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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bahnsteig; Bahnsucher; Bahnwärter; Bahnwärterhaus; Bahr; Bähr; Bahrain-Inseln

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Bahnsteig - Bahrain-Inseln

Bahnsteig, Perron, ein im Anschluß an das Empfangsgebäude parallel mit den Gleisen hergestellter, befestigter, offener oder bedeckter Platz, von dem aus der Ab- und Zugang der Reisenden von und nach den Zügen stattfindet (s. Bahnhöfe).

Bahnsucher, im wesentlichen ein parallaktisch aufgestelltes Fernrohr (s. Parallaktische Aufstellung), bei dem aber außer der Drehung um die Stunden- und Deklinationsachse auch noch die Drehung um eine dritte Achse möglich ist, deren Stellung zu diesen beiden innerhalb gewisser Grenzen beliebig geändert werden kann. Der B. eignet sich zum Aufsuchen von Kometen, deren Wiederkehr man erwartet, deren Bahn aber nicht sicher bekannt ist. Die Straßburger Sternwarte besitzt einen B. von 6 Zoll Öffnung.

Bahnwärter, s. Eisenbahnbeamte.

Bahnwärterhaus, s. Bahnhöfe (S. 294a).

Bahr, Handelsgewicht, s. Bahar.

Bahr oder Babri, im Arabischen soviel wie Meer oder großes Gewässer. Daher B. el-Akabah, der Meerbusen am Nordostende des Roten Meers; B. el-Huleh, der See Merom in Palästina; B. el-Jemen, das Rote Meer; B. el-Abiad, der Weiße Nil; B. Lut, das Tote Meer; Bahri Tabarijeh, der See von Tiberias; Bahri Venedik, das Adriatische Meer.

Bähr, George, Baumeister, geb. 15. März 1666 zu Fürstenwalde in Sachsen, gest. 16. März 1738 zu Dresden. Als Ratszimmermeister in Dresden baute er 1726-10 die Dresdener Frauenkirche mit der berühmten Kuppel. B. löste damit die Aufgabe einer prot. Centralkirche in vollendeter Weise und schuf eins der Hauptwerke des deutscheu Barockstils. Er baute vorher das Hotel de Saxe (1713-17) und das British Hotel (1720) in Dresden, die Kirchen zu Loschwitz (1708), Schmiedeberg i. S. (1713-16), Hohnstein (1725-26), Klingenthal i. S. (1722-36), Dreikönigskirche in Dresden u. a., in denen er mit Erfolg die Predigtkirche durchzubilden strebte.

Bähr, Joh. Christian Felix, Philolog und Altertumsforscher, geb. 13. Juni 1798 in Darmstadt als Sohn des bad. Prälaten, Kirchen- und Ministerialrats Johannes B., besuchte die Universität zu Heidelberg, habilitierte sich daselbst 1819 und erhielt 1823 eine außerordentliche, 1826 eine ordentliche Professur. Seit 1832 stand B. auch an der Spitze der Universitätsbibliothek. Er starb zu Heidelberg in der Nacht vom 28. zum 29. Nov. 1872. B. machte sich bekannt durch die mit Kommentarien versehenen Ausgaben der Plutarchschen Biographien des Alcibiades (Heidelb. 1822), des Philopömen, Flaminius, Pyrrhus (Lpz. 1826). Außerdem sammelte und erläuterte B. die Bruchstücke des Ktesias (Frankf. 1821). Seine Hauptwerke sind die «Geschichte der röm. Litteratur» (Karlsr. 1828; 4. Aufl., 3 Bde., 1868-73), woran sich ein 4. Band, drei Supplemente enthaltend: «Die christl. Dichter und Geschichtschreiber Roms» (ebd. 1836; 4. Aufl. 1872), «Die christl.-röm. Theologie» (ebd. 1837) und «Geschichte der röm. Litteratur im karolingischen Zeitalter» (ebd. 1840), anschließt, und die lat. Bearbeitung des «Herodot» (2. umgearbeitete Aufl., 4 Bde., Lpz. 1855-61), worin namentlich die Sacherklärung ausgezeichnet behandelt ist. Seit 1821 nahm er Anteil an den «Heidelberger Jahrbüchern», die er seit 1834 mit Schlosser, seit 1847 allein redigierte.

Bähr, Otto, Jurist und Politiker, geb. 2. Juni 1817 zu Fulda, studierte in Marburg, Göttingen und Heidelberg Rechts- und Staatswissenschaften, trat in den kurhess. Staatsdienst und wurde 1849 Obergerichtsrat in Cassel. Bei dem Verfassungskampf (1850) nahm er innerhalb seines Gerichts an der Verteidigung der Verfassung Anteil. Infolgedessen wurde er 1851 an das Obergericht in Fulda versetzt. 1856 wurde er an das Obergericht zu Cassel zurückberufen, 1863 zum Oberappellationsgerichtsrat daselbst befördert. 1867 trat er in das für die neuerworbenen Provinzen gebildete Appellationsgericht zu Berlin ein und wurde von der Stadt Cassel zum Mitglied des Reichstags und des preuß. Abgeordnetenhauses gewählt, welchen Körperschaften er 12 Jahre lang angehörte. Er schloß sich dort der nationalliberalen Partei an. 1875 und 1876 war er an den Arbeiten der Reichsjustizkommission beteiligt. 1879 wurde er zum Reichsgerichtsrat in Leipzig ernannt, mußte jedoch wegen körperlicher Leiden bereits 1881 dort ausscheiden. Er starb 17. Febr. 1895 in Cassel. Seine Monographie «Die Anerkennung als Verpflichtungsgrund» (Cass. 1855; 3. Aufl., Lpz. 1894) wirkte epochemachend, ebenso «Der Rechtsstaat» (Gött. 1864). Außerdem schrieb B. «Der deutsche Civilprozeß in praktischer Bethätigung» (Jena 1885), «Noch ein Wort zum deutschen Civilprozeß» (ebd. 1886), «Die Prozeß-Enquete des Prof. Wach» (Cass. 1888), «Zur Beurteilung des Entwurfs eines Bürgerlichen Gesetzbuchs» (Münch. 1888), «Gegenentwurf zu dem Entwurf eines Bürgerlichen Gesetzbuchs» (Cass. 1890-92, 5 Hefte), «Das Börsenspiel» (Lpz. 1894), «Das Tonsystem unserer Musik» (ebd. 1882) und «Eine deutsche Stadt vor sechzig Jahren. Kulturgeschichtliche Skizze» (ebd. 1884; 2. Aufl. 1886).

Bahrain-Inseln oder Aval-Inseln, Gruppe von Inseln, 30,4 km von der arab. Seite des Persischen Meerbusens entfernt, unter 26° nördl. Br. und 50° 39' östl. L. von Greenwich, in einer im SO. von der Halbinsel Katar und im NW. vom Rao Tannura begrenzten Bai. Die Bevölkerung beträgt etwa 68000, die Zahl der Dörfer 50. Am bedeutendsten ist Bahrain oder Aval, das alte Tylus; die andern sind kleine Eilande. Bahrain erstreckt sich 41 km von N. nach S., mit einer größten Breite von 15 km, ist im Innern etwas gebirgig, an den Küsten sehr flach und von vielen Sandbänken umgeben. Der Boden ist quellenreich und außerordentlich ergiebig, wenngleich nur teilweise gut angebaut, und liefert viel Datteln, Mandeln, Limonen, Granatäpfel, Wein, Feigen, Weizen und Gerste. Menama, die Hauptstadt, am nordöstl. Ende der Insel, zählt etwa 8000 E., ist gut gebaut, besitzt zwei Häfen, einen reichen Bazar und große Karawanseraien zur Aufnahme der zahlreichen Kaufleute, welche zur Zeit der Perlfischerei (April bis Oktober) sich hier einfinden. Nur klein ist Maharrak, der Sitz des Scheichs und des engl. Residenten, mit der Stadt Arad (Aradus des Plinius). Die bedeutenden Perlbänke liegen in einer Tiefe von 15 bis 60 m und erstrecken sich in einer Ausdehnung von 300 km von den Biddulfsinseln südöstlich bis Schardscha. Zur Zeit der Perlfischerei versammeln sich hier über 400 Boote. Der Handel mit den Muscheln wird sogleich an Ort und stelle getrieben; gegen drei Vierteile kaufen die Hinduhändler; der Rest geht nach Bagdad, Syrien, der Türkei u. s. w. Auch der übrige Handel ist nicht gering, da Menama der Mittelpunkt des ganzen Handels dieser Ostküste Arabiens ist. 1888 betrug