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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bange; Bangka; Bangkok; Bankok

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Bange - Bangkok

dritten Maisur-Kriege erstürmte Lord Cornwallis 7. März 1791 den Pet und 21. März das Fort. 1811 wurde das Militär von Srirangapattan nach B. verlegt, und 1831, als Maisur (bis 1881) unter brit. Verwaltung kam, zogen auch die Civilbehörden hierher, so daß B. seither die thatsächliche Hauptstadt ist.

Bange (spr. bangsch), Balérand de, franz. Oberst der Artillerie und Schöpfer des gegenwärtigen franz. Geschützsystems, geb. 17. Okt. 1833 zu Balignicourt (Aube), wurde 1873 als Direktor des Atelier de précision im Depot central zu Paris beauftragt, ein leichtes und ein schweres Feldgeschütz zu konstruieren. Die von B. als Major 1876 vorgelegten Feldgeschütze von 80 und 90 mm Kaliber wurden 1879 in die franz. Feldartillerie eingestellt. Eigentümlich ist die von B. konstruierte plastische Liderung, aus Fett und Asbest bestehend, sowie die Eisencentrierung der Geschosse. Von 1882 bis 1890 war B. Generaldirektor der frühern Etablissements Cail, deren Werkstätten in Grenelle (bei Paris), in Denain und in Douai liegen, und wandelte den größten Teil derselben zur Geschützfabrikation um. Im Nov. 1884 trat B. mit seinem Feldgeschützsystem in Wettbewerb mit Krupp, bei Gelegenheit der Neuausrüstung der serb. Feldartillerie mit Feld- und Gebirgsgeschützen. Die serb. Regierung entschied sich für die Geschütze von B. Bei Gelegenheit der Schießversuche in Bukarest 1885/86 mit franz. und deutschen Panzertürmen haben auch schwere Geschütze von Krupp und B. in Wettbewerb gestanden; die Entscheidung der rumän. Regierung ist zu Gunsten des erstern gefallen. Der Schraubenverschluß mit Bange-Liderung wird in einzelnen Beziehungen dem Kruppschen Rundkeilverschluß vorgezogen und ist von England für die neuen Geschütze wie von Italien für schwere Geschütze angenommen worden. Auch in Schweden wurde das System B. in der Feldartillerie angenommen. Auf der Weltausstellung zu Antwerpen von. 1885 hatte B. eine Riesenkanone ausgestellt; dieselbe bestand aus Stahl mit Beringung, hatte ein Kaliber von 34 cm, ein Rohrgewicht von 37000 kg, eine Rohrlänge von 11,20 m (33 Kaliber), feuerte Geschosse von 420 bis 6000 kg mit Pulverladungen von 180 bis 200 kg und sollte damit Geschoßgeschwindigkeiten bis 650 m und eine Schußweite bis 18000 m erreichen, doch hatte diese Kanone das Unglück, daß sie 1887 beim dritten Schuß, der aus ihr überhaupt gemacht wurde, zersprang. Auch auf der Pariser Weltausstellung von 1889 war B. mit seinen Konstruktionen reich vertreten; die Fabrik Cail geriet aber in derartige Zahlungsschwierigkeiten, daß in der Kammer über eine staatliche Unterstützung des Werks, als Gegengewicht gegen Krupp, verhandelt wurde. Eine erneute Konkurrenz, in die sich B. mit Krupp 1890 in Chile in Bezug auf Feldgeschütze einließ, fiel kläglich aus. Seit der Zeit ist B. von der Leitung der Fabrik wieder zurückgetreten.

Vgl. Mariotti, Canons français et canons allemands (Par. 1880): Hennebert, L'artillerie Krupp et l'artilelrie de B. (ebd. 1886); ders., Les canons de B. (Essen 1885); Monthaye, Krupp und de B. (deutsch von Bieberstein, Berl. 1887).

Bangka, ostind. Insel, s. Banka.

Bangkok oder Bankok, Hauptstadt von Siam, liegt unter 13° 38' nördl. Br. und 100° 34' östl. L. von Greenwich, 33 km oberhalb der Mündung des Menam in den Golf von Siam, auf beiden Ufern desselben, hat 40 qkm Flächenraum. Noch zu Ende des 17. Jahrh, ein ganz unbedeutender Ort, wurde B. 1766 nach Zerstörung der 75 km nördlicher gelegenen frühern Hauptstadt Ayuthia oder Ajuthia durch die Birmanen Hauptstadt und Residenz der Könige von Siam. Das Klima ist tropisch. Der kälteste Monat ist in B. der Dezember mit 23,8°, der wärmste der April mit 28,6° C. Von der jährlichen Regenmenge mit 1560 mm fallen in der Zeit vom Mai bis Oktober 1300 mm.

Anlage und Bauten. B. liegt auf mehrern, von dem hier 400 m breiten Menam gebildeten, von Kanälen netzförmig durchschnittenen Inseln, in niedrigem Alluviallande, das alljährlich am Ende der Regenzeit Überschwemmungen ausgesetzt ist. Die bei den Ärmern nur aus Bambus bestehenden Häuser und Hütten der Eingeborenen sind auf 2-3 m hohen Pfählen errichtet oder stehen auf den Flößen des Menam; die zur königl. Residenz gehörenden und die öffentlichen Gebäude, die buddhistischen Tempel, die meisten Gebäude der Europäer sowie zahlreiche Häuser einheimischer und chines. Gewerbtreibender zumal am Flusse sind ganz oder teilweise aus Stein gebaut. In dem innern, von einer 10 m hohen und bis 3 m dicken Mauer umgebenen Stadtteile am linken Ufer des Flusses befindet sich die aus einer Menge von Gebäuden, Höfen und Gärten bestehende, von einer Mauer umgebene königl. Residenz mit dem Palaste des Königs, den Harems, dem Gericht, Theater, königl. Bibliothek, Kaserne der Leibgarde, den reich geschmückten Ställen der weißen Elefanten, der Schatzkammer, dem Arsenal, den königl. Pagoden, darunter der Tempel, in dem der König bei seinem Regierungsantritt den Eid ablegt, mit einem 2 m hohen, vergoldeten, mit Edelsteinen verzierten Buddhabilde, sowie dem Mahaprasat mit prachtvoll verziertem Thron und Residenzsaal. Außerhalb der Stadtmauer, von Kanälen durchzogen, liegen nur wenige sehr schmale Straßen sowie eine breitere mit einem Bazar und regem Verkehr.

Ein ganz eigentümliches Aussehen erhält B. durch seine zahlreichen buddhistischen Tempel mit ihren vielgestalteten, sich in mehrern, gewöhnlich drei, terrassenförmigen Absätzen pyramidenartig, mitunter bis zur Höhe von 30 bis 40 m erhebenden Türmen, deren Giebel und hervorragende Dachspitzen mit reich vergoldetem Schnitz- und Bildhauerwerk verziert, die Dachziegel aber mit grüner oder gelber Glasur überzogen sind. Die bemerkenswertesten sind die Wat Sekket, Wat Nun und Wat Sutat genannten. Jeder derselben besteht aus dem eigentlichen Tempel, dem dazugehörenden Turme, einem Klostergebäude für die nach Art der Mönche gemeinschaftlich lebenden Priester (Talapoins), deren Zahl mitunter 2-300 beträgt, sowie aus einer diese Gebäude umgebenden, nach innen offenen, von Säulen getragenen, bedeckten Galerie, und liegt innerhalb weitläufiger, in chines. Stile angelegter und ausgeschmückter, von einer Ringmauer umgebener Gärten.

Bevölkerung. Die Schätzung der Einwohnerzahl schwankt zwischen 255000 und 600000 Seelen, darunter fast die Hälfte Chinesen, ein Drittel Thais oder Siamesen, der Rest Birmanen, Malaien und Einwanderer aus Laos, Pegu, Annam, Kambodscha sowie einige Tausend Mischlinge.

Handel und Verkehrswesen. Der Handel mit dem Auslande ist sehr beträchtlich, da Schiffe von 1000 t noch B. erreichen; er ist fast ganz in Händen der Chinesen und Europäer. 1893 betrug