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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Balboa; Balbriggan; Balbuena; Balbus; Balch

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Balboa - Balch

und 1813 in Deutschland verwendet und ging 1815 als Gesandtschaftsattaché mit seinem Vater nach Madrid. Als piemont. Major mußte er 1821, ungerechterweise der geheimen Teilnahme an der revolutionären Bewegung verdächtigt, nach Frankreich in die Verbannung gehen. 1824 kehrte er zurück und widmete sich auf Schloß Camerano in Montferrat dem Studium der Geschichte. 1843 verfocht er in «Delle speranza d'Italia» (5. Ausg., Flor. 1855) unter großem Beifall Italiens Befreiung durch Piemont als Vorbedingung seiner Einheit und redigierte seit der Preßfreiheit (1847) mit Cavour «Il Risorgimento». Nach der Bekanntmachung der Verfassung erhielt er 8. März 1848 die Präsidentschaft des Ministeriums, trat jedoch nach der Schlacht von Custozza als zu gemäßigt zurück. Er starb 3. Juni 1853 in Turin, wo ihm 1856 ein Standbild (von Vela) errichtet wurde. Sein Gedanke war die Unabhängigkeit Italiens auf dem Wege der Ordnung mit Erhaltung der Macht des Papstes, den er 1848 vergeblich für die gemeinital. Sache zu gewinnen suchte. Diese Grundsätze drücken alle seine Schriften aus, die bedeutenden Einfluß übten. Die wichtigsten sind: «Storia d'Italia sotto di Barbari" (1830; neue Ausg., Flor. 1855), «Vita di Dante» (Tur. 1839; neue Ausg., Flor. 1853), «Meditazioni storiche» (1842; unvollendet), «Somario della storia d'Italia» (bis 1814; 11. Aufl., Bastia 1860; fortgesetzt von Molineri: «Storia d'Italia del 1814 ai nostri giorni», Tur. 1890-91), «Della monarchia rappresentativa in Italia» (Flor. 1857).

Vgl. Ricotti, Della vita e degli scritti di Cesare B. (Flor. 1856); Reuchlin, Graf C. B. («Lebensbilder zur Zeitgeschichte. I», Nördl. 1861).

Balboa, Vasco Nuñez de, span. Konquistador, geb. 1475 zu Jerez de los Caballeros (Provinz Badajoz), ging nach San Domingo und schloß sich dort, um seinen Gläubigern zu entgehen, in einem Fasse in das Schiff eingeschmuggelt, der Expedition an, die Enciso 1510 gegen Darien führte. Ein Aufstand verschaffte B. den Oberbefehl über die neue Kolonie. Bestimmte Angaben indian. Häuptlinge von einem westl. Meere bewogen ihn 1513, auf Entdeckung auszuziehen. Am 25. Sept. dieses Jahres erblickte er wirklich das Meer von einem Bergrücken des Isthmus von Panama und stand am 29. Sept. (Michaelistag) am Gestade des Großen Oceans (Golf von San Miguel). Da sich B. aber mit Gewalt der Herrschaft auf der Landenge bemächtigte und die rechtmäßigen Statthalter Enciso und Nicuesa vertrieben hatte, so wurde von der span. Regierung Pedrarias de Avila mit Flotte und Heer nach Panama gesandt. B. unternahm in untergeordneter Stellung noch mehrere glückliche Eroberungen. Doch diese Verdienste erregten den Haß Avilas gegen ihn. Er wurde 1517 der Absicht der Empörung angeklagt und enthauptet.

Balbriggan (spr. bällbrigg'n), Stadt und Seebad in der irischen Grafschaft Dublin, 35 km im N. von Dublin, hat (1891) 2272 E., Hafen mit Leuchtturm, Fabrikation von baumwollenen Strümpfen, Kattun und gesticktem Musselin.

Balbuena, Don Bernardo de, span. Epiker, geb. 1568 zu Valdepenas, kam jung nach Neuspanien, wo er in einem Kollegium Mexikos seine theol. Studien vollendete. 17 J. alt zeichnete er sich als Dichter aus. 1608 nach Spanien zurückgekehrt, wurde er bald Propst auf Jamaika, 1620 Bischof von Puertorico und starb daselbst 1627. Von seinen Werken erhielten sich nur: «La grandeza mejicana» (Mexiko 1609), eine poet. Beschreibung der Stadt Mexiko: «Siglo de oro en las selvas de Erifile» (Madr. 1608), eine Schäfernovelle in Prosa mit eingestreuten lyrischen Gedichten in ital. Manier, darunter neun zum Teil sehr schöne, ländlich einfache «Eglogas», »El Bernardo ó la victoria de Roncesvalles», ein Epos ariostischer Art in 24 Büchern von 45000 Versen, welches den Nationalhelden Bernardo del Carpio behandelt (Madr. 1624, 1808; am besten in Bd. 19 der «Biblioteca de autores espanoles»); die beiden erstern Werke gab die Akademie in Madrid 1821 neu heraus.

Balbus (lat., «der Stammelnde»), Beiname mehrerer vornehmer Römer, z. B. des G. Attilus B., Konsul 245 und 235 v. Chr., unter dem der Tempel des Janus zum zweitenmal seit seiner Erbauung geschlossen wurde; ferner des L. Cornelius B. aus Gades, den, als ihm das röm. Bürgerrecht streitig gemacht wurde, Cicero in einer noch vorhandenen Rede («pro Balbo») verteidigte.

Balch (engt. Balkh). 1) Landschaft im südl. Turkestan, zu Afghanistan gehörig, im nördlichsten Teile desselben, liegt, sich südlich vom Amu-darja ausdehnend, im Bereich des alten Baktrien, auf den Vorstufen, welche im südl. Gebiete des obern Amu die hohen Ketten des Hindukusch mit den Tiefsteppen Bucharas vermitteln, eine Lage, welche für den Verkehr zwischen Indien und Osteuropa von hoher Bedeutung ist und in erhöhtem Grade es sein mußte, als die ind. und chines. Waren noch nicht den Seeweg um Afrika verfolgten. Der Charakter der Wüste herrscht vor; nur künstliche Bewässerungssysteme schaffen fruchtbaren Boden. Die Bewohner usbekischen Stammes sind friedliche Nomaden oder räuberische Krieger, Karawanenwanderer oder Ackerbauer und Handwerker in Dörfern und Städten.

2) Stadt in der Landschaft B., in einer von Kanälen und Gräben vielfach durchschnittenen Gegend, die das dadurch zersplitterte Wasser des vom Koh-i-Baba kommenden Balch oder Dehâs oder Dèriaz verschlingt und ihm die Einmündung in den Amu verwehrt, hat kaum 15000 Bewohner, zum Teil Eingeborene von Kabul, deren Hauptindustrie in Webereien, besonders in Seide, besteht; die Ruinenstätte, in welcher noch Karawanseraien, ein großer Bazar und eine Moschee stehen, bewohnen noch 2000 Afghanen. Im Frühjahr ziehen diese nach dem östlicher und höher gelegenen Mesar (s. d.). Die Stadt hat noch den stolzen Titel Ummel-Buldan (d. h. die Mutter der Städte) beibehalten; sie hat auf der Nordseite eine nicht eben feste Citadelle, in welcher ein weißer Marmorblock als der Thron des Cyrus gezeigt wird, und besitzt 3 verfallende Schulen; sie liegt neben dem weiten Umkreise eines wüsten Trümmerfeldes von 6 bis 7 Stunden Umfang, welches das einst glänzende Baktra (s. Baktrien) oder Zariaspa, den Geburtsort Zoroasters und des Cyrus, bezeichnet. Mancherlei Überreste sowie die Namen vieler Örtlichkeiten deuten auf die Blüte des Buddhismus in Baktrien hin. Die Stadt wurde 1220 von Dschingis-Chan völlig zerstört und hat sich nie wieder ganz von den Schrecknissen des Mongolensturmes erholt. Ein Jahrhundert lang gehörte B. zum ind. Mogulreiche, wurde dann selbständig, fiel im vorigen Jahrhundert in die Hände des Afghanenherrschers Ahmad Schah und gehört heute noch, nach kurzer Zwischenherrschaft der Usbeken, zu Afghanistan.