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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Baikalkosaken; Baikie; Bailan; Bailén; Bailey ; Bailiff; Baill; Baillet von Latour; Bailleul

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Baikalkosaken - Bailleul

und Gneis bestehend, stehen dem Seeufer näher als die südöstlichen. Auf dem südöstl. Abhange findet man auch Marienglas, Hornstein, Thonschiefer, Kalksteinformationen und Schieferschichten. Das Gebirge ist reich an Nadelholzwaldungen, besonders an Larix sibirica Pall. und Pinus silvestris L., die von zahlreichen. Renntieren, Hirschen, Wölfen, Dachsen, Luchsen, Bisamtieren, Vielfraßen u. s. w. belebt werden. Das südöstl. Ufer des Sees begrenzen die Transbaikalischen Ketten. Sie werden durch die Thäler der Selenga und des Bargusin in folgende Teile geschieden: 1) am Südwestende des Sees der Chamardaban, Ausläufer des Sajanischen Gebirges, mit dem gleichnamigen höchsten Gipfel (2000 m); 2) die Selenginsk-Bargusinschen Berge in der Mitte; 3) im NO. die Bargusin-Angarischen Berge.

Baikalkosaken, richtiger Sabaikalkosaken, die östlich vom Baikalsee in Ostsibirien zunächst der chines. Grenze angesiedelten Kosaken, deren Nakaznyj-Ataman (s. Ataman) in Tschita seinen Sitz hat. Das Gebiet des Sabaikalkosakenheers zerfällt in 3 Bezirke (Abteilungen) und hat (1887) 173000 E., darunter 167000 Kosaken. Dieselben stellen im Frieden 1 berittenes Regiment zu 6 Sotnien, 2 Fußbataillone und 2 reitende Batterien zu je 4 Geschützen, im Kriege 3 berittene Regimenter, 6 Fußbataillone und 3 reitende Batterien zu je 6 Geschützen auf. Kriegsstärke des Baikalkosakenheers rund: 9500 Köpfe und 4000 Pferde. Die B. versehen im Frieden den Sicherheitsdienst längs der chines. Grenze von der Mündung der Schilka in den Amur bis zum westl. Ende des Baikalsees, wo das Heer der sibir. Kosaken seine äußersten Posten unterhält; besonders ist ihnen der Schutz der reichen Erzgruben von Nertschinsk und die Bewachung der großen Karawanenstraße übertragen, die von Peking über Kalgan durch die Mongolenwüste und bei Kiachta auf russ. Gebiet führt.

Baikie (spr. behki), William Balfour, engl. Afrikareisender, geb. 1824 zu Arbroath in Schottland, studierte Medizin und wurde als Marinearzt der Expedition des Dampfers Pleiad beigegeben, die unter Konsul Beecroft 1854 den Binue hinaufgehen und die damals in jenen Ländern befindlichen Reisenden Barth und Vogel unterstützen sollte. Da Beecroft noch vor Beginn der Expedition starb, übernahm B. die Führung und verfolgte den Binue von der Mündung in den Niger bis 600 km weit aufwärts. Er beschrieb die Expedition in dem Werke «Narrative of an exploring voyage up the rivers Kwora and Binue in 1854» (Lond. 1856) und ging 1857 wiederum nach dem Niger, in dessen Uferländern er 7 Jahre lang für die Herstellung eines geordneten Handelsverkehrs und die Bereicherung der geogr. Wissenschaft thätig war. Von Lokodscha, gegenüber der Mündung des Binue in den Niger, der von ihm gegründeten und noch bestehenden Handelsstation, aus bereiste er Nupe, Haussa und andere Länder bis nach Kano und sammelte Nachrichten über den Sudan («Correspondence with British ministers and agents in foreign countries and with foreign ministers in England, relating to the slave trade. 1862. Presented to Parliament», aus denen Heinr. Barth das geographisch Wichtigste in der «Zeitschrift für allgemeine Erdkunde» (Febr. 1863) zusammengestellt hat. B. starb, auf der Rückkehr nach England begriffen, 30. Nov. 1864 in Sierra Leone.

Bailan, Städtchen bei Alexandrette (s. d.).

Bailén, s. Baylén.

Bailey (spr. behli), Philip James, engl. Dichter, geb. als Sohn des Lokalhistorikers und Dichters Thomas B. (geb. 1785, gest. 23. Okt. 1856), langjährigen Leiters des «Nottingham Mercury», 22. April 1816 zu Basford bei Nottingham, erhielt seine Bildung hier und zu Glasgow, studierte seit 1833 die Rechte in Lincoln's Inn und wurde 1840 Advokat. Er lebt in Nottingham. 1839 trat er mit dem dramat. Gedichte «Festus» auf, das Einfluß von Goethes «Faust» zeigte und Aufsehen, doch auch Widerspruch erregte (10. Aufl. 1877; Jubelausg. 1889). Erst 1850 ließ B., der seinen Vater in der Redaktion unterstützt hatte, «The angel world, and other poems» folgen, die, wie «The mystic» (1855), dichterisch hinter seinem Erstlingswerk zurückstehen. Auch die Satire «The age: a colloquial satire» (1858) ist als Ganzes verfehlt. «Universal hymn» (1867) fügte seinem Rufe nichts hinzu. 1861 erschien von B. «The international policy of the great powers».

Bailiff (engl., spr. behliff, von dem spätlat. Bajulivus, Ballivus, Träger, Geschäftsträger; franz. Bailli, s. d.), ursprünglich allgemeine Bezeichnung für einen Beamten, besonders für den Hauptbeamten des Hundred (s. d.), wird noch bei einigen Städten, die ihre alte Verfassung haben, als Titel statt Mayor gebraucht (z. B. High Bailiff von Westminster) und auch für Burgvogt angewandt (z. B. B. of Dover Castle). Auch bezeichnet man einen Gutsverwalter als B. Die gebräuchlichste Bedeutung des Wortes ist die eines mit der Zwangsvollstreckung gerichtlicher Urteile betrauten Beamten. Der verantwortliche Vollstreckungsbeamte ist der Sheriff oder, der von ihm ernannte Under-Sheriff, von dem die B. (auch Sheriff's Officer genannt) als Unterbeamte angestellt werden. Da der Under-Sheriff bei gesetzwidrigen Pfändungen schadenersatzpflichtig ist, läßt er sich häufig von seinen B. eine Urkunde ausstellen, durch welche dieselben sich zu seiner Schadloshaltung verpflichten. Hieraus entstand der Ausdruck Bound B. (verpflichteter B.), den der Volkswitz in Bum-Bailiff umgewandelt hat. In den County Courts (s. d.) ist der High-Bailiff der offizielle Vollstreckungsbeamte und stellt seinerseits Unterbeamte (Sub-Bailiffs) an; doch steht dieses Amt der High-Bailiffs in den County Courts auf dem Aussterbeetat; ihre Obliegenheiten fallen schon jetzt vielfach den Registrars (Gerichtsschreibern) zu, welche sie in der Folge ausschließlich wahrnehmen werden.

Baill., bei botan. Bezeichnungen Abkürzung für Henri Erneste Baillon (spr. bajóng), geb. 30. Nov. 1827 zu Calais, Prof. der Botanik zu Paris.

Baillet von Latour (spr. bajeh), s. Latour.

Bailleul (spr. bajöl), häufiger Ortsname in Frankreich, darunter: Hauptstadt der 2 Kantone B. (164,76 qkm, 10 Gemeinden, 32222 E.) im Arrondissement Hazebrouck des Depart. Nord, am Becque, einem Nebenflusse der Lys, und an der Linie Hazebrouck-Lille der Franz. Nordbahn, hat (1891) 7264, als Gemeinde 13276 E., ein Kommunal-Collège, Bibliothek, eine Anstalt für (1180) Geisteskranke, Waisenhaus und andere Wohlthätigkeitsanstalten; betrieben wird hauptsächlich Fabrikation von Bier, Leder, Spitzen, Zwirn, Leinwand und Seife und Handel mit Getreide und Käse.

Bailleul (spr. bajöl), Jaeques Charles, franz. Politiker, geb. 12. Dez. 1762 zu Bretteville bei Havre, war Advokat am Pariser Parlament, als