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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Baldrian - Balduin

Saro) sei der Kampf zwischen Sommer und Winter. Schwartz faßte B. als Gewittergott. Weinhold versuchte, wobei ihn die Namen unterstützten, B. ethisch, als Friedensgöttin deuten, aber als einen, der durch Tapferkeit den Frieden hüte. Loki, das vernichtende Princip, erwecke die blinde Kriegswut, durch die B. sein Ende finde. Bugge stellte («Studien über die Entstehung der nordischen Götter- und Heldensagen», deutsch, Münch. 1889) die von vielen geteilte Ansicht auf, daß B. nur eine Bezeichnung für Herr, die nordischen Mythen von B. freie Nachbildungen nach der christl. Heilsgeschichte und B. namentlich mit dem leuchtenden Antlitz Christus selbst sei. Wahrscheinlich ist jedoch B. eine Erscheinungsform des allgemeinen Himmelsgottes, in Norddeutschland und Dänemark zu einer besondern Gottheit ausgebildet.

Baldrian, Pflanzengattung, s. Valeriana.

Baldrianbäder, s. Bad (S. 254a).

Baldrianöl, Valerianöl, Baldrianwurzelöl, ein ätherisches Öl, daß bei der Dampfdestillation der Baldrianwurzel gewonnen wird. Es ist im frischen Zustande von grünlicher Farbe, die jedoch bald bräunlich wird, etwas dickflüssig, hat ein spec. Gewicht von 0,94 bis 0,96, löst sich leicht in Alkohol und reagiert sauer. Das B. ist ein Gemenge von wenigstens drei verschiedenen Körpern: Valeriansäure (s. d.), Valeren und Valerol, welche durch fraktionierte Destillation voneinander getrennt werden können. Das Valeren bildet ein farbloses, bei 160° siedendes Öl von der Zusammensetzung C10H16 ^[C_{10}H_{16}. Das Valerol ist ein Gemenge von Valeriankampfer, Harz und Wasser.

Baldriansäure, s. Valeriansäure.

Baldriantinktur oder braune Krampftropfen (Tincturia Valerianae), eine rötlichbraune, nach Baldrian riechende Flüssigkeit. Sie ist offizinell, wird durch Ausziehen von 1 Teil zerkleinerter Baldrianwurzel mit 5 Teilen verdünntem Weingeist erhalten und findet vorzugsweise bei nervösen, hysterischen Zuständen Anwendung.

Ätherische B. oder gelbe Krampftropfen (Tinctura Valerianae aetherea), eine gelbe Flüssigkeit von stark ätherischem und baldrianariigem Geruch. Sie ist offizinell, wird durch Ausziehen von l. Teil Baldrianwurzel mit 5 Teilen Ätherweingeist bereitet und findet bei Magenschmerzen, Nervenüberreizung u. s. w. Anwendung.

Baldrianwurzelöl, s. Baldrianöl.

Balduin, Könige von Jerusalem. - B. I., von 1100 bis 1118,jüngster Bruder des Herzogs Gottfried von Bouillon (s. d.), nahm teil an dem ersten Kreuzzuge, entzweite sich aber mit den übrigen Heerführern und zog nach Edessa, wo er das Vertrauen des armenischen Fürsten Thoros gewann und nach dessen Ermordung 1098 sich ein eigenes Fürstentum gründete. Nach seines Bruders Gottfried Tode, 1100, übernahm er trotz des Widerstandes, der von Tankred und dem Patriarchen ausging, die Nachfolge und lieft sich nach einem siegreichen Feldzuge auch als König krönen. In unablässigen Kämpfen gewann er die Seeküste mit den wichtigsten Städten, wodurch die Verbindung mit dem Abendlande gesichert war. Auf einem Feldzuge gegen die Fatimiden in Ägypten starb er im März 1118.

Vgl. H. von Sybel, Über das Königreich Jerusalem 1100-31 (in der «Zeitschrift für Geschichtswissenschaft», hg. von W. Adolf Schmidt, 3. Bd., Berl. 1845).

Ihm folgte als König von Jerusalem, von 1118 bis 1131, sein Vetter B. II. (B. du Bourg), bisher Graf von Edessa, unter dem mit Hilfe einer venet. Flotte Tyrus 1124 erobert und die Orden der Johanniter und der Tempelherren gestiftet wurden. Von den Türken gefangen, mußte er eine halbjährige Haft aushalten. Er starb 21. Aug. 1131 mit Hinterlassung von vier Töchtern. Ihm folgte sein Schwiegersohn Fulko, Graf von Anjou (bis 1142).

B. III., König von Jerusalem von 1143 bis 1162, der Sohn und Nachfolger Fulkos, geb. 1129, ein Muster des Rittertums, befreite sich 1152 von der Vormundschaft seiner Mutter Melisenda und gewann in demselben Jahre einen Sieg bei Jerusalem, erlitt aber 1157 durch Nureddin, den Sultan von Haleb, eine furchtbare Niederlage bei der Jakobsfurt am Jordan. Der Sieg am See Tiberias 1158 stellte das Ansehen seines Reichs her und durch seine Vermählung mit Theodora, der Tochter des griech. Kaisers Manuel, gewann er an demselben einen Bundesgenossen. Doch war dessen Feldzug gegen Nureddin ohne bleibenden Erfolg. Das Reich Jerusalem ward durch den unglücklichen zweiten Kreuzzug und mehr noch durch die unaufhörliche innere Zwietracht tief erschüttert. B. starb zu Tripolis in Syrien, 10. Febr. 1162, wie man glaubt an Gift. Ihm folgte sein Bruder Amalrich in der Regierung, der 1173 starb.

B. IV., der Sohn und Nachfolger Amalrichs, gewöhnlich der Aussätzige genannt, regierte bis 1183, wo der fünfjährige B. V., ein Sohn des Grafen Wilhelm Longaspada von Montferrat und der Sibylla, der Schwester B.s IV., zum König ausgerufen ward. Dieser starb 1186, ein Jahr vor Jerusalems Wiedereroberung durch Saladin. Sibylla überließ die Krone, die sie für sich in Anspruch nahm, ihrem zweiten Gemahl Guido von Lusignan (s. d.).

Balduin, Graf von Flandern, Kaiser von Byzanz (s. Byzantinisches Reich).

Balduin, Graf von Luxemburg, Erzbischof von Trier, geb. 1285, ein Bruder Kaiser Heinrichs VII., studierte in Paris und wurde 1307 zum Erzbischof von Trier ernannt. Als solcher hatte er neben dem Erzbischof Peter von Mainz den hervorragendsten Anteil bei der Wahl seines Bruders zum deutschen Könige (1308), begleitete diesen auch 1311 auf seinem Zuge nach Italien und wußte als gewandter Staatsmann den Vorteil seines Stifts wie seines Hauses, das nun auch Böhmen gewonnen hatte, gleichmäßig zu wahren. Nach dem Tode seines Bruders stimmte er 1314 für die Wahl Ludwigs des Bayern und hielt auch in dem Streite Ludwigs mit den Päpsten, ohne mit den letztern geradezu zu brechen, zu ersterm, den er auch in der Schlacht bei Mühldorf (1322) kräftig unterstützen ließ; ja er wußte sich, selbst gegen päpstliche Verfügungen, von 1328 bis 1338 in Mainz, wo man ihn gleichfalls zum Erzbischof erwählt hatte, und seit 1331 auch als Administrator von Speier und Worms zu behaupten, so daß eine gewaltige Macht damals in seiner Hand vereinigt war. Obwohl B., um den Konflikt mit dem Papste nicht auf die Spitze zu treiben, 1338 auf Mainz, Speier und Worms verzichtete, blieb er doch gut kaiserlich und beteiligte sich selbst an dem Kurverein von Rense; erst als Ludwig B.s Neffen, König Johann von Böhmen, beeinträchtigte, indem er die Erbin von Tirol, Margarete Maultasch, von dessen Sohn eigenmächtig schied, trat auch B. wie das ganze Haus der Luxemburger zum Papste über und veranlaßte 1346 die Wahl seines Großneffen, Karl (IV.) von Böhmen, zum Könige. In dessen Namen wirkte er wie-^[folgende Seite]