gassen wurden erweitert, die Straßen gesäubert, Aus- und Einladeplätze am Stromufer angelegt. Aber seit seiner Abberufung ist alles wieder in den frühern Zustand verfallen.

Im Zeitalter der abbâsidischen Chalifen war B. der Sitz hoher Bildung und Gelehrsamkeit. Heute überwiegt das Handelsinteresse, und die von dem Chalifen Mostansir 1233 gegründete berühmte Medresse (Hochschule) ist längst in eine Karawanserai verwandelt worden, deren es an 30 giebt. Nächst den Handeltreibenden, deren Geschäfte stark von dem jeweiligen Verhältnis der Regierung zu den räuberischen Beduinenstämmen abhängen, strömen alle Fremden, namentlich Perser und Bekenner des Islams aus Indien hier zusammen, um die Gräber der von den Muselmanen verehrten Heiligen zu besuchen, unter denen das des von allen Mohammedanern hochgeachteten Scheich Abd el-Kader Ghilain und die am westl. Tigrisufer in der Nähe von B. befindlichen, besonders von den Schiiten verehrten Gräber der Imam Mohammed Kâsim und Mohammed Taki Erwähnung verdienen. Für die Handelsstellung B.s war die Eröffnung des Sueskanals von großer Bedeutung, insofern dadurch ein kommerzieller Frontwechsel bedingt wurde. Bis zum J. 1869 liefen die Verbindungslinien B.s für den Verkehr mit Europa ausschließlich durch die Syrische Wüste nach Damaskus und das armenische Hochland nach Norden. Jetzt kommt vor allem der Weg durch den Persischen und Arabischen Meerbusen in Betracht. Als Handelsstation zwischen Europa und Indien hat B. durch den abgekürzten Seeweg nach Indien verloren, ist aber dafür dem Abendland bedeutend näher gerückt worden. B. war seither eine Hauptniederlage für arab., ind. und pers. Erzeugnisse sowie für europ. Manufakturwaren und versah Kleinasien, Syrien und einen Teil Europas mit ind. Waren, die, zu Basra eingeführt, den Tigris in Booten stromaufwärts und in Karawanen weiter nach Konstantinopel, Haleb, Damaskus und in die westl. Teile Persiens gebracht wurden. B. selbst bringt Wolle, Datteln und Pferde zur Ausfuhr. Auch mit Juwelen wird einiger Handel getrieben. Einen glänzenden Anblick gewähren die besonders von Dawud Pascha erbauten, im ganzen Orient ausgezeichneten Bazars mit ihren 1200 Läden, gefüllt mit allen Gattungen orient. Waren. Die Hauptfabrikate bestehen in vielgerühmtem rotem und gelbem Leder, auch in seidenen, baumwolle-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 281.