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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Baltimore (George Calvert) - Baltschik

B. ein 463 Schiffe mit 489874 t; es landeten 30904 Personen, darunter 29704 Einwanderer. Mit Europa besteht regelmäßige Schiffsverbindung wöchentlich nach Bremen und zweiwöchentlich nach Hamburg. Den Geldverkehr vermittelten 1889: 17 National-, 7 Staats- und 13 Sparbanken. Konsulate haben in B. Argentinien, Belgien, Chile, Columbia, das Deutsche Reich, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Nicaragua, Niederlande, Österreich-Ungarn, Spanien, Uruguay, Venezuela und die Vereinigten Staaten von Brasilien. Sechs Bahnlinien laufen in B. zusammen und stehen durch Tunnels, die 2112 und 1033 m lang sind und in 16 m Tiefe unter 29 Straßen führen, mit den Docks in unmittelbarer Verbindung. Von den Bahnhöfen ist der der Baltimore- und Ohio-Eisenbahn hervorzuheben; ihre Werkstätten in B. beschäftigen 3-4000 Leute. 1892 wird die 10 km lange, doppelgleisige Stadtbahn eröffnet werden. Sie beginnt beim Camdenbahnhof im S., geht in nördl. Richtung mitten durch die Stadt und mündet, nach SO. umgewandt, bei dem im Ostende B.s gelegenen Bay-View-Anschluß der Baltimore- und Ohio-Eisenbahn. Die Bahn liegt in 4 Tunnels, deren größter 2,5 km lang ist und schneidet keinen Straßenzug in Schienenhöhe. Die Kosten betragen 24 Mill. M. Zahlreiche Pferde- und Dampfstraßenbahnen dienen dem Verkehr im Innern.

Vgl. Illustrated B. (Neuyork 1890).

Baltimore (spr. báhltimohr), George Calvert, erster Lord von B., engl. Staatsmann, geb. um 1580 in Kipling (Yorkshire), wurde 1619 Staatssekretär unter Jakob I., trat aber 1624 aus dem Dienst und bekannte sich offen zum Katholicismus. Jakob gab ihm in demselben Jahre den Titel eines Barons von B. in Irland und große Besitzungen daselbst. Durch mehrere von ihm ausgesandte Schiffe hatte er in Neufundland eine kleine Kolonie gegründet, für die er 1623 einen Freibrief (Charte) erhielt. Jedoch gab er sie nach eigenem Besuch des Klimas wegen auf. Über seinen Bemühungen, eine Charte für eine neue Kolonie am Potomac zu erhalten, starb er 15. April 1632. In demselben Jahr erhielt aber sein Sohn Cecilius Calvert, zweiter Lord B., die Charte und gründete die Kolonie Maryland, welche Kultusfreiheit erhielt. Erster Gouverneur war Cecilius' Bruder Leonhard Calvert; Cecilius zu Ehren wurde die Hauptstadt Baltimore genannt.

Baltimore- und Ohio-Eisenbahn, s. Vereinigte Staaten von Amerika, Verkehrswesen.

Baltimorevoqel, s. Beutelstare und Stärlinge.

Baltimorit, eine Art Asbest (s. d.).

Bal Tir, s. Bardera.

Baltisch, Franz, Pseudonym des Schriftstellers Franz Hermann Hegewisch (s. d.).

Baltische Eisenbahn, s. Russische Eisenbahnen.

Baltische Provinzen, s. Ostseeprovinzen.

Baltisches Meer, s. Baltia und Ostsee.

Baltische Sprachen, s. Litauische Sprache.

Baltischport, russ. Baltijskij-Port, früher Rogerwiek genannt, Stadt mit selten zufrierendem Hafen im Kreis Reval des russ. Gouvernements Esthland, östlich an der Bucht Rogerwiek am Eingang in den Finnischen Meerbusen, Endpunkt der Baltischen Eisenbahn, hat (1885) 960 E., Post, Telegraph, luth. und griech. Kirche; Handel mit Killoströmlingen, die hier in Menge gefangen werden. Der Verkehr betrug 1887 nur 21 einlaufende Schiffe (5922 t) und 5 auslaufende (947 t).

Baltistan (d. h. das Land Balti), auch West- oder Kleintibet genannt, früher ein eigener Staat, jetzt eine Provinz im Reiche «Kaschmir und Dschamu» (s. d.), unter brit. Oberhoheit, am obern Indus gelegen, von Ostturkestan im N. und NO. durch die mächtige Karakorumkette getrennt, im SO. von Ladach, im S. von Kaschmir, im W. von Dardistan, Gilghit, Jassin u. s. w. begrenzt, umfaßt einen Flächenraum von etwa 33700 qkm. Es besteht hauptsächlich aus dem Thale des in 2200 m Höhe gegen NW. fließenden, an der Grenze des Gebietes von Gilghit aber sich nach SW. wendenden Indus, den untern Thälern von dessen Zuflüssen Schajok, Schigar, Gilghit u. a. und den zwischen denselben liegenden Bergketten und Hochflächen. Von NO. her führt über die Karakorumkette zur Hauptstadt Stardo (s. d.) der 5600 m hohe Mustagpaß, ein für Pferde ungangbarer Gletscherweg. An der Nordostecke, 110 km im ONO. von der Hauptstadt, steht der zweithöchste Berg der Erde, der Dapsang (8620 m), und fast ebenso weit im W. von ihr der Dajarmur oder Nanga-Parbat (8115 m). Dem Lande eigentümlich sind die hohen, steilen Felswände, tiefen Thäler und die große Kahlheit der Abhänge; die große Trockenheit des Sommers und die Hitze in den felsigen Thälern lassen den Baumwuchs auf den Thalseiten nicht aufkommen, obwohl in 1000 m größerer Höhe, wo die Luft feuchter ist, reiche Strauchvegetation gedeiht. Schnee ist nicht ungewöhnlich, Regen selten und spärlich. Das Industhal ist wenigstens streckenweise fruchtbarer als in Ladach. Man baut Weizen, Gerste, einigen Reis, Buchweizen, Hirse, Rüben, Melonen und gewinnt ausgezeichnete Trauben und Apfel. Eine Art kleiner Trauben kommt unter dem Namen Surisk als Korinthen in den Handel. Die Tierwelt gleicht der tibetischen. Eine Besonderheit ist hier wie in Gilghit und Tschitral die wilde Ziege des Pamir, mit gewundenen, über 1 m langen Hörnern. Die Einwohner, etwa 60000, sind tibetischen Stammes, bekennen sich aber sämtlich zum schiitischen Islam. Bis auf die Eroberung durch die Sith unter Gulab-Singh 1835 wurde B. von einem eigenen Fürsten oder Rojilfo regiert. Durch den Vertrag zu Lahaur vom 9. März 1846 behielt es Gulab-Singh nebst den Provinzen Kaschmir, Dschamu und Ladach. (S. Karte: Innerasien, Bd. 1, S. 982.)

Vgl. Cunningham, Historical and statistical account of Ladak (Lond. 1854).

Baltrum, die kleinste der ostfries. Nordseeinseln zwischen Norderney und Langeoog, gehört zum Kreis Emden des preuß. Reg.-Bez. Aurich (Amt Norden) und ist 8,07 qkm groß. Auf der Insel befinden sich zwei Dörfer (West- und Ostdorf) mit zusammen 155 E.; Westdorf hat 29, Ostdorf 11 Häuser. B. hat Postagentur und Telegraph, eine luth. Kirche, Rettungsstation für Schiffbrüchige und wird als Seebad besucht. Sehenswert sind die seit 1873 mit großen Kosten angelegten Uferschutzbauten, worunter eine 1,5 km lange, in Wellenform aus Quaderbruchsteinen hergestellte Dünenschutzmauer mit eingebautem Palissadenwerk.

Baltschik (Balčik), Dionysopolis, Küstenstadt im Kreis Varna des Fürstentums Bulgarien, 38 km im NO. von Varna, mit einem gegen die Nordwinde gesicherten Hafen am Schwarzen Meere, hat (1888) 4272 E., etwa die Hälfte Türken, im übrigen Bulgaren, Tataren und Griechen, ein Bezirksamt, ein Sanitäts- und Zollamt, große Warenmagazine, ansehnlichen Handel, bedeutende Ausfuhr