Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Baktschisaraj; Baku

316

Baktschisaraj - Baku

Besitze des Königtums gelassen. Sein Sohn Demetrius und dessen Nachfolger Eukratides, gest. um 150, dehnten das Reich gegen Süden über den Parapamisus aus, und hier am Kabulfluß und Indus erhielt sich, obwohl von Westen her durch die Parther bedrängt, die griech. Herrschaft, nachdem das eigentliche B. um 139 von dem Partherkönig Mithridates I. erobert und bald darauf (127) von den Saken überschwemmt worden war. Vornehmlich scheint Menander, nach 126, die griech. Herrschaft am Indus wieder befestigt und ausgebreitet zu haben. Nach seinem Tode erlag sie, wahrscheinlich unter dem König Hermäus um 80 ebenfalls jenen Saken, die nun längs des Indus bis zu seiner Mündung ein indo-scyth. Reich gründeten. - Für die Geschichte des Neubaktrischen Reichs waren lange Zeit spärliche Notizen bei den alten Schriftstellern die fast alleinige, höchst ungenügende Quelle; erst in neuester Zeit ist eine zusammenhängendere und genauere Kenntnis der einzelnen Regenten möglich gemacht worden durch eine große Anzahl griech.-baktr. Münzen, die zugleich mit indo-scythischen in Afghanistan aufgefunden worden sind. Sie liefern eine Reibe Königsnamen und geben vielfache Aufschlüsse über die polit. und die Kulturgeschichte jenes griech. Reichs. Auf den Münzen des Eukratides erscheint zuerst neben der griech. eine fremde Sprache, die sich als ein Dialekt des Sanskrits erweist, deren Schrift aber Alphabeten phöniz. Ursprungs angehört. Der Engländer Prinsep hat diese Schrift glücklich entziffert. Dessen ungeachtet erhielt sich aber das Griechische noch lange auf den Münzen der scyth. Herrscher, unter welchen demnach die griech. Kultur nicht sofort untergegangen zu sein scheint.

Vgl. Lassen, Indische Altertumskunde, Bd. 2 (2. Aufl., Bonn 1873); Sallet, Die Nachfolger Alexanders d. Gr. in B. und Indien (Berl. 1879); Perry Gardner, The coins of the Greek and Scythic kings of Bactria and India (Lond. 1886); Stein, Zoroastrian deities on Indo-Scythian coins (ebd. 1887).

Baktschisaraj, Stadt, s. Bachtschisaraj.

Baku. 1) Gouvernement im russ. Generalgouvernement Kaukasien, bis 1859 Schemacha genannt, umfaßt den ganzen Südosten Transkaukasiens oder Schirwan im weitern Sinne und einen Teil von Dagestan, grenzt im N. an Dagestan, im O. an das Kaspische Meer, im S. an die pers. Provinz Aserbeidschan, im W. an das Gouvernement Jelisawetpol, hat (1885) 39306 qkm, 735360 (399064 männl., 336296 weibl.) E., d. i. 18 auf 1 qkm, und zerfällt in die sechs Kreise: B., Lenkoran (Talisch), Schemacha (das eigentliche Schirwan), Kuba, Dshewad und Goktschaj. Das Gebiet ist im N. bergig (Kaukasus), in der Mitte eben, unter dem Meeresspiegel liegend, im S. an der Küste eben, während die Landgrenze vom Gebirgszug Talisch (bis 2500 m) gebildet wird. Die Bevölkerung betreibt Petroleumgewinnung, Acker-, Seiden-, Weinbau, Viehzucht und Fischfang. Der Nationalität nach besteht sie hauptsächlich aus Tataren. Armenier treiben Acker- und Gartenbau im Kreise Schemacha und Handel in den Städten. Die Russen bilden nur 2,7 Proz. der Bevölkerung und bestehen zum großen Teil aus Raskolniken, namentlich Molokanen. An Eisenbahnen sind 237 km der Transkaukasischen Linie Tiflis-B. vorhanden, mit 37 km Zweigbahnen.

2) Kreis im O. des Gouvernements B., hat 4150,7 qkm mit 100560 E. Den größten Teil desselben nimmt die Halbinsel Apscheron (s. d.) ein.

3) Hauptstadt des Gouvernements und des Kreises B. sowie zugleich Kriegs- und Handelshafen, an der Südküste der Halbinsel Apscheron am Kaspischen Meere und an den Linien Tiflis-B., B.-Sabuntschi und B.-Surachany der Transkaukasischen Eisenbahn, hat (1. Jan. 1893) 107761 E., 3 griech., 2 armenische, eine luth. Kirche, ferner eine kath. Kapelle, 11 Moscheen, eine Realschule, ein Mädchengymnasium, 2 Stadt- und 11 Elementarschulen; ferner an industriellen Unternehmungen 23 Petroleum-, 6 Schmierölfabriken (jährliche Produktion beider 15 Mill. Rubel), 3 Schwefelsäurefabriken, 11 Dampfmühlen (Umsatz 3 Mill. Rubel), 3 Tabakfabriken, 36 Karawanseraien. Außer dem Quai im südl. Teile der Stadt und einigen gepflasterten Straßen an demselben mit Häusern in europ. Bauart und großartigen Bazaren bat die Stadt einen asiat. Charakter. Die Häuser mit ihren flachen Asphaltdächern ziehen sich terrassenförmig in engen Gäßchen an dem Abhange eines Hügels aufwärts, den die Ruinen eines einst prachtvollen, von Abbas II. erbauten Schlosses krönen, sowie daneben die wohlerhaltene Moschee Abbas' I. (jetzt Artilleriearsenal). Nordwärts vom Hafen an der Meeresküste befindet sich die sog. Schwarze Stadt (Černyj Gorod), der Mittelpunkt der Petroleumindustrie von B. Die Temperatur beträgt im Jahresmittel 14,3, im Juli 25,8, im Januar 3,4, und sinkt nur zuweilen auf kurze Zeit auf -10° C. Das Klima ist sehr trocken, im Sommer regnet es fast gar nicht. Zeitweilig weht ein überaus heftiger Wind von NNW. (der «Nord» genannt), gegen den selbst starke Dampfschiffe nicht fortkommen können. In der Bevölkerung wiegen die Tataren und Armenier vor, dann erst kommen Russen, Perser, Juden u. a. B. ist Sitz des Gouverneurs, der Admiralität mit einem Hafencomptoir, eines deutschen und türk. Konsuls. Der Hafen von B. ist ein russ. Hafen zweiter Klasse und der beste am Kaspischen Meer sowie der Mittelpunkt der Dampfschiffahrt auf demselben. B. ist dadurch der Stapelplatz für transkaukas. und pers. Waren geworden, die von hier aus in das innere Rußland und zum Teil durch das Schwarze Meer ins Ausland gehen. Den Hauptgegenstand des Gewerbes und des Verkehrs bildet das Petroleum mit seinen Nebenprodukten.

Das Rohpetroleum (Naphtha) wird hauptsächlich an zwei Plätzen, 12-14 km nordöstlich von B., bei den Dörfern Balachany und Sabuntschi, und 5 km westlich von B., bei Bibi-Ejbat in der Nähe des Meers gewonnen (s. Apscheron). Der Raum der Gewinnung beträgt am erstern Platze, der neun Zehntel des gesamten russ. Petroleums liefert, zur Zeit nur 12 qkm, die Zahl der Bohrlöcher an beiden Plätzen (1889) 173, mit durchschnittlicher Tiefe von 190 m (die geringste 47 m). Der Betrieb hat sich seit Aufhebung des Monopols der Regierung (1873) sehr gehoben. Es wurden gewonnen in 1000 Pud: 1832-49 im Durchschnitt jährlich 220; 1860: 255; 1863: 340; 1872: 1535; 1873: 3952; 1886: 123500; 1887: 157170; 1888: 189583; 1889 (annähernd) 206000.

Außer einem Werk in Surachany befinden sich sämtliche Petroleumwerke in der Schwarzen Stadt in B., wohin das Rohmaterial in Röhren von 10 cm Durchmesser und mit 30 Atmosphären Druck geleitet und zu Beleuchtungsöl (Petroleum, Astralit, Solaröl u. a.) destilliert wird. Aus den Rückständen werden gute Schmieröle gewonnen, oder sie werden zerkleinert zum Heizen von Dampfschiffen, Lokomotiven