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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Baissieren - Bajaderen

ten begründeten Voraussetzungen, daß nämlich die Preise des fraglichen Artikels fallen werden, zutreffen. Ursprünglich ein technischer Ausdruck des Bankgeschäfts, wird jetzt das Wort B. auch vielfach in andern Geschäftszweigen angewendet, und man spricht z. B. von einer Baissespekulation im Getreide-, Baumwoll-, Tabakgeschäft u. s. w. Einer Baissespekulation kann man unter Umständen und sofern sich die B. auf den Gebrauch erlaubter Mittel beschränkt, eine gewisse Berechtigung nicht absprechen, z. B. wenn die Kurse übermäßig in die Höhe getrieben sind, oder beim Eintreten eines Kriegsfalls und einer Verschlechterung der Währungsverhältnisse. Das Gegenteil von B. ist Hausse (s. d.).

Baissieren (frz., spr. bäß-), senken, niederlassen, die Stimme sinken lassen, besonders ein Geschütz tiefer richten.

Baiter, Joh. Georg, Philolog, geb. 31. Mai 1801 zu Zürich, studierte zu München, Göttingen und Königsberg Philologie, wurde Oberlehrer am Züricher Gymnasium und erhielt an der Universität eine außerordentliche Professur, die er jedoch 1849 niederlegte. Das Rektorat an dem Züricher Gymnasium bekleidete B. 1849‒65. Er starb 10. Okt. 1877. B. lieferte eine Ausgabe des «Panegyricus» des Isokrates (Lpz. 1831); auch wirkte er als Mitarbeiter an Bremis Ausgabe desselben Redners, Bd. 1 (Gotha 1831), bei Orellis «Ciceronis scholiastae» (Zür. 1833) und «Onomasticon Tullianum» (3 Bde., ebd. 1836‒38), sowie bei dessen zweiter Ausgabe des Cicero (ebd. 1845‒62) in Verbindung mit Halm. Für Orellis Recension des Tacitus (2 Bde., Zür. 1846‒48) verglich B. die mediceischen Handschriften zu Florenz und bearbeitete für die zweite Ausgabe die Annalen (ebd. 1858). Mit Sauppe verband er sich zu der Ausgabe der Reden des Lykurg (Zür. 1834) und der «Oratores Attici» (2 Bde., ebd. 1839‒50; der Text auch in 8 Teilen, ebd. 1838‒43). Daneben lieferte er den Isokrates für die Didotsche Sammlung der griech. Klassiker («Oratores Attici», Par. 1846 fg.) und veranstaltete mit Orelli und Winckelmann eine Gesamtausgabe der Werke des Plato (2 Tle., Zür. 1839‒42). Die neuentdeckten «Fabellae iambicae» des Babrius gab B. mit Orelli (Zür. 1845) heraus, ebenso die dritte Auflage von des letztern Bearbeitung des Horaz (2 Bde., ebd. 1850‒51). In der durch Kayser und B. veranstalteten Tauchnitzschen Ausgabe des Cicero (11 Bde., Lpz. 1860‒69) besorgte er die philos. Schriften.

Baitylĭen (Bätylien, ein aus dem Semitischen stammender, zu den Griechen und Römern übergegangener Name), vom Himmel gefallene Steine (Meteore), die den Göttern geweiht waren oder selbst göttlich verehrt wurden. Am berühmtesten waren der Meteor in Delphi und der in Silber gefaßte Stein der Göttermutter Kybele, der 204 v. Chr. aus Pessinus in Phrygien nach Rom gebracht wurde. Kleine Exemplare trug man als Amulette.

Baixo-Douro (spr. baïßu doïru), portug. Bezirk, s. Alto-Douro.

Baize, Art des Jagdbetriebs, s. Beize.

Baja, Stadt mit Municipium im ungar. Komitat Bács, unweit vom linken Ufer der Donau, an der Zweiglinie Theresiopel-B. (59 km) der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 19485 meist magyar. E. (2001 Deutsche, 2888 Serben, 2334 Israeliten), in Garnison (388 Mann) die 6. Eskadron des 4. ungar. Husarenregiments «Freiherr von Edelsheim-Gyulai», ein schönes Schloß des Fürsten Grassalkowich, einen Gerichtshof, zwei Klöster, eine Kaserne; ein kath. Obergymnasium, eine Staats-Schullehrerpräparandie; bedeutende Schuhmacherei, Dampfmühle, Spiritusbrennereien, lebhaften Getreide-, Wein- und Schweinehandel und ist der bedeutendste Getreideausfuhrplatz in der Bácska. Zu B. gehört die bevölkerte Puszta Mátéháza.

Bajä, im Altertum Stadt an der Küste Campaniens, in der Nähe von Neapel, wo sich jetzt das Kastell Baja, ein Werk des Vicekönigs Peter von Toledo, erhebt, hatte lange nur als Hafen von Cumä Bedeutung, bis es in der glänzendsten Zeit des Römerreichs wegen seiner herrlichen Lage, der Fruchtbarkeit der Umgebung und der Mineralquellen der Lieblingsaufenthalt der röm. Großen wurde. Marius, Piso, Pompejus, Julius Cäsar, Antonius, Lucullus, Varro u. a. hatten hier Landhäuser, die den Sitz des üppigsten Luxus und mehrfach den Schauplatz wichtiger Ereignisse bildeten. Horaz zog B. allen Orten der Welt vor; Seneca warnt vor diesem Badeorte, wenn man Herr seiner Leidenschaften bleiben wolle; Cicero fand es nötig, sich darüber zu rechtfertigen, daß er den Marcus Cälius, einen Mann, der B. öfters besucht habe, verteidige. Denn öfters wird B. als eine Stätte der Wollust und Üppigkeit geschildert; Seneca nennt es geradezu eine Herberge des Lasters. Noch im Mittelalter besaß B. diesen Ruf. Erst in den Wirren des 16. Jahrh. wurde der Ort verlassen. Jetzt sind nur noch wenige Trümmer vorhanden, unter denen die Reste der sog. Tempel der Venus, des Merkurs und der Diana hervorragen. Außer einigen Häusern ist nur noch das hoch auf einem Felsen gelegene Kastell bewohnt. Der Hafen ist jetzt verwüstet; die Aussicht über den Golf ist von bezaubernder Schönheit. Trümmer von röm. Villen, Grabmälern und andern röm. Bauwerken bedecken die Umgegend. – Das alte B. schildern Becker im «Gallus» (neu bearb. von Göll, 3 Bde., Lpz. 1880‒82), Beloch in «Campanien» (Berl. 1879) und Friedländer in den «Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms», Bd. 2 (6. Aufl., Lpz. 1889).

Baja-Californĭa, Territorium der Republik Mexiko, umfaßt die Halbinsel Niederkalifornien und hat 143692 qkm, (1892) 34668 E., d. i. 0,2 auf 1 qkm; die Bevölkerung ist im S. zahlreicher als im N. Die steil abfallende Ostkette ist etwa 900 m hoch und zerfällt in die Sierra La Gigantea und Sierra la Victoria. Im N. der Halbinsel erhebt sich der Calamahueberg (3090 m), im NW. von ihm Aschenkegel. Das Klima ist gleichmäßig, die Regenmenge ungleich verteilt und im N. und an den Gebirgshängen nicht unbedeutend, besonders im August und September. Fruchtbare Landstriche sind genug vorhanden. Im Innern herrscht trockne Hitze. Der Norden eignet sich gut zur Viehzucht. Hauptort ist La Paz (s. d.). Gute Häfen sind: Bahia de la Paz, Sta. Ines, de la Magdalena, de Ballenas, San Sebastian Viscaino, der Insel Cerros gegenüber.

Bajāda del Paraná, Stadt in Argentinien, s. Parana.

Bajadēren (aus dem portug. bailadeira, d. i. Tänzerin) nennen die Europäer die öffentlichen Tänzerinnen und Sängerinnen in Indien, die in 2 große Klassen zerfallen, deren jede mehrere Unterabteilungen zählt. Zu der ersten Klasse gehören die dem Dienste der Tempel und Götter geweihten, zu der zweiten die im Lande umherziehenden Tänzerinnen. Die erstern, Dēwadāsī (d. i. Göttersklavinnen) genannt, unterscheiden sich nach der Würde der Gottheit, der