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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Barabinsche Steppe; Barabra; Baracara; Barack; Baracke

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Barabinsche Steppe - Baracke und Barackensystem

Barabinsche Steppe, s. Baraba.

Barabra oder Berabra (arab. Berabira, die Mehrzahl von Barbari oder Berberi), Name der Nubier, welche das Nilthal von dem ersten Katarakt bei Assuan bis zum zweiten am Wadihalfa bewohnen. Ihre Gesamtzahl beträgt etwa 40000, die in 80 kleinern und einem größern Dorfe, Derr, dem Hauptort des Landes, wohnen. Die B. sind von rötlichbrauner Hautfarbe, mittlerer Gestalt, schwach entwickelter Muskulatur und langen Extremitäten. Ihre Physiognomie ist durchaus nicht negerartig und das Haar nicht wollig. Die B. sind mäßig und ehrlich und werden deshalb namentlich in Ägypten wegen ihrer Zuverlässigkeit zu häuslichen Dienstleistungen gern verwendet. Wegen der Armut ihres Landes wandern die B. zahlreich in die Fremde, um sich dort Geld zu verdienen und die Ersparnisse schließlich in der Heimat zu verzehren. Als Vorfahren der Nubier werden von Lepsius die seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. auf den ägypt. Denkmälern wiederholt vorkommenden Uaua betrachtet. Jedenfalls sind die B. sehr alte Bewohner Nubiens und zwischen ihnen und den ägypt. Fellachen und Kopten herrschen verwandtschaftliche Beziehungen. Die B. nahmen schon früh das Christentum an und schufen ein blühendes Reich, Dongola, bis 651 die Mohammedaner die christl. Berberkönige tributpflichtig machten. Um 1320 gingen die B. zum Islam über. 1815 wurden sie von den aus Ägypten verjagten Resten der Mamluken unterjocht, später machte Mehemed Ali sie dem Ägyptischen Reiche Unterthan, dem sie auch jetzt noch angehören.

Vgl. Hartmann, Reise des Freiherrn Adalbert von Barnim durch Nordostafrika 1859-60 (Berl. 1863); ders., Naturgeschichtlich-mediz. Skizze der Nilländer (ebd. 1866); Reinisch, Die Nuba-Sprache (2Bde., Wien 1879); Lepsius, Nubische Grammatik (Berl. 1880); J. Jankó, Die B. (in der «Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik», Jahrg. XIII, Heft 6).

Baracara, auch Koralleholz, ein sehr hartes und dichtes Holz von gleichmäßigem Korn, kommt vom Flusse Berbice in Englisch-Guayana und stammt von Erythrina corallodendron L.

Barack, Karl Aug., Germanist, geb. 23. Okt. 1827 zu Oberndorf, studierte zu Tübingen, wurde 1855 Konservator und Sekretär der Bibliothek des Germanischen Museums in Nürnberg, leitete seit 1860 die Fürstlich von Fürstenbergische Hofbibliothek zu Donaueschingen, deren Handschriften er (Tüb. 1865) beschrieb, und erließ 30. Okt. 1870 einen erfolgreichen Aufruf zur Wiedererrichtung der Universitätsbibliothek in Straßburg. B. wurde Juli 1871 zu deren Einrichtung und Verwaltung berufen und Juni 1872 zum Oberbibliothekar und ord. Professor ernannt. Wesentlich seiner Thatkraft ist es zu danken, daß die Bibliothek wieder über 675000 Bände besitzt. Seine Veröffentlichungen beschäftigen sich meist mit dem deutschen Mittelalter, besonders hervorzuheben sind: «Die Werke der Hrotsvitha» (Nürnb. 1858), das satir.-didaktische Gedicht «Des Teufels Netz» (Stuttg. 1863), «Gallus Oheims Chronik von Reichenau» (ebd. 1866), die «Zimmerische Chronik» (4 Bde., 2. Aufl., Freib. i. Br. und Tüb. 1881), seine wichtigen «Althochdeutschen Funde» («Ezzos Leich» und «Memento mori») in der «Zeitschrift für deutsches Altertum», Bd. 23 (1879), und in phototyp. Faksimile (Straßb. 1879) u. a. Mit Heitz gab er «Elsässische Büchermarken» (Straßb. 1892) heraus.

Baracke und Barackensystem. Unter einer Baracke versteht man ein zur vorübergehenden Unterkunft von Menschen bestimmtes eingeschossiges Gebäude aus leichtem Material. Der Ausdruck Baracke stammt aus dem Spanischen (barráca = Fischerhütte) und wurde durch gascogn. Truppen zunächst nach Frankreich übertragen. Bis zum Ende des 17. Jahrh. bezeichnete man daselbst als baraques die Unterkunftsräume der Kavallerie, während die Infanterie huttes bewohnte. Später wurde der Ausdruck baraque auf die Lagerhütten aller Truppen ausgedehnt. Vier Pfosten mit einem Flugdache aus Flechtwerk oder Stroh bildeten damals den ganzen Bau. Seitdem haben die Baracken einen andern, sehr abweichenden Charakter angenommen und in den verschiedensten Formen, namentlich für militärische, in neuester Zeit jedoch auch für andere Zwecke, mannigfache Verwendung gefunden. Die Bedeutung einer nur vorübergehend benutzten Wohnungsanlage ist dabei immer mehr verloren gegangen, am frühesten und vollständigsten in England und Nordamerika, wo man unter barracks geradezu Kasernen jeder Art versteht, auch wenn dieselben aus Stein errichtet sind und Stockwerke besitzen.

Als Unterkunftsräume für Truppen (Mannschaftsbaracken) sind Baracken verschiedenster Art sowohl in Feld- als in Friedenslagern, auf Schieß- und Übungsplätzen seit langem in Gebrauch. Für die Aufführung und Einrichtung giebt es in den Armeen der größern Staaten bestimmte Vorschriften. Die preuß. Baracken bestehen aus einem steinernen Fundament (60 cm hoch), einem darüber ausgeführten Ständerwerk (3 m hoch), welches ausgemauert und mit Brettern bekleidet wird, und aus einem meist flachen Bretterdach. Ausgedehnte Verwendung fanden große Barackenlager 1870-71 in Deutschland zur Unterbringung der zahlreichen franz. Kriegsgefangenen. Während man indessen noch damals diese Art der Unterkunft als einen Notbebelf betrachtete, geht neuerdings das Streben immer mehr dahin, Massenunterkunftsräume aller Art grundsätzlich als Baracken oder doch möglichst barackenähnlich zu gestalten, nachdem die Erfahrung (zuerst bei der Krankenbehandlung) gelehrt hat, daß die mit jeder Anhäufung von Menschen verbundenen gesundheitlichen Gefahren wesentlich vermindert werden, wenn zur Unterbringung anstatt eines großen, vielgeschossigen, mit zahlreichen Zwischenwänden versehenen Gebäudes mehrere kleine zur Verwendung kommen, die eine weit reichlichere Zufuhr von Licht und Luft sowie eine gründlichere Reinigung gestatten. Naturgemäß hat bei dem Barackenbau in dem Maße, in welchem der einstweilige Charakter des Bauwerks schwand, das früher ausschließlich verwandte leichte Material (Holz, Reisig, Stroh) dauerhafterm (Fachwerk, Stein, Eisen, Cement) Platz gemacht. Wesentlich ist nur noch, daß die Baracke (im Gegensatz zum zweigeschossigen Pavillon oder mehrgeschossigen mit Korridor versehenen Block) ein einziges, zu ebener Erde gelegenes oder wenig darüber erhöhtes Geschoß besitzt und im Innern außer kleinen Nebenräumen nur 1-2 m der Längsachse aneinandergereihte Haupträume umschließt, von denen jeder im Gegensatz zum Korridorsystem die ganze Tiefe des Gebäudes einnimmt, daher einander gegenüberliegende Fenster, und zwar an seinen Längsseiten, besitzt. Dadurch wird eine sehr ausgiebige Lüftung auf sog. natürlichem Wege und starke Belichtung ermöglicht. (S. Kaserne.)