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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bailly; Baily; Bailyscher Tropfen; Bain

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Bailly - Bain

danken, daß sich diese Schule die Grundsätze der großen ital. Violinmeister Nardini und Viotti zu eigen machte. Ein anderes großes Verdienst erwarb sich B. durch die Gründung einer ständigen Quartettgenossenschaft, die von 1814 ab das Muster für den ausgearbeiteten Vortrag klassischer Streichquartette bildete. B.s Spiel war ausgezeichnet durch großen Ton und durch edle Vortragsmanier. Eine bedeutende Stelle in der Violinlitteratur behaupten neben der mit Kreutzer und Rode gemeinsam herausgegebenen «Méthode de violon» sein Lehrbuch «L'art du violon» (Par. 1835)) sowie seine Etuden, Capricen, Konzerte und Duette. Außerdem hat er im Verein mit Rode und Kreutzer die Violinschule des Konservatoriums, und mit Catel, Levasseur und Baudiot die Violoncellschule derselben Anstalt bearbeitet.

Bailly (spr. băjih), Jean Sylvain, Präsident der ersten franz. Nationalversammlung, geb. 15. Sept. 1736 in Paris, folgte anfange künstlerischen und litterar. Neigungen, wurde aber von Lacaille zum Studium der Astronomie geführt und an dessen Stelle 1763 in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Seine «Histoire de l'astronomie ancienne» (Par. 1775) und «Histoire de l'astronomie moderne jusqu'en 1781" (3 Bde., ebd. 1779-82), beide Werke später hg. von Comeyras u. d. T. «Histoire de l'astronimie ancienne et moderne» (2 Bde., ebd. 1805), brachten ihn in Streit mit Voltaire. Daraus gingen die «Lettres sur l'origine des sciences» (ebd. 1777; deutsch Lpz. 1778) und «Lettres sur l'Atlantide de Platon» (Par. 1779) hervor. B. wurde nun auch in die Académie des Inscriptions, 1784 in die Französische Akademie aufgenommen. Die Revolution riß ihn aus seiner friedlichen Laufbahn. Zum Deputierten der Stadt Paris für den Tiers état erwählt, ward er 3. Juni 1789 dessen Vorsitzender und nach der Konstituierung zur Nationalversammlung deren erster Präsident. Nach der Erstürmung der Bastille zum Maire von Paris ernannt (16. Juli), verwaltete er dieses Amt mit unbestechlicher Rechtschaffenheit bis 12. Nov. 1791, wo er, den Extremen längst verhaßt, es in die Hand Pétions niederlegte, sich ganz zurückzog und bei seinem Freunde Laplace zu Melun lebte. Hier wurde er im Juli 1793 verhaftet, weil er am 17. Juli 1791 das blutige Vorgehen der Nationalgarde gegen einen Haufen Gesindels zugelassen hatte, nach Paris gebracht, 11. Nov. zum Tode verurteilt und am 12. hingerichtet. Aus seinem Nachlasse wurden herausgegeben «Essais ur les fables et leur histoire» (2 Bde., Par. 1798) und «Mémoires d'un témoin de la Révolution» (3 Bde., ebd. 1804; deutsch von Weyland, Lpz. 1805).

Vgl. Nourisson, Bailly (Par. 1885).

Baily (spr. behli), Edward Hodges, engl. Bildhauer, geb. 10. März 1788 zu Bristol, erhielt seine künstlerische Ausbildung durch Flarman und begründete seinen Ruf durch: Herakles dem Admet die Alkestis zurückführend (l811, goldene Medaille), Apollo den Speer werfend (1817) und Eva an der Quelle (1818). Außer andern Statuen ist das kolossale Standbild Nelsons, welches die Säule auf Trafalgar-Square in London schmückt, die Statue Stephensons in London (s. Tafel: Englische Kunst III, Fig. 1) und die Statue Sir Robert Peels in Manchester von seiner Hand. Beliebt waren besonders seine Genrewerke. B., seit 1821 Mitglied der Akademie, starb 22. Mai 1867 zu London.

Baily (spr. behli), Francis, engl. Astronom, geb. 28. April 1774 zu Newbury in Berkshire, gest. 30. Aug. 1844 in London als Präsident der Royal Astronomical Society. B. war ursprünglich Kaufmann und wandte sich erst später der Astronomie zu. Von seinen Arbeiten sind zu nennen: «The Catalogues of Ptolemy, Ulug Beigh, Tycho Brahe, Halley, Hevelius, deduced from the best Authorities» (Lond. 1843), «Catalogue of stars of the British Association for the advancement of science» (ebd. 1845) und seine gemeinsam mit Henderson besorgte Herausgabe der Kataloge südl. Sterne von Lacaille (ebd. 1847).

Bailyscher Tropfen (spr. behli-), s. Tropfenbildung

Bain (spr. behn), Alexander, engl. Philosoph, geb. 1818 in Aberdeen, studierte in dem Marishal College in Aberdeen, lehrte ebendaselbst zuerst 1841-44 Moralphilosophie, dann 1844-45 Physik und wurde 1845 Professor der Physik an der Andersonschen Universität in Glasgow, 1848 Sekretär in dem Obergesundheitsamt in London. Diesem Amte entsagte er 1850 und wurde 1860 zum Professor der Logik an der Universität Aberdeen erwählt. Seine hauptsächlichsten philos. Werke sind «The senses and the intellect» (Lond. 1855 u. ö.), «The emotions and the will» (ebd. 1859 u. ö.), «On the study of characters» (ebd. 1861), «Mental and moral science» (ebd. 1868 u. ö.), «Logic, deductive and inductive» (ebd. 1871), «Mind and body, the theories of their relation» (ebd. 1873 u. ö.; deutsch im 3. Bande der «Internationalen wissenschaftlichen Bibliothek», Lpz. 1874, 2. Aufl. 1881). B.s Arbeiten beruhen auf der Theorie von Hartley und James Mill, die er jedoch mit großem Geschick durch die Errungenschaften der neuern Physiologie ergänzt und erweitert hat. Die Association ist die Grundlage für alle seine psychol. Erklärungen, und er ist der Ansicht, daß diese psychischen und geistigen Prozesse miteinander parallel laufen; er leugnet weder noch behauptet er ein geistiges Princip, gesteht jedoch zu, daß die Außenwelt nur als unsere Empfindung und Vorstellung erfaßt werden kann; auch das Ich hat keine selbständige Existenz und besteht nicht neben den Gefühlen, Handlungen und Gedanken des einzelnen Individuums. Ebenso führt er Glauben und Willen auf Associationen und Gefühle zurück. Das moralische Gefühl entsteht durch Erziehung mittels Strafe und Autorität. Zu erwähnen ist noch sein Werk «Education as a science» (Lond. 1879 u. ö.; deutsch in der «Internationalen wissenschaftlichen Bibliothek», 45. Bd., Lpz. 1880); ferner «John Stuart Mill» (1882).

Vgl. Ribot, La physiologie anglaise contemporaine (3. Aufl., Par. 1873).

Bain (spr. behn), Alexander, Uhrmacher und Mechaniker, geb. 1810 zu Thurso in Schottland, gest. 1877 zu Broomhill bei Kirkintilloch (Grafschaft Dumbarton), hat sich Verdienste um die Anwendung der Elektricität erworben. B. erhielt in England 21. Dez. 1841 einen vielfachen und 21. Mai 1843 einen ausgebildetern Typendrucktelegraphen patentiert; ferner 1843 eine eigentümliche Art Nadeltelegraphen, welche nach Österreich übertragen wurde und nach Verbesserungen von Ekling u. a. lange in Betrieb gewesen ist. Auch machte er sich sehr verdient um die Verbesserung der chem. Telegraphen, die er teils zum telegr. Kopieren von Buchdrucklettern (Patent von 1843), teils als wirkliche Kopiertelegraphen (Patent von 1850), teils als Schreibtelegraphen zur Erzeugung von zweizeiliger Punktschrift (Patent von 1846),