Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Balaena; Balalaika; Balan; Balance; Balancedock; Balancier; Balancier-Lenkscheit-System; Balancieren; Balancierhaue

319

Balalaika - Balancier-Lenkscheitsystem

Balalaika, guitarren- oder zitherartiges russ. Nationalinstrument mit ursprünglich dreieckigem Schaltkasten, daran ein ziemlich langer Hals und 2, 3 oder 4 Saiten, die mit den Fingern gerissen werden, im ganzen ½-1 m groß. Es dient als Begleitung bei Gesang und Tanz. Unter dem Titel «La Balalayka» gab Julvécourt russ. Gedichte (Par. 1836) in franz. Sprache, und Altmann russ. Volkslieder («Die Balalaika», Berl. 1803) in deutscher Übersetzung heraus.

Balan, Hermann Ludw. von, Diplomat, (Sohn des 1834 gestorbenen preuß. Diplomaten Joseph Wilh. Von B., geb. 7. März 1812 in Berlin, studierte dort und in Heidelberg die Rechte, trat 1832 in den Justiz-, 1834 in den Verwaltungsdienst und ging 1835 in den Dienst des Auswärtigen Amtes über. Er bekleidete nacheinander diplomat. Stellungen in Brüssel, Dresden, Warschau, Frankfurt a. M. (1840 als Ministerresident), am großherzogl. hess. Und nassauischen Hofe (1848), arbeitete von 1850 bis 1859 im Auswärtigen Amte in Berlin und wurde 1859 geadelt und als Gesandter nach Kopenhagen geschickt. Nachdem er 1804 Preußen auf den Londoner Konferenzen vertreten hatte, wurde er in demselben Jahre noch preuß. Gesandter in Brüssel, seit 1871 auch Vertreter des Deutschen Reichs. Er starb in Brüssel 26. März 1874. B. war sehr angesehen als geschickter und charaktervoller Diplomat.

Balan, Don Pietro, ital. Geschichtschreiber, geb. 3. Sept. 1840 zu Este (Provinz Padua), nahm nach Vollendung seiner Studien im Seminar zu Padua die Weihen, worauf ihn der damalige Patriarch von Venedig, Kardinal Trevisanato, mit der Leitung der kathol. Zeitung «Libertà cattolica» betraute. Von Venedig nach Modena übergesiedelt, gab er zugleich 1867-73 den «Diritto cattolico» heraus und widmete sich dann ausschließlich geschichtlichen Studien. Von Leo XIII. wurde er 1879 an das vatikanische Archiv nach Rom berufen, gab aber diese Stellung 1883 auf. B. lebt zu Pregatto bei Bologna ganz seinen geschichtlichen Arbeiten. Unter seinen zahlreichen histor. Schriften klerikaler Richtung sind hervorzuheben: «I precursori del razionalismo fino a Lutero» (2 Bde., Parma 1867-69), «Pio IX, la Chiesa e la Rivoluzione» (2 Bde., Modena 1869), «Storia di Gregorio IX e de' suio tempi» (3 Bde., ebd. 1872-73), «Storia d'Italia» (7 Bde., ebd. 1878-88), «La politica di Clemente VII fino al sacco di Roma» (Rom 1884), «Clemente VII e l'Italia dei suoi tempi» (Mail. 1887).

Balaena (lat.), der Walfisch.

Balance (frz., spr. -àngß), Wage, Gleichgewicht; im Handel soviel wie Bilanz; im Seewesen Angabe der Kauffahrteischiffe über ihre Ladung. Balancé (spr. -angßeh), Schwebeschritt (beim Tanze).

Balancedock, s. Dock

Balancier (frz., spr. -angßjeh), eigentlich Wagebalken, eine mechan. Vorrichtung, mittels deren eine Bewegung aufgenommen, übertragen und in eine andere Bewegungsform umgesetzt oder auch eine in auf- und absteigender Bewegung befindliche Masse im Gleichgewicht erhalten wird.

^[Abb.: Fig. 1.]

Seine Grundform kann man sich aus der des gewöhnlichen Wagebalkens (s. Fig. 1) entstanden denken. In der Balanciermaschine (s. Dampfmaschinen) dient der B. a (Fig. 2) im Verein mit der Lenkstange oder Pleuelstange b dazu, die auf und nieder gehende Bewegung des Kolbens in die rotierende der Schwungradwelle umzusetzen.

^[Abb.: Fig. 2.]

Der B. der einfachwirkenden Wasserhaltungsmaschine, auch Konterbalancier genannt, erfüllt den Zweck, das für den gleichmäßigen Gang der Maschine nachteilige Übergewicht des direkt an der Kolbenstange hängenden Pumpengestänges auszugleichen, indem er mit Hilfe eines Kontergewichts auf die Bewegung des Treibkolbens beim Aufgang unterstützend, beim Niedergang hemmend wirkt. Bei den zweicylindrigen Maschinen dieser Art ist der B. stets ein gleicharmiger Hebel, der die beiden in einander entgegengesetzten Richtungen sich bewegenden Kolbenstangen verbindet. Bei Präge- und Stanzmaschinen nennt man B. die an den Enden schwere Schwungkugeln tragende eiserne Stange, durch welche die den Druck hervorbringende Schraube in Bewegung gesetzt wird; nach derselben wird oft das ganze Prägwerk so bezeichnet (s. Balancierpresse). B. heißt endlich auch die sog. Unruhe in der Taschenuhr.

Balancieren (spr. balangß-, vom frz. balance) nennt man das Bestreben eines aus dem Gleichgewicht gebrachten Körpers, sich wieder in dasselbe zu versetzen. Eine auf beiden Seiten gleichbelastete Wage balanciert, solange ihre Schalen abwechselnd auf und nieder geben. Der Seiltänzer balanciert auf dem Seile, indem er seinen Schwerpunkt durch geschickte Veränderung in der Verteilung der schweren Masse seines Körpers, Ausstrecken der Arme oder Verschieben der Balancierstange immer so zu stellen sucht, daß das Lot, das man von dem Schwerpunkte seines Körpers herabfällt, durch das Seil selbst geben würde. Das B. von Stöcken oder ähnlichen Gegenständen beruht auf einem geschickten Nachschieben des Unterstützungspunktes senkrecht unter den Schwerpunkt. Bei verschiedenen Gegenständen kommt der Luftwiderstand dem Künstler zu Hilfe: so beim B. der Pfauenfeder auf der Spitze des Kiels u. s. w. Bei andern Kunststücken benutzt man die Wirkung der Kreiselbewegung (s. d.) rotierender Körper und die stete Verlegung des Schwerpunktes auf einen Kreis oder eine Ellipse um den Unterstützungspunkt herum. - B. einer zweiseitigen Rechnung heißt, sie durch Einstellung des Saldos (s. d.) ausgleichen, wohl auch diesen Saldo bezahlen.

Balancierhaue, s. Mahlmaschinen.

Balancier-Lenkscheit-System. Das B. entsteht durch Anbringung eines Lenkscheits (Reih- oder Reibschiene, s. d.) hinter der Verbindungsstelle von Vorder- und Hinterwagen eines sonst nach dem Balanciersystem (s. d.) gebauten Wagens. Hierdurch werden die Vorzüge des letztern Systems bewahrt, die Stetigkeit der Deichsel jedoch vergrößert und ihr von den Stangenpferden zu tragendes Ge-^[folgende Seite]