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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ballagi; Ballanche; Ballantyne

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Ballagi - Ballantyne

nach England und Schottland und wurde hier als Bezeichnung für die zahlreichen lyrisch-epischen Volkslieder verwendet, die meist Stoffe des Heldentums (am berühmtesten «Chevy Chase» und die B. von Robin Hood), oft dialogisiert, behandelten; sie wurden zuerst von Percy als «Reliques of ancient English poetry» (1765; neue Ausg. von A. Schröer, I, Heilbr. 1889) gesammelt und übten auf die engl. und deutsche Litteratur des 18. Jahrh, einen tiefgehenden Einfluß aus (vgl. die große Sammlung von Child, The English and Scottish popular ballads, 6 Bde., Bost. 1383 fg.). Infolgedessen wird das Wort B. in Deutschland von Dichtungen gebraucht, die im Tone der alten engl. und schott. Volkslieder gehalten sind. In der B. überwiegt im Gegensatze zu der mehr lyrischen Romanze (s. d.) das epische Element. Klassische Beispiele für neuenglische B. sind Goldsmiths «Edwin and Angelina» und S. T. Coleridges «Ancient Mariner». Die deutsche B. pflegten mit Geschick Bürger, der sie eigentlich erst der englischen nachbildete (vgl. Bonet-Maury, B. A. Bürger et les origines anglaise de la ballade littéraire en Allemagne, Par. 1889), Goethe, Schiller, dann namentlich Uhland und Heine. Die ausführlichste Sammlung bietet Hub, «Deutschlands Balladen und Romanzendichter von G. A. Bürger bis auf die neueste Zeit» (3 Bde., Karlsr. 1845-47 u. ö.); außerdem «B. deutscher Dichter von Bürger bis zur Gegenwart», hg. von Hellinghaus (Münst. 1889); «Balladenbuch. Die schönsten deutschen B., Romanzen, Stimmen der Sage und Geschichte, Poet. Erzählungen», hg. von Krais (Lpz. 1889); «Romanzen und B.», hg. von Buchheim (Lond. 1891).

Vgl. Hense, Romanze und B. (2 Tle., Warburg 1878-79); Holzhausen, B. und Romanze von ihrem ersten Auftreten in der deutschen Kunstdichtung bis zu ihrer Ausbildung durch Bürger (Halle 1882); Goldschmidt, Die deutsche B. (Hamb. 1891); Chevalier, Zur Poetik der B. (Lpz. 1891).

In der Musik ist die B. ein in erzählendem Tone gehaltenes Gesangstück für eine Singstimme mit Klavier- oder Orchesterbegleitung (selten für Soli, Chöre u. s. w.). Entsprechend der knappen und lebhaft gedrängten Form der rein dichterischen B. muß auch die musikalische gestaltet sein; scharfer dramat. Ausdruck, im einzelnen treu charakterisierende Begleitung und durchkomponierte Form (im Gegensatz, zur Liedform) sind ihre wesentlichen Merkmale. Bekannte Balladenkomponisten sind J. André der Ältere (Bürgers «Lenore»), Zumsteeg, vor allen Karl Löwe (s. d.), der seinen obengenannten dichterischen Genossen als Balladenkünstler gleichsteht. Als Muster der Stilbehandlung sowie kongenialer Erfassung der Dichtung gilt mit Recht Schuberts «Erlkönig». Schumann komponierte B. von Uhland und Geibel für Soli, Chöre und Orchester (0p. 116, 139, 110, 143). Ganz gesondert von dichterischer Unterlage erscheint die B. auch in reiner Instrumentalmusik und muß hier, dem Wesen ihrer Entstehung gemäß, der Programmmusik zugerechnet werden. Dahin gehören Klavier- (z. B. von Chopin), Violin- und Orchesterballaden (Liszt, Brahms, Rubinstein).

Vgl. W. Chappell, Popular music of the olden times (2 Bde., Lond. 1865); Chrysander in «Jahrbücher für musikalische Wissenschaft», I (Lpz. 1863); Bach, The art ballad, Loewe and Schubert (3. Ausg.. Lond. 1891).

Ballagi, Moritz, ursprünglich Bloch, ungar. Sprachforscher und theolog. Schriftsteller, geb. 18. März 1815 zu Inócz im Zempliner Komitat von jüd. Eltern, studierte in Pest und trieb in Paris orient. Studien. In der Absicht, die Juden zu magyarisieren, begann er eine ungar. Bibelübersetzung, von der aber nur die Bücher Mosis und Josua erschienen sind (Pest 1840-43). B. wurde 1840 Mitglied der Ungarischen Akademie, ging 1843 nach Deutschland, trat hier zum Protestantismus über und studierte in Tübingen Theologie. 1844 als Professor an das evang. Lyceum zu Szarvas berufen, wirkte er daselbst bis zur Revolution, während welcher er als Generalstabssekretär unter Görgey, dann als Sekretär im Kriegsministerium diente. 1851 kehrte er in seine frühere Stellung nach Szarvas zurück und wurde 1855 Professor an der reform. evang.-theol. Anstalt in Pest, wo er bis 1878 wirkte. Er starb 1. Sept. 1891 in Budapest. B.s Ruf gründet sich in erster Linie auf seine Arbeiten über die magyar. Sprache. Hierher gehören: «Ausführliche theoretisch-praktische Grammatik der ungar. Sprache» (Pest 1843; 8. Aufl. 1881), «Vollständiges Wörterbuch der ungar. und deutschen Sprache» (2 Bde., ebd. 1854-57; 6. Aufl. 1890), «Magy. nyelv teljes szótára» («Vollständiges Wörterbuch der magyar. Sprache», 2 Bde., ebd. 1873) «Sammlung der magyar. Sprichwörter» (2 Bde., ebd. 1850; 2. Aufl. 1855). Als Theologe gründete B. 1858 «Protestáus egyházi és iskolai lap» («Prot. Kirchen- und Schulzeitung»), das Organ der freien prot. Kirchenrichtung. Ferner veröffentlichte er «Die Protestantenfrage in Ungarn und die Politik Österreichs» (Hamb.1860), «Tájékozás» («Orientierung auf dem Felde der Theologie», Pest 1862; 2. Aufl. 1863), «Renániana» (1864), «Der Kampf des Protestantismus gegen den Ultramontanismus» (1864); ferner «Biblische Studien», 2 Hefte, 1865, 1868) u. a.

Ballanche (spr. -lángsch), Pierre Simon, franz. Schriftsteller, geb. 4. Aug. 1776 zu Lyon, ward, in der Buchdruckerei und Buchhandlung seines Vaters thätig, durch Kränklichkeit zur Beschaulichkeit geführt. Er veröffentlichte 1802 eine Art christl. Ästhetik, «Du sentiment considéré dans ses rapports avec la littérature et les arts», und 1808 sechs elegische «Fragments» über Jugend und unglückliche Liebe, wurde aber erst beachtet, als er 1814 «Antigone», eine Prosaelegie von den Leiden der Menschheit, herausgab, nach Paris übersiedelte und mit Madame Récamier, Chateaubriand, Nodier u. a. bekannt wurde. B., seit 1842 in der Akademie, starb 9. Juni 1847. Seine aus einer Mischung philos. Geschichtsbetrachtung und mystischer Spekulation erwachsenen Schriften predigen in sauberm Ausdruck eine sociale Wiedergeburt auf dem Grunde seiner Lehre von der Sühne, welche die Grundlage seiner ganzen Philosophie bildet, z. B. «Essais ur les institutions sociales» (1818), besonders aber «Essai sur les institutions sociales» (2 Bde., 1827 fg.) und «Orphée» (1827-28). In «La ville des expiations» (1831) erscheint Rom als die Stadt, deren Geschichte das Ringen der Menschheit nach Wiedergeburt symbolisiert. «La vision d'Hébal, chef d'un clan écossais» (1832) bietet B.s Theorie als Entwicklungsgeschichte der Menschheit unter unklarer Allegorie. Seine «Œuvres» erschienen Paris 1831 (4 Bde.).

Vgl. Sainte-Beuve, B. («Revue des Deux Mondes», Sept.1834); Ampère, B. (Par.1848).

Ballantyne (spr. bällänntein), James R., Orientalist, geb. 13. Dez. 1813 zu Kelso in der schott. Graf-^[folgende Seite]